Sonntag, 22. September 2013

Kommerziell: Dark Fall 2

Dark Fall 2: Schatten der Vergangenheit

Die Horroradventures von Jonathan Boakes erfreuen sich mittlerweile höchster Beliebtheit. Warum dem so ist, werde ich am Beispiel eines seiner früheren Werke darlegen, der zweiten Episode der Dark Fall-Reihe.

Der Keller des Leuchtturms wirkt besonders im Jahr 1912 äußerst bedrückend.
Trewarthan, 1912. Der Auftrag, den Benjamin Parker erhielt, schien von Anfang an etwas merkwürdig. Wieso überhaupt bat man ihn die Küste zu vermessen, obwohl diese Gegend bereits zur Genüge kartografiert war? Da fühlt sich der Experte natürlich zunächst einmal verschaukelt - bis er schließlich die seltsame Erkenntnis erlangt, dass in der Nähe ein Leuchtturm existiert, der zuvor in keiner Karte Erwähnung fand. Das vor uns liegende Abenteuer konfrontiert uns auf bedrückende Weise mit dem geheimnisvollen Zwischenfall auf der Insel Fetch Rock, bei dem die drei Insassen des Leuchtturms in einer stürmigen Nacht spurlos verschwanden. Die Fakten des historischen Ereignisses bleiben ungeklärt, Legenden und Mutmaßungen dagegen werden in ferner Zukunft sogar zum Touristenmagneten. Im 21. Jahrhundert wird jener Tatort zum Museum umfunktioniert. Wir aber schlüpfen in die Rolle des Kartografen, der sich 1912 nach Fetch Rock begibt um sich dort einen weitreichenden Einblick über die Situation zu verschaffen. Dabei dürfen wir mit der Hilfe magischer Portale quer durch die Zeit reisen um die Entwicklung der Insel verfolgen zu können. Wir forschen also aus den Jahren 2004, 2090 und 2000 v. Chr. Und jede dieser Epochen erzählt uns ihre eigene Geschichte, deren Handlungsfäden stets mit dem mysteriösen Fetch Rock-Unglück von 1912 verwoben sind.

Im Jahr 2004 hat die Insel Fetch Rock sogar ihre eigene Aussichtsplattform.
Schon die düsteren und gleichermaßen bezaubernden Hintergrundgrafiken erzeugen eine beachtliche Stimmung - und das, obwohl sie eher einem altmodischen Game-Design entsprechen. Demnach klicken wir uns durch jede einzelne Perspektive und sind nicht in der Lage uns mit einer schlichten Mausbewegung um 360 Grad zu drehen. Und die Szenenbilder wirken statisch, da Animationen in der Regel ausbleiben. Für Atmosphäre zeichnet vorwiegend die Geräuschkulisse sowie der zurückhaltende, aber grandiose Soundtrack verantwortlich. Leichte Schockmomente werden durch plötzliche Stimmen und Gelächter ausgelöst, deren Herkunft sich uns nicht erschließt. Fast nie treffen wir direkt auf einen Interaktionspartner, es findet lediglich ein Eingangsdialog mit Parkers Auftraggeber statt. Der Kommunikationsaspekt wird vielmehr durch Briefe, Tagebücher, Informationstafeln und sonstige Berichte vermittelt. "Dark Fall 2" geizt nicht mit Worten, doch die dargebotenen Texte sind wunderbar zu lesen und intensivieren glaubhaft das Spielgeschehen. Ein Inventar ist zwar vorhanden, wird allerdings selten gebraucht. Über weite Strecken sind nur wenige Items verteilt, die sich tatsächlich einsammeln lassen. Vorrangig wird in wachsame Augen insistiert, sodass Hinweise aufgefunden, erkannt und angewandt werden müssen. Aus Zahlengruppen oder Symbolen lassen sich meist Code-Kombinationen bilden. Beim Erkunden der Umgebung muss sorgfältig nach versteckten Perspektiven Ausschau gehalten werden, da diese wichtige Informationen enthüllen könnten. An anspruchsvollen Rätseln mangelt es zumindest nicht. Nebenbei sollte noch erwähnt werden, dass das Team um Jonathan Boakes gerne an Websites bastelt, die ihre Ideen als Fakten darstellen - eine nette Methode zur Vermischung von Realität und Fiktion.

Im Museum stoßen wir auf zahlreiche Fotos, Artikel sowie auf die Geisterjägerin Polly White.
Hinter "Dark Fall 2" verbirgt sich ein gelungenes Abenteuer, das uns einerseits in eine historische Zeit versetzt und auf der anderen Seite sogar ein Science Fiction-Szenarium entwirft. Der Schwerpunkt liegt auf einem subtilen Horrorvergnügen, das insbesondere durch akustische Mittel und die packende Erzählweise verwirklicht wurde. Falls man sich Blut und Splatterelemente erhofft, wird man enttäuscht werden. Wer aber diese alternative Art des Gruselns liebt, ist bei Jonathan Boakes definitiv an der richtigen Adresse.

Offizielle Website des Fetch Rock-Zwischenfalls
Hadden Industries - Ausrüstung für Geisterjäger

Produzent: XXv Productions (Darkling Room), Vertrieb: The Adventure Company
Jahr: 2004

1 Kommentar:

  1. Dark Fall 2 ist eines meiner Lieblingsspiele: Es beinhaltet eine sehr gute, irgendwie auch traurige Geschichte. Den selben Ort in verschiedenen Zeitaltern aufzusuchen macht für mich einen besonderen Reiz des Spiels aus. Die Anfangssequenz auf dem Festland hat mir nicht so recht gefallen. Sie aber wohl auch nur als kurzer Einstieg gedacht. Grafik und Steuerung sind für mich völlig ausreichend (Es besteht nicht die Gefahr, dass mir schwindelig wird ;-) Mir gefällt das Spiel sogar einen Tick besser als Dark Fall l . Burchi

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