Donnerstag, 28. November 2013

Kommerziell: Montague's Mount

Montague's Mount

Als ich auf "Montague's Mount" aufmerksam geworden bin, wurde es als ein neues Dear Esther mit richtigen Rätseln angepriesen. Ich beabsichtige - jetzt, wo ich mir selbst ein Bild davon verschafft habe - keinesfalls solche Vergleiche zu unterstützen, da das vorliegende Psycho-Drama trotz teilweise ähnlicher Machart grundlegend seinen eigenen Charme vermittelt und nicht im Schatten eines beachtenswerten Neuzeit-Klassikers verweilen sollte.

Nach Verlassen des Strandes stoßen wir auf mehrere Hütten, die vielleicht so manches Geheimnis bergen.
Unsere Ohren vernehmen lediglich das wilde Rauschen der Wellen und die Schreie der Möwen. Ansonsten spüren wir nichts außer kalter Einsamkeit. Uns umgibt eine einheimische Müllhalde bestehend aus Holzfässern, zerbrochenen Schallplatten, altbackenen Bettgestellen und vermoderten Reisekoffern. Doch so sehr wir uns danach sehnen - kein einziger Fetzen Erinnerung ist uns geblieben. Irgendetwas Schreckliches muss vorgefallen sein, denn eine Spur von Tod und Verderben zieht sich wie ein roter Faden über die gesamte Insel. Aber wir haben keine andere Wahl und müssen uns somit auf die Suche nach Antworten begeben. "Montague's Mount" ist ein nach literarischen Motiven entwickeltes Adventure, das uns in regelmäßigen Abständen mit den Gedanken des Protagonisten konfrontiert. Hierbei sollte übrigens erwähnt werden, dass je nach Belieben sowohl Sprachausgabe, als auch Untertitel in deutscher Übersetzung aktiviert werden können. Die gespenstische Atmosphäre demonstriert uns hautnah die Ausmaße des Geschehenen. Darüber hinaus wird am Rande mit Elementen des Horrorgames hantiert, sodass wir etwa gelegentlich auf einen kleinen Jungen stoßen, der sich jeweils nach einem kurzen Moment in Luft auflöst. Ob es sich dabei nun um eine Geistererscheinung oder um eine Rückblende handelt, muss im Verlauf der Geschichte ergründet werden. So schockierend "Montague's Mount" allerdings sein mag, erzählt es keine Gruselstory und lässt sich daher vorwiegend aufgrund der atmosphärischen Präsentation in dieses Genre einordnen. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Bewegung in diesem Spiel steckt. So streift der Wind die Bäume, woraufhin deren Schatten ebenso unruhig auf dem Boden flackern. Die ungezügelten Wetterbedingungen entpuppen sich ohnehin schnell als unverzichtbares Stilmittel, da wir einem gnadenlosen Wechsel zwischen Regen, Gewitter und Sturm ausgesetzt werden. Die weitläufige 3D-Umgebung wird auf diese Weise ideal ausgenutzt. Außerdem wurde die Geräuschkulisse überzeugend auf die tobenden Verhältnisse abgestimmt. Durch das wiederholte Husten des Hauptcharakters wird uns sogar stets dessen angeknackster Gesundheitszustand ins Gedächtnis gerufen.

Ein Blick auf den Strand war noch nie so deprimierend.
Als Puzzleteile, die nach und nach zu einem Ganzen zusammengefügt werden müssen, dienen die gezielt in der Gegend verstreuten Tagebuchseiten. Meist wird unser Weg durch Zäune, Tore oder sonstige Hindernisse versperrt, sodass zuvor ein Schlüssel aufgetrieben oder ein Mechanismus betätigt werden muss. Im Nachhinein bewerte ich den Schwierigkeitsgrad als relativ einfach, da diverse Rätsel doch recht offensichtlich angelegt waren. Dennoch lässt sich eine gewisse Kreativität hinter den Knobeleien nicht abstreiten und sie dürften den durchschnittlichen Spieler für einige Zeit beschäftigen. Auf manchen Ebenen der Insel muss der Strom eingeschaltet werden, wozu wir ein Geschicklichkeitsspielchen absolvieren müssen. Hier kommt es letztlich darauf an die korrekte Strategie zu finden, was zuerst einmal viel Geduld erfordert. Um dem Adventure ein realistischeres Gameplay zu verleihen, lässt sich nur eine begrenzte Anzahl von Items ins Inventar aufnehmen. Wurden bereits fünf Gegenstände angesammelt, müssen davon zunächst welche an entsprechender Stelle zur Anwendung kommen. Zusätzlich dürfen wir Ausschau nach 22 Brigittenkreuzen und einer Handvoll Irland-Postkarten halten, die unseren Blick auf diese Welt schärfen und uns Bonus-Achievements bescheren. Das Speichern erfolgt automatisch durch Checkpoints, die im Sinne von Lesezeichen ausgewählte Abschnitte erfassen. Diese werden - häufig direkt nach einem kniffligen Rätsel - auf dem Bildschirm angekündigt, damit wir wissen, wann wir das Spiel schließen können um eine Pause einzulegen.

Mit der Zeit werden wir erfahren, dass wir uns auf irischem Boden befinden. Und so lässt sich erahnen, welche Sprachfetzen uns hier regelmäßig serviert werden.
Beim Spielen von "Montague's Mount" war mir wirklich nicht zum Lachen zumute. Dafür sorgte schon die trostlose Farbgebung und jede einzelne Regung der Natur, die auf Basis der Unity-Engine so beeindruckend zum Leben erweckt wurde. Berührt hat mich zuletzt vor allem die Endsequenz, wenngleich sie bloß einen Teil der Fragen aufklärt und auf eine geplante Fortsetzung verweist. Und tatsächlich basiert die bittere Geschichte auf einer wahren Begebenheit, die man als interaktives Drama kaum besser hätte umsetzen können. Somit ist "Montague's Mount" definitiv ein Anwärter auf das ergreifendste Adventure des Jahres.

Anmerkung: "Montague's Mount" wird von Oculus Rift unterstützt.

Website

Produzent: Polypusher Studios, Vertrieb: Mastertronic
Jahr: 2013

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