Freitag, 6. September 2013

Werbespiel: Levi's Fit Files

Levi's Fit Files

Im Auftrag des berühmten Jeansproduzenten Levis Strauss & Co. wurde Ende der 90er Jahre ein Adventurespiel entwickelt. Ich habe mir dieses Machwerk genauer angesehen und mir ein Urteil gebildet.

Wer übrigens noch nicht genug Werbung gesehen hat, kann mit einem Klick auf die Levis-Leiste in der Ecke erfahren, welche Jeans in der jeweiligen Straße so getragen werden.
Eine verheerende Situation: Die modebewusste Bevölkerung wurde von Außerirdischen unterwandert. Obwohl eigentlich jeder zweite Passant über deren Anwesenheit aufgeklärt scheint, müssen wir als Spezialagent des Levis-Geheimdienstes den brisanten Fall übernehmen. Unser Ziel ist es eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Aliens bei einer kriminalistischen Gegenüberstellung zu enttarnen. Doch zuvor müssen Hinweise gesammelt werden, die uns auf die auffälligen Bürger aufmerksam machen. Nahezu überall lauert dabei die obligatorische Levis-Werbung und im Kaufhaus des Marktgiganten wird uns sogar ein Einblick in das Original-Sortiment aus dem Jahr 1999 gewährt. Bald erkennen wir zudem, dass unsere hinterlistigen Feinde aus dem Weltraum kein Gespür für aktuelle Hosen-Trends besitzen, was nicht sonderlich verwundern dürfte: Schließlich hat der Levis-Konzern noch keine Ladensiedlungen auf fremden Planeten eröffnet. "Levi's Fit Files" bietet ein äußerst simples Gameplay, das sich an Adventureanfänger richtet. Der Schwerpunkt liegt in Konversationen mit anderen Leuten, die uns hilfreiche Informationen oder Adressen geben. Bestimmte Dialogpartner sind zunächst nicht ansprechbar, sofern wir keinen handfesten Anlass haben sie zu kontaktieren. Inventarrätsel wären bei dieser trivialen Spurensuche wohl überflüssig gewesen, weshalb selbst die EC-Karte unaufgefordert in den Eingabeschlitz des Automaten gesteckt wird. Das Geld ist übrigens ein wichtiger Faktor, denn wie im echten Leben verringert sich unser Guthaben bei teuren Transaktionen schnell und der Kontostand bei unserer Bank steht irgendwann bei Null. Wer gerne eine Runde mit dem Taxifahrer dreht, dem sei also gesagt, dass die Nutzung der U-Bahn bei "Levi's Fit Files" umsonst ist. Für Dialogszenen wurde die Mimik und Gestik unseres Gegenübers detailliert vorgezeichnet und in eben diesem Skizzenstil auch ins Spiel eingebaut, wodurch ein interessantes Comic-Design entstanden ist. Die verschiedenen Locations erstrahlen in schrillen Farbtönen. Hotspots, die angeklickt werden können, heben sich durch ihre Orange-Färbung vom überwiegend schwarzen Hintergrund ab. Gemischte Gefühle hat mir dagegen die Synchronisation bereitet, die mit recht professionellen Sprechern realisiert wurde. So wurde etwa Ingo Abel als die Stimme unseres Alter Ego eingesetzt, die mir persönlich zu unsympathisch erschien. Die übertrieben lässigen Ausdrucksformen ziehen sich zwar wie ein roter Faden durch das Adventure, doch die Vertonung des Geheimagenten empfand ich als besonders störend. Einige Sprecher können wesentlich besser überzeugen und brachten mich teilweise zum Lachen.

In der Regel werden in diesem Spiel Energy-Drinks ausgeschenkt - nicht, dass man sich die tollen Jeans noch mit Alkohol versaut.
"Levi's Fit Files" ist ein technisch ausgereiftes Werbespiel, das eher inhaltliche Schwächen aufweist. Viele Gags und Charaktere waren durchaus amüsant, insgesamt wäre aber noch eine Steigerung möglich gewesen. Bedenklich finde ich zudem die unterschwellige Botschaft, dass Menschen, die keine Trendhosen der Marke Levis tragen, als "Aliens" abgestempelt und somit in eine Outsider-Rolle gedrängt werden. Man kann natürlich die Meinung vertreten, dass diese Art von Storyboard im Sinne von Werbung tolerierbar ist. Und vielleicht ist es zu empfehlen bei diesem Genre auf tiefere Interpretationen zu verzichten. Letztlich muss das jeder für sich entscheiden - mein Eindruck ist zumindest etwas getrübt.

Produzent: Elephant Seven
Jahr: 1999

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen