Dienstag, 22. Oktober 2013

Kommerziell: ASA - A Space Adventure

ASA - A Space Adventure

Mit dem animierten Kurzfilm 2011 - A Space Adventure setzte Künstler Simon Mesnard die Grundlage für sein erstes Adventure-Projekt. Dieses wurde mit der Engine Adventure Maker produziert und ist seit einigen Monaten für knapp 10 € über Desura erhältlich. Laut Aussage des Autors versteht sich das ruhige und tiefgründige Weltraumabenteuer als Hommage auf "Riven" und "2001 - Odyssee im Weltraum".

Dieser Arbeitsraum in der Arche wirkt auf den ersten Blick wie ein modernes Internetcafe.
Im Jahr 2057 macht ein Astronaut eine faszinierende Entdeckung: Ein mittelgroßer, schwarzer Würfel kreuzt unverhofft seinen Weg und weckt sogleich den Forscherdrang ihn ihm. Mit aller Mühe gelingt es ihm letztendlich das seltsame Ding zu erfassen, woraufhin er ohne jede Vorwarnung an einen fremden Ort teleportiert wird. Somit findet er sich in der "Arche" wieder, einem Raumschiff von gigantischem Ausmaß. Zunächst ist unser Alter Ego leicht überfordert mit der neuen Situation - bis er schließlich auf die digitalen Aufzeichnungen von Philip Forte stößt, der bereits 2011 die Arche erkunden durfte. Aus der Perspektive unseres Astronautenfreundes folgen wir den Spuren dieses Mannes um Schritt für Schritt Antworten auf unsere Fragen zu erlangen. "ASA" beweist schon zu Beginn, dass auch heute keine 3D-Umgebung notwendig ist um ein technisch ausgereiftes Spiel auf die Beine zu stellen. Vielmehr favorisierte Mesnard das traditionelle Slideshow-Format, das sich bei alten Myst-Episoden bewährt hat. Dies bedeutet, dass die Maus vorrangig zum Klicken dient und man sich nur in speziellen Räumen um 360 Grad drehen kann, weil es sich dort eben anbietet. Insgesamt ist die Steuerung simpel und unkompliziert, wie in den meisten Adventure Maker-Spielen. So kann zum Beispiel das Inventar am oberen Bildschirmrand eingeblendet werden, indem man die rechte Maustaste betätigt.

In den Häusern kann man sich auch mal für eine Nacht zur Ruhe legen. Sie sind ohnehin inzwischen alle unbewohnt.
Grafik, Musik und Atmosphäre sind schlichtweg eine Meisterleistung - besonders für einen unabhängigen Entwickler, dem in erster Linie Desura als Vertriebsplattform zur Verfügung steht. Die flüssigen und sehenswerten 3D-Animationen aus dem Kurzfilm wurden adaptiert und ausgebaut, sodass Cutscenes in hoher Zahl realisiert werden konnten. Besagte Zwischensequenzen zeigen unseren Helden überwiegend aus der dritten Person, wobei sein Gesicht stets unter dem Helm verborgen ist. Das lässt sich allerdings durchaus als künstlerisches Stilmittel interpretieren. An keiner Stelle nämlich werden wir einem humanoiden Charakter in die Augen blicken können. Die Hintergrundgrafiken sind weitaus statischer, doch müssen sie sich keineswegs vor damaligen Cyan-Erzeugnissen verstecken. Die planetaren Landschaften erinnern sofort an die paradiesischen Inseln von "Riven" und die exotischen Vögel oder Insekten scheinen an die lebhafte Fauna des "Myst"-Nachfolgers angelehnt zu sein. Außerdem fängt "ASA" die stille und einsame Weltraum-Stimmung des Kinoklassikers "2001" ideal ein und flechtet Motive aus Buch und Film in sein Storyboard ein. Da ich ein großer Fan des Schriftstellers Arthur C. Clarke bin, kam ich allein deswegen schon auf meine Kosten. Das musikalische Spektrum besticht durch mystische und futuristische Klänge, die mit einer dichten Geräuschkulisse untermauert wurden. Natürlich darf der Rätsel-Aspekt nicht vernachlässigt werden, denn wer es wagt sich auf "Riven" zu berufen, wird sich mit anfängertauglichen Knobeleien nicht unbedingt Freunde machen. Tatsächlich scheint Mesnard auf diesem Gebiet ebenso unschlagbar. Es sind jene Puzzles, die für meinen Geschmack viel zu schwierig sind, die aber von zahlreichen Leuten geschätzt werden. Der Aufwand dahinter ist jedenfalls beachtenswert. So müssen wir im Verlauf des Spiels die Schriftzeichen einer außerirdischen Sprache erlernen um etwa ein Passwort korrekt umwandeln zu können. Alles in allem wird hohe Konzentration vorausgesetzt. Besonders die Tagebuch-Fragmente beinhalten häufig Hinweise, aus denen wir unsere Schlussfolgerungen ziehen müssen. Es besteht kein Zweifel, dass das Rätselkonstrukt geradezu perfekt in die Handlung integriert wurde.

Diese Konstruktion dient der rasanten Fortbewegung zur nächsten Insel. Wir dürfen uns schon auf eine aufregende Kamerafahrt nach Riven-Manier freuen.
In seinem Erstlingswerk stellt Simon Mesnard seine Professionalität in jeglichen Bereichen des Gamedesigns unter Beweis und demonstriert uns im besten Sinne, dass er den Vorbildern, die ihn zu seinen Ideen inspirierten, gewachsen ist. "ASA" übertrifft alle Erwartungen, die ich in Bezug auf diesen Titel hatte, und entpuppt sich als absolute Top-Empfehlung unter den sogenannten Myst-Klons.

Website

Produzent: Simon Mesnard
Jahr: 2013

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