Mittwoch, 1. Januar 2014

Kommerziell: Loch Ness

Loch Ness

Bereits in frühen Jahren konnte ich mich für Geschichten über Seeschlangen- bzw. Meeresdinosaurier begeistern. Somit erweckt der Loch Ness-Mythos, etwa in spannenden Filmumsetzungen, stets mein Interesse. Natürlich ist mir bekannt, dass solche Ideen oft schlecht ausgearbeitet werden und schnell in Trashproduktionen enden. Das Ego-Adventure "Loch Ness" schmückt sich eher als Krimi und gilt als Debüt-Episode der "Cameron Files" aus dem Hause Galilea.

Cameron wurde zu diesem Schloss am Ufer von Loch Ness gebeten.
Eine Mitteilung aus Loch Ness erweist sich für Privatdetektiv Alan P. Cameron als optimale Gelegenheit seinem Büro in Chicago spontan den Rücken zu kehren und sich zur Abwechslung der frischen, schottischen Seeluft hinzugeben. Im Schloss, das den bezeichnenden Namen Devil's Ridge Manor trägt, wird ihm eine großzügige Unterkunft geboten. Doch warum überhaupt wurde er an diesen abgelegenen Ort bestellt? Kurz nach seiner Anreise erfährt er, dass sein Auftraggeber, Doktor Alistair McFarley, scheinbar einer Entführung zum Opfer gefallen ist. Daher beginnt Cameron sofort mit seinen Recherchen und wird dabei schon bald Zeuge merkwürdiger Ereignisse, die mit reinem Verstand kaum zu erklären sind.

So leben also die reichen Schotten.
Ein deutlicher Verwandtschaftsgrad mit den ersten Kapiteln der berühmten Dracula-Serie dürfte jedem Kenner auf Anhieb ins Auge springen. Das schottische Anwesen und seine Umgebung wirken recht monumental und erinnern in gewisser Weise an das düstere Transsylvanien, wo Jonathan seine Mina aus den Fängen des Vampirfürsten befreien musste. Leider wartet "Loch Ness" mit einer nicht allzu schaurigen Grundstimmung auf, dennoch zeugt auch dieses Machwerk von einer hübschen Atmosphäre. Starke Ähnlichkeiten sind besonders im Vergleich mit Dracula 2: Die letzte Zufluchtsstätte zu beobachten: Das Interface scheint auf den ersten Blick nahezu identisch. Bewegt man ein Item über einen Hotspot im Szenenbild, leuchtet der Gegenstand im Falle einer korrekten Aktion bereits zuvor grün auf. Im Inventar-Screen erlangt man zudem Zugriff auf eine Orientierungskarte, eine Dokumentensammelmappe und den Notizblock des Ermittlers. Letzterer hilft uns die groben Gedankengänge unseres Helden zu verstehen und informiert uns darüber, welche Räume oder Außenanlagen zunächst besucht werden sollten. In manchen Situationen ist schnelles Handeln gefragt um unserem Tod zu entrinnen. Dazu wird eine Zeitleiste eingeblendet, gegen die wir anzukämpfen haben - ebenso eine Parallele zu "Dracula 2". Insgesamt zeichnet sich "Loch Ness" aber durch traditionelle und anspruchsvolle Rätsel-Kost aus. Die Lektüre diverser Schriftstücke ist also unbedingt erforderlich um Codes für Tresore oder die Lösung zu unterschiedlichen Maschinenrätseln ausfindig machen zu können. Ein Labyrinth durch die Tiefen des schottischen Gewässers entpuppte sich dagegen als schlichtweg frustrierend.

Hier kann der Detektiv die Wasseralgen von unten betrachten.
Man mag den Titel "Loch Ness" zwar mit dem sagenumwobenen Seemonster assoziieren, doch dieser Aspekt führt den Spieler ziemlich in die Irre. Stattdessen wurden Geistererscheinungen und schottische Legenden in die Handlung eingeflochten. Leider fehlt dieser Story der letzte Schliff, durch den das Adventure wirklich interessant hätte werden können. Außerdem wurde das Potential in Hinsicht auf eine beeindruckende Horroratmosphäre komplett verschenkt. Gruseln durfte ich mich an keinem einzigen Punkt des Abenteuers, obwohl der Schauplatz und die zugrunde liegende Geschichte den idealen Ansatz dazu gegeben hätten. Insofern bleibt "Loch Ness" eine eher ernüchternde Zeitreise ins Schottland der frühen 30er Jahre.

Produzent: Galilea, Vertrieb: Wanadoo
Jahr: 2001

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