Mittwoch, 2. Oktober 2013

Kommerziell: Atlantis Evolution

Atlantis 4: Atlantis Evolution

Nach Atlantis: Die neue Welt fiel Cryos Atlantis-Lizenz in die Hände bislang unerprobter Produzenten. Bei Atlantis Interactive Entertainment war der Name Programm und so entstanden bald eine vierte und eine fünfte Episode unter dem unverbrauchten Markenzeichen.

Ein schockierter Blick: Auch für Curtis ist es kein alltägliches Erlebnis, dass ihn ein gigantischer Strudel zu verschlucken droht.
Bei einem Sturm im Jahr 1904 gerät ein Meeresdampfer unverhofft in große Gefahr. In letzter Sekunde rettet sich der an Bord befindliche Fotograf Curtis Hewitt in ein Beiboot, wo er sich zunächst irrtümlich sicher fühlt. Es passiert ja auch nicht alle Tage, dass er inmitten des Ozeans von einem gewaltigen Strudel erfasst wird. Wie durch ein Wunder überlebt der junge Mann den Zwischenfall und wird gewissermaßen in eine fremde Dimension geschleudert. Auf der anderen Seite erwartet ihn tatsächlich das sagenumwobene Atlantis, das allerdings schon angenehmere Zeiten gesehen haben dürfte. So trifft er auf die Bewohner eines Dorfes, die von höheren Mächten zu einem Sklavendasein verdammt wurden. Curtis flüchtet in die Wälder, wo er selbst als "Abtrünniger" gejagt wird und findet dort neue Freunde, die sich in jenem grünen Paradies vor ihren Peiningern versteckt halten. Schließlich begibt sich unser Held auf eine anstrengende Reise um die offenbar willenlosen Atlanter aus ihrer Gefangenschaft zu befreien - nicht ahnend, dass er dabei seinem ihm bisweilen unbekannten Schicksal folgt.

Der Dschungel von Atlantis bietet eine unermessliche Fülle an interessanten Natur- und Gesteinsformationen.
Die Hintergründe und Cutscenes sind wie gewohnt hochwertig. Nur in Punkto Charakterdesign muss ich Abstriche machen, da die Figuren teilweise zu künstlich und unauthentisch gestaltet wurden. Darüber hinaus verfügt das Adventure über eine gute Bandbreite an Musikuntermalung, die sich meist in exotischen Klängen äußert. Hierbei kommen Panflöten oder ähnlich unkonventionelle Instrumente zum Einsatz. In bestimmten Gebieten kann einzig die Geräuschkulisse vernommen werden, welche von enormer Lebhaftigkeit zeugt. Die farbenfrohe und niemals düstere Welt von Atlantis kann mit 360°-Drehungen erkundet werden, jedoch muss man sich zur Fortbewegung noch von einem Szenenbild zum nächsten klicken. Als wichtigste Aspekte des Gameplays kristallisieren sich schon bald die Dialoge sowie traditionelle Inventarrätsel heraus. Viele Aufgaben wurden scheinbar willkürlich eingebaut und wirken absolut fehlplatziert. So wurden abgewandelte Varianten der Spielhallenklassiker Pong oder Frogger als Füllmaterial genutzt, ebenso wie schlecht realisierte 2D-Jump'n Run-Sequenzen, die nicht einmal eine Herausforderung darstellen. Die Türme von Hanoi wurden dagegen besser in den Spielkontext integriert. Trotzdem geizten die Entwickler spürbar mit Eigenkreativität im Rätseldesign. Zudem müssen wir häufig Schleichpassagen absolvieren, in denen Achtsamkeit und Schnelligkeit gefragt sind - eine althergebrachte Beschäftigungsmaßnahme in Atlantis-Episoden. Diese können je nach Geduld frustrieren, auch wenn nach dem Tod ein Reset erfolgt und wir die Szene wiederholen dürfen.
Die klassische Inneneinrichtung lädt zum Verweilen ein - vorausgesetzt man ist ein Holzwurm.
Epische Ausmaße erlangt die Geschichte zwar nicht, dennoch konnten die letzten wendungsreichen Abschnitte einiges herausreißen. Leider schwächelt "Atlantis Evolution" an einer insgesamt zu lieblosen Umsetzung. Oberflächliche Charaktere, eine schleppende Erzählweise und unmotivierte Rätsel sorgen für ein lediglich durchschnittliches Spielvergnügen.

Produzent: Atlantis Interactive Entertainment, Vertrieb: The Adventure Company
Jahr: 2004

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