Mittwoch, 11. September 2013

Kommerziell: Dracula 2: Die letzte Zufluchtsstätte

Dracula 2: Die letzte Zufluchtsstätte

Es wird Zeit eine Review-Serie fortzusetzen: Die berühmte Dracula-Reihe aus Frankreich ging mit dem Titel "Die letzte Zufluchtsstätte" in die zweite Runde. Tatsächlich knüpft dieses Abenteuer unmittelbar an seinen Vorgänger, Dracula Resurrection, an.

Rote Augen, spitze Ohren, noch spitzere Zähne und bestimmt viele Flöhe: Was immer das ist, man sollte ihm nicht den Rücken zukehren.
Von einer entspannten Ehe kann nicht die Rede sein: Kaum hat Jonathan Harker seine Mina aus den Klauen des Vampirfürsten befreit, kündigt sich neuer Ärger aus dem finsteren Transylvanien an. Ehrenmann Harker jedoch weiß, wie es um seine geliebte Gattin steht, und so übergibt er sie in die Obhut eines befreundeten Psychologen, während er Dracula endgültig auszuschalten gedenkt. Leider können die Wände einer psychiatrischen Anstalt dessen Mächte nicht ernsthaft abhalten und so reißt er Mina erneut aus ihrem bevorzugten Leben um sie auf seinem Schloss zur Zwangsheirat zu bewegen. Unser Held erkundet derweil die verschiedenen Zufluchtsstätten des Grafen, wie dessen Haus in Carfax oder das Horrorkino Styx. Diese unheilvollen Plätze müssen letztlich zerstört werden um Draculas Wirkungsmacht einzudämmen. Eine Entwicklung zeigt sich insbesondere im Gameplay: Während "Dracula Resurrection" an äußerst simplen Rätseln krankte, sind diese nun plötzlich richtig anspruchsvoll und zudem ideal in die Handlung eingebunden. So müssen wir zum Beispiel Türcodes ermitteln und dazu viele Hinweise zusammenfügen. Die konzentrierte Lektüre diverser Tagebücher oder Aufzeichnungen bringt uns auf den korrekten Pfad, doch die Lösung fordert meist große Bemühungen und Adventure-Erfahrung. So geglückt und durchdacht die Knobeleien sein mögen, finde ich es schade, dass der Unterschied zum Schwierigkeitsgrad des absolut anfängertauglichen Originals so extrem ausgefallen ist. Zu den Neuerungen zählen auch Gefahrensituationen, die mit dem Tod enden können. Nein, keine Sorge, "Dracula 2" ist weit davon entfernt ein Actionadventure zu sein. In solchen Sequenzen wird zunächst eine rote Zeitleiste eingeblendet. Sobald diese am Nullpunkt angelangt ist, erscheint ein uninspirierter Game Over-Screen und wir müssen einen älteren Spielstand laden. In der Regel muss allerdings nur eine Aktion absolviert werden um die eigene Haut zu retten. Oft führt der Einsatz von Pfeil und Bogen oder Pistole zum Sieg über die Dämonen - ein einzelner Schuss genügt dabei vollkommen.

In dieser Psychiatrie scheint Mina vorerst in Sicherheit - oder etwa nicht?
Mitunter hatte ich aber das Gefühl, dass selbst die Steuerung als Bestandteil des Rätseldesigns eingeplant war. Wer Ausgänge sucht, wird manchmal auf eine harte Probe gestellt, da die entsprechenden Hotspots derart winzig sind, dass man sie mit dem Mauscursor ständig verfehlt. Auf diese Weise erkennt man bestimmte Raumwechsel- oder Interaktionsmöglichkeiten nicht, was häufige Frustmomente verursacht. Weitaus besser ist den Produzenten der Inventar-Bildschirm gelungen. Dieser ist kreisförmig angelegt und bietet Platz für zwei Gruppen von Gegenständen. So dienen die in der Mitte angesammelten Dinge zur Benutzung mit Hotspots im Szenenbild, während die Items des äußeren mit denen des inneren Rings kombiniert werden können. Zu guter Letzt sei noch zu erwähnen, dass auch der Nachfolger über eine wunderbare, subtile Gruselatmosphäre verfügt. Musikuntermalung nimmt keinen großen Stellenwert ein, denn Stimmung wird mit Geräuschen erzeugt. Die Hintergrundgrafiken treffen genau meinen Geschmack und das Design der Charaktere und Monster überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Regelmäßige Filmsequenzen sorgen für zusätzliche Spannung.

Eingetragener Eigentümer des Styx-Horror-Kinos: Graf Dracula.
Trotz der Wiederholungstaten des Vampirfürsten wird uns mit "Dracula 2" keine aufgewärmte Geschichte als Fortsetzung aufgetischt. Stattdessen wirft es weitere Facetten des Dracula-Mythos auf, die mit neuen, interessanten Locations einhergehen. Microids hat einmal mehr bewiesen, dass Bram Stokers berühmte Vorlage bei ihnen in den besten Händen ist.

Produzent: Microids
Jahr: 2000

1 Kommentar:

  1. Dem Kommentar kann ich nur zustimmen! Das Spiel hat mir sehr gut gefallen. Burchi

    AntwortenLöschen