Samstag, 19. Oktober 2013

Kommerziell: Beyond Atlantis

Atlantis 2: Beyond Atlantis

Es ist nicht leicht mit einer Fortsetzung an eine Adventure-Legende anzuknüpfen. Cryo hat es mit "Beyond Atlantis" tatsächlich gewagt sein Atlantis in Serie zu schicken, obwohl das besagte Original sehr abgeschlossen wirkte. Ich habe das Spiel nach mindestens zehn Jahren erneut begutachtet.

An der irischen Küste grasen einige niedliche Schäfchen.
Lange Zeit nach dem Untergang von Atlantis schlüpfen wir in die Rolle von Ten, dem Träger des Lichtes. Seine Mission ist es das Gleichgewicht des Universums wiederherzustellen - kein einfaches Unterfangen, zumal er dazu einige Steine aufstöbern muss, die ihm den Weg nach Shamballa ebnen. Diese sind an diversen irdischen Plätzen versteckt, welche er stets auf eine etwas unkonventionelle Weise bereisen wird. Der Ehrgeiz der Leute hinter "Atlantis 2" bestand wohl in erster Linie darin keine Kopie des Vorgängers zu entwickeln - ein löbliches Ziel, das allerdings nicht zwingend zu einem besseren Ergebnis führen muss. Doch fassen wir zunächst zusammen: Das zentrale Geschehen findet in drei verschiedenen Regionen statt, die Ten im Rahmen seiner Traumreisen erkunden darf. Dabei handelt es sich um Irland, China und Yukatan, wo wir unseren Geist jeweils in den Körper eines uns fremden Menschen transformieren und in dessen Gestalt bestimmte Aufgaben erledigen müssen. Im Finale werden wir schließlich das geheimnisvolle Shamballa besuchen um die verbleibenden Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Wer Nervenkitzel im Sinne eines "Atlantis 1" erwartet, wird enttäuscht werden. "Atlantis 2" tendiert nämlich in eine nahezu gegensätzliche Richtung und folgt traditionellen Adventure-Motiven. Kurz gesagt stehen Ruhe und Besinnlichkeit an der Tagesordnung und jegliche Sterbeszenen wurden abgeschafft. Stattdessen entpuppt es sich schon bald als ein zutiefst spirituelles Abenteuer. Das zeigt sich in Dialogen, Rätseln und eigentlich an allen Ecken. Cryo hat seinen Hang zur Esoterik vermutlich nie so deutlich zum Ausdruck gebracht. Diese grenzenlose Fülle an übersinnlichen Begebenheiten dürfte die meisten Spieler auf Dauer überfordern - mich eingeschlossen.

Die chinesische Miniaturwelt steckt voller Überraschungen, wie etwa einem riesigen Drachen... na gut, eigentlich ist es nur eine Flugmaschine.
Das Gameplay konnte mich gar nicht überzeugen. Dass Cryo die Geschicklichkeitssequenzen durch teilweise wirre Rätsel austauschte, erwies sich als schlechte Strategie. Meinen Geschmack trafen die Knobeleinlagen jedenfalls selten. In der Regel sind sie zu abgehoben und bringen darüber hinaus den Fehler mit sich, dass zu wenige Erklärungsansätze vorhanden sind. Die Logik hinter den Puzzles lässt sich also nicht immer nachvollziehen. Aller negativer Aspekte zum Trotz habe ich die Präsentation an sich genossen. Die faszinierende Grafik wurde sogar noch verfeinert, sodass besonders die Figuren und deren Gesichtszüge nun realistischer wirken. Die Steuerung durch die beeindruckenden Dimensionen hat sich nicht verändert. Somit bleibt uns eine moderne, komplett begehbare 3D-Umgebung verwehrt, sodass einzelne Positionen nur mit Mausklicks überbrückt werden können. Weiterhin dürfen wir uns aber bequem um die eigene Achse drehen. Gesprächsoptionen werden in den Konversationen wie gewohnt durch Bildsymbole ausgewählt und das Inventar lässt sich in bekannter Manier unten einblenden. Zu den Glanzleistungen von "Atlantis 2" gehört definitiv der Soundtrack, denn die gebotenen Hintergrundmelodien verstehen es uns aus dem Alltag zu entführen und verleihen uns das Gefühl in ferne Welten abzudriften.

Die schönste Aussicht dürfen wir in Yucatan genießen. Nur der Strandblick fehlt.
Mit "Atlantis 2" versuchten uns die französischen Produzenten im großen Stil Komplexität und Handlungstiefe zu vermitteln. Leider vermochten sie sich dabei nicht in die Köpfe potentieller Spieler hineinzudenken, denen sich die Rätsel und die konfuse Story kaum erschließen konnte. Mir erschien dieses Machwerk zudem stellenweise äußerst langatmig - eine Eigenschaft, die man dem Vorgänger keineswegs anrechnen konnte. Vielleicht wäre ein zeitlich vor dem Niedergang der namensgebenden Insel angesetztes Prequel spannender geworden - so ganz ohne außerkörperliche Erfahrungen und mit nur einem heldenhaften Hauptcharakter, wie einst Eno.

Produzent: Cryo
Jahr: 1999

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