Mittwoch, 6. November 2013

Kommerziell: Dust - Tales of the Wired West

Dust - Tales of the Wired West

Titanic mag zwar das bekannteste Adventure von Cyberflix sein, aber insgesamt hat die Spielografie des Herstellers drei Vertreter dieses Genres vorzuweisen. Nach dem späteren Redjack berichte ich heute über das im Wilden Westen angesiedelte und zuerst veröffentlichte "Dust - Tales of the Wired West".

In Diamondback lässt sich nicht nur sprichwörtlich eine Sau durchs Dorf treiben. Allerdings trägt diese Spielerei nicht zur Lösung bei.
Nach einem mühsamen Marsch durch die Wüste kehren wir in einer Nacht des Jahres 1882 im winzigen Örtchen Diamondback ein, das im Bundesstaat New Mexico gelegen ist. Unsere Anwesenheit spricht sich zügig herum und die Augen der misstrauischen Einwohner scheinen auf uns gerichtet. Bald ist unser neuer Kosename, "Der Fremde" (The Stranger), in aller Munde. Infolge diverser Anlaufschwierigkeiten checken wir im Hotel mit der wenig einladenden Bezeichnung "Cactus Bed" ein und beschließen diese Gastfreundschaft noch einige Tage zu genießen. Von Erholung kann jedoch kaum die Rede sein, denn wir geraten ständig in Gefahr und müssen unseren Ruf mit kleinen Heldentaten ins rechte Licht rücken. Und weil es hier aktuell an Gesetz und Ordnung mangelt, ernennt uns Bürgermeister Macintosh letztlich kurzerhand zum Sheriff.

Der Barkeeper hat immer eine kleine Information zu unseren Mitbürgern im Ärmel.
Im Wesentlichen umfasst "Dust" drei Gameplay-Elemente, die uns eine gesunde Abwechslung bescheren. Da wir ohne Geld aufgeschmissen sind, können die Glücksspiel-Einlagen nicht ausgespart werden. Je nach individuellem Geschmack dürfen wir zwischen Poker, Blackjack und der Slotmaschine wählen. Ich empfehle nach jedem Zuverdienst abzuspeichern und beim nächsten Verlust das entsprechende Savegame zu laden. Wer bereits beim ersten Besuch im Saloon eifrig zockt und darauf die Bank konsultiert, der kann sich bis zum Finale vor der Spielerei drücken. Sobald wir uns eine Pistole mit Munition besorgt haben, müssen regelmäßige Arcardesequenzen absolviert werden. Meist gehen diese nach dem gleichen Schema vonstatten, sodass wir häufig eine Gruppe von Gegnern zu besiegen haben, die nacheinander in den Straßen auftauchen. Dabei ist Schnelligkeit gefordert und die Patronen sollten im Idealfall in einer sicheren Ecke ausgetauscht werden. Eine sichtbare Energieleiste ist nicht vorhanden, weshalb wir den Zeitpunkt des bevorstehenden Todes selbst abschätzen müssen. Da wir inmitten dieser Schießereien abspeichern dürfen, sind diese Action-Momente allerdings gut zu bewältigen. Überwiegend bewegen wir uns aber auf traditionellen Adventure-Pfaden: "Dust" basiert größtenteils auf Charakterinteraktionen, da die handelnden Personen die Geschichte vorantreiben. Somit müssen wir am laufenden Band Konversationen führen um Informationen einzuholen. Ein Chinese, der als Tutorial-Figur integriert wurde, gibt uns direkt zu Beginn den Rat die Aussagen unserer Mitbürger auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Durch Tagebücher und umfangreichere Sachliteratur erlangen wir ausgiebige Fakten in Bezug auf die Historie von Diamondback sowie die Beobachtungen von Macintoshs Tochter. Unsere Aufgaben sind breit gefächert, weil das Amt des Sheriffs gerne mal mit dem eines Boten verwechselt wird. Daher gilt es in der Apotheke nach Vorgaben eines Rezeptes ein Medikament zusammenzumischen, das die Ärztin erbeten hat. Besonders knifflige Herausforderungen müssen im letzten Kapitel gemeistert werden, wenn wir uns in die indianischen Katakomben vorwagen.

Das dürfte die schwierigste Schießerei im Spiel darstellen. Warum geht den drei Herren eigentlich nie die Munition aus?
Mit den Pfeiltasten steuern wir den Fremden schrittweise durch die antiquierte 3D-Umgebung, die übrigen Aktionen werden mit der Maus ausgeübt. Ein Klick auf unseren im Interface abgebildeten Alter Ego macht das Inventar zugänglich. Die Grafik von "Dust" reißt heute niemanden mehr vom Hocker, aber ich fand trotzdem meinen Gefallen an der von Cyberflix errichteten Welt. Vorrangig beeindruckten mich die in den Dialogszenen agierenden Schauspieler. "Dust" repräsentiert ohnehin einen grandiosen Humor, doch allein schon die Garderobe, das Styling und das skurrile Auftreten der Akteure ist darauf angelegt uns zum Lachen zu animieren. Es sind zweifelsfrei lebende Karikaturen, die in Diamondback unseren Weg kreuzen. Aus der Ferne erscheinen sie uns nur als detailarme 3D-Modelle, die man in der Nahansicht kaum wiedererkennen wird. Musik und Geräuschkulisse wurden stets situations- und ortsabhängig eingebaut. So dürfen wir uns etwa abends im Saloon an den fröhlichen Kompositionen des Klavierspielers erfreuen. Das Titelstück orientiert sich natürlich an klassischen Wild West-Klischees.

The Kid is in Town: Ein harter Gegner, aber auch er hat Schwächen, mit denen wir uns befassen sollten.
Außerdem wurde das urkomische und schön inszenierte Abenteuer mit fünf verschiedenen Endsequenzen ausgestattet, welche die Story mit Witz und Kreativität abrunden. Wir bestimmen also, wohin die Reise des Fremden gehen soll. Schade, dass wir der Firma Cyberflix diese Entscheidung nicht abnehmen konnten. Diese hat ihre fantastische Arbeit nämlich in den 90ern eingestellt, doch ihre einzigartigen Adventure-Erzeugnisse werden weiterhin unvergessen bleiben.

Produzent: Cyberflix
Jahr: 1995

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