Donnerstag, 26. September 2013

Kommerziell: Atlantis 3 - Die neue Welt

Atlantis 3 - Die neue Welt

Die Wüste von Ahaggar ist auch im Jahr 2020 nicht unbedingt das ideale Pflaster für eine junge Frau. Dies meint zumindest der rachsüchtige Targi, der dort eine Rechnung mit einer bestimmten Gruppe von Menschen zu begleichen hat. Somit rettet er der zielstrebigen Archäologin erst einmal kurzerhand das Leben und rät ihr diese Region zu meiden. Blöderweise lässt ihr der Forscherdrang keine Wahl, denn sie vermutet eine unentdeckte Grabstätte der Ägypter an diesem Ort. Zu ihrem Pech trifft sie bei ihren Bemühungen nicht nur auf ein rätselhaftes Portal, sondern ebenso auf einen schäbigen und zudem glatzköpfigen Banditen, der auf einen wertvollen Kristallschädel gestoßen ist. Da er mit seinen willenlosen Wachgorillas in der Überzahl ist, nimmt er die Dame zunächst in Gewahrsam, da er sich Hilfe von ihr erhofft. Ihre aufgezwungene Aufgabe ist es mehr über die Funktionen des gläsernen Artefakts in Erfahrung zu bringen. Zu diesem Zweck gilt es altägyptische Inseln zu erkunden und sich durch eine surreale Traumwelt zu bewegen, in der ein transparenter Delfin sein Wissen verkündet.

Am ägyptischen Strand scheint ein Fischerjunge vom Glück verlassen zu sein. Ob wir ihm helfen können?
Zwei parallele Handlungsstränge lassen uns später in vergangene Epochen eintauchen, in denen wir fremde Rollen einnehmen. Als Dieb, der eine Prinzessin mit einer schwarzen Rose beglücken möchte, durchforsten wie die Palastgärten aus eintausendundeiner Nacht. Anschließend dürfen wir uns als Steinzeitfrau mit einem Säbelzahntiger, einem Wolf und einem Bären anlegen. Wie sich jetzt vielleicht erahnen lässt, kann man auch in "Atlantis 3" bei falschen Aktionen scheitern. Auf panisches Speichern darf allerdings verzichtet werden, da wir uns nach dem Tod automatisch am Anfang der Szene wiederfinden. Kleine Schleichpassagen wurden in überschaubarer Zahl integriert und sorgen kaum für ernsthafte Frustmomente.

Was genau soll diese Kreatur mit Obelix-Maßen eigentlich darstellen?
Die Qualität des Rätseldesigns ist durchwachsen. So boten die ägyptischen Tempel im ersten Abschnitt noch äußerst kreative Puzzles, während sich die Produzenten im Morgenland-Kapitel teilweise auf merkwürdige Minispiele beriefen, die eigentlich nicht dem Stil des Adventures entsprachen. Die grafische und akustische Präsentation ist weitaus professioneller geworden: Die 3D-Umgebungen wurden in gewohnter Cryo-Manier verwirklicht, die sich schon in den 90er Jahren bewährt hat, und die Charaktere zeugen von einer realistischen Darstellung. Beachtliche Mühe gab man sich, indem man etwa das Gesicht der Schauspielerin Chiara Mastroianni auf eine 3D-Figur übertrug. Diese diente nämlich als Vorbild für die namenlose Ägyptologin und durfte ihr Alter Ego in der Originalversion sogar synchronisieren. Als ebenso stimmungsvoll erweist sich die Geräuschkulisse und die subtile Musikuntermalung.

Die von uns gesteuerte Archäologin erscheint in Dialogen und Filmsequenzen regelmäßig in der dritten Person auf dem Monitor.
Ist es eine gute Idee eine Protagonistin zu erschaffen, die zwar eine Erscheinung, aber keinen Namen bekommt? "Atlantis 3" hat davon keinen Schaden genommen, vielmehr waren es andere Punkte, welche die Freude am großen Abenteuer geschmälert haben. So beinhaltet die Geschichte durchaus interessante Ansätze, doch will es den Autoren nicht gelingen diese glaubhaft zu entfalten. In erster Linie war mir unklar, ob ich diese Welt eher mit Ernst oder mit einem erzwungenen Lächeln bewerten sollte. Einige Kreaturen, speziell im orientalischen Kapitel, waren nicht nur abstoßend hässlich gezeichnet, sondern zusätzlich auf eine Weise animiert, als wären sie einem Disney-Film entsprungen. Solche Faktoren haben mir die Atmosphäre an manchen Stellen ruiniert. Der allgegenwärtige esoterische Unterton macht unsere Mission außerdem häufig schwer verständlich. Es bleibt ein lediglich mittelmäßiges Adventure, das eine Menge des vorhandenen Potentials verschenkt.

Produzent: Cryo
Jahr: 2001

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