Sonntag, 22. Dezember 2013

Kommerziell: Post Mortem

Post Mortem - Die Affaire Whyte

Bei "Post Mortem" handelt es sich um ein populäres Adventure aus dem Hause Microids, das in späteren Jahren mit den vermutlich noch bekannteren Titeln "Still Life 1+2" fortgesetzt wurde. Im Gegensatz zu seinen Nachfolgern steuerte man die Spielfigur im vorliegenden Werk aus der Ego-Perspektive.

Wie es wirklich um die Sicherheit im Hotel Orphée bestellt ist, wird sich vielleicht bald herausstellen.
Das im Herzen von Paris gelegene Hotel Orphée war seit jeher ein Anziehungsmagnet für vermögende Touristen - bis in einer unheilvollen Nacht ein grausamer Mord geschah. Ein maskierter Fremder drang in das Zimmer des amerikanischen Ehepaares Whyte ein, das in diesem Moment zu sehr mit sich selbst beschäftigt war um die drohende Gefahr frühzeitig zu erkennen. Am Tag darauf fand das Personal die beiden im Liebesspiel gestörten Gäste enthauptet vor. Da die Polizei im Fall Whyte keine nennenswerten Fortschritte erzielt, wendet sich Sophia Blake an den Maler und ehemaligen Privatdetektiv MacPherson. Dieser zögert zunächst das Angebot jener Dame zu akzeptieren, die sich als Schwester der hingerichteten Miss Whyte vorstellt. Letztlich entschließt er sich jedoch seiner alten Berufung noch eine Chance zu geben und dem brutalen Verbrechen auf den Grund zu gehen. Die Geschichte von "Post Mortem" ist in den 20er Jahren angesiedelt, sodass man eine Atmosphäre im Geiste des Film Noir vermuten dürfte. Bereits das Intro bestätigt diese Annahme und beschert uns eine nächtliche Kamerafahrt über die Dächer der verregneten Hauptstadt. Hierbei zeigt sich, dass die Cutscenes in einem erwachsenen Comicstil realisiert wurden und gewissermaßen den Charme einer "Graphic Novel" vermitteln. Unterstrichen wird die eigensinnige Optik durch eine unheimliche Titelmusik, die in meinem Kopf die Assoziation eines Gerichtsmedizin-Krimis entstehen ließ. Überraschende Flashbacks in Form verschwommener, aber blutiger Standbilder lassen uns hin und wieder vor dem schrecklichen Verbrechen erschaudern. Zu Recht erhielt "Post Mortem" ein USK 16-Siegel.

Vor MacPhersons Eintreffen am Tatort hat sich noch keiner die Mühe gemacht die Wände zu säubern. Ich kann die Putzkräfte aber irgendwie verstehen.
Besonders positiv fällt der Aufbau des Spiels ins Auge: So erfolgt gegen Abschluss des ersten Kapitels eine Rückblende, die von unserem Berufskollegen Hellouin als Rahmenhandlung eingeleitet wird. Wir helfen also auf unterschiedlichen Zeitebenen zwei ungleichen Protagonisten bei ihren Nachforschungen und erlangen dabei schnell die Erkenntnis, dass dieses Adventure über keine feste Erzählstruktur verfügt. Einzelne Aktionen, wie etwa die Wahl bestimmter Dialogoptionen, beeinflussen den Spielverlauf. Somit führen mehrere Lösungswege zum Ziel, die allerdings auf unserer bisherigen Vorgehensweise basieren. Unser individuelles Spielverhalten wird letztlich eine von drei variierenden Endsequenzen hervorrufen. Nur das wesentliche Hauptgeschehen wird auch im Outro unverändert bleiben. Das Rätseldesign besteht überwiegend darin Kontaktpersonen zu befragen und Indizien aufzustöbern. Nebenbei gilt es Türschlösser oder Tresore zu knacken sowie Phantomzeichnungen zu erstellen. Zur Berücksichtigung des Kulturaspekts müssen manchmal Gemälde auf Unstimmigkeiten oder sonstige Geheimnisse untersucht werden. Der Schwierigkeitsgrad ist insgesamt relativ hoch angesetzt und dürfte selbst erfahrene Spieler für einige Zeit in Anspruch nehmen.

Hier spielen wir Hellouin, der zumindest im Dialogmenü aus der anderen Perspektive eingeblendet wird.
Mit "Post Mortem" hat Microids ein fesselndes Detektivadventure erschaffen, dessen Wiederspielbarkeitswert durch ein nichtlineares Gameplay verstärkt wurde. Außerdem gelang es den Produzenten ein authentisches Abbild der 20er Jahre auf unseren Monitor zu zaubern - düster und ungeschönt, so wie Film Noir sein sollte.

Produzent: Microids
Jahr: 2002

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