Samstag, 22. Februar 2014

Freeware: Speculum Mortis

Speculum Mortis

Eigentlich hatte unser Alter Ego an diesem Abend nur einen einzigen bescheidenen Wunsch, nämlich den nach einem warmen Bett und einigen erholsamen Stunden Schlaf - wäre da nicht das bedauernswerte Mädchen am Straßenrand gewesen, dem es offensichtlich an wetterfester Kleidung mangelte. Da er die junge durchnässte Dame aber nicht ihrem Unheil überlassen möchte, bietet er ihr kurzerhand seinen Beifahrerplatz an und ändert ihr zuliebe sogar den geplanten Kurs. Stattdessen führen ihn die Wegbeschreibungen der Anhalterin zu einem äußerst abgelegenen Grundstück. Nun ist es an der Zeit Abschied zu nehmen... nur von wem überhaupt? Seine Reisebegleiterin scheint plötzlich vom Erdboden verschluckt oder eher vom Autositz aufgesogen worden zu sein. Beunruhigt verlässt unser Held den Wagen und muss erkennen, dass das große Metallgitter hinter ihm verschlossen und er somit in der Einfahrt gefangen ist. Wohl oder übel entschließt er sich in der antiquierten Villa nach Hilfe zu suchen, doch alles, was ihm dort begegnet, ist gnadenlose Einsamkeit.

Bereits das Intro besticht mit hübschen Zeichnungen und einer bedrückenden Atmosphäre.
In diesem gruseligen 1st person-Adventure aus dem Hause Happo Entertainment schleichen wir uns also durch ein menschenleeres Szenario und werden uns schon bald unserer Aufgabe bewusst. Durch die verstreuten Tagebuchseiten des Mädchens wird uns in langsamen Schritten eine schaurige Hintergrundgeschichte zuteil, in die wir nun unweigerlich integriert sind. Auch die Präsentation ist nicht zu verachten, denn das Spiel erzeugt nicht nur durch seine konsequente Schwarz-Weiß-Farbgebung mit vereinzelten Rot(wein)tönen eine düstere Atmosphäre. Darüber hinaus beinhaltet "Speculum Mortis" nämlich eine lebendige Geräuschkulisse und verzichtet auf statische Bilder. Draußen tobt derweil ein gewaltiges Unwetter, das durch Regeneffekte innerhalb der Außensettings perfekt visualisiert wurde. Geschwächt wird das Gesamturteil hingegen durch die Gameplay-Faktoren. Zwar erweckt die Point and Click-Steuerung zunächst einen komfortablen Eindruck, entpuppt sich dann allerdings eher als umständlich. Die Frage, wozu ein Links- oder Rechtsklick notwendig ist, hat bei mir selten für derart große Verwirrung gesorgt. Immerhin bemüht sich die beiliegende Readme darüber Auskunft zu geben. Das Interface umfasst lediglich vier Ablageplätze für Inventargegenstände, was aber vollkommen ausreicht. Man trägt in wenigen Fällen mehr als zwei Items mit sich herum und verliert diese meistens automatisch, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Tatsächlich baut das Adventure zu 100 % auf Inventarrätseln auf, sodass wir niemals technische Puzzles absolvieren oder etwa Tresore knacken müssen. Da ebenso keine Dialoge stattfinden, wirkt "Speculum Mortis" manchmal arg einseitig und weist trotz kurzer Spiellänge ein mitunter zähes Gamedesign auf. Sterben kann man erst im finalen Abschnitt, sobald sich paranormale Erscheinungen im Raum manifestieren. Nimmt man die Verzerrungen wahr, sollte man schleunigst in das Nebenzimmer flüchten. Ansonsten wird uns die feindliche Gestalt ohne Umschweife vernichten.

Elefant, Säbelzahntiger und Co.? Besonders viel scheint in diesem Haus nicht mehr lebendig zu sein.
Letztlich bietet das Werk von Happo Entertainment ein anspruchsvolles Horrorvergnügen mit einigen Schwachpunkten im Gameplay. Als Schauplatz wurde ein traditionelles, aber bewährtes Setting herangezogen und die wendungsreiche Geschichte animiert umso mehr zum Weiterspielen.

Produzent: Happo Entertainment
Jahr: 2008

Download

Mittwoch, 5. Februar 2014

Kommerziell: Informaticus

Informaticus

In den 90ern wurde der Publisher Heureka-Klett für die Herausgabe von 1st person-Adventures bekannt, die sich mit pädagogischem Fachwissen zu verschiedenen Lernbereichen auseinandersetzen. Das 2003 veröffentlichte "Informaticus" richtet sich somit vorrangig an Informatikstudenten und interessierte Computerfreaks.

Jeder Location auf der Orientierungskarte wurde ein hübscher Einleitungsbildschirm vorangestellt.


Bei einer Ausgrabung auf der Insel Ba-it-an stieß ein neunköpfiges Archäologenteam auf die Spuren einer verlorenen Zivilisation, die sich bereits vor 7000 Jahren mit den Gesetzen unserer modernen Informationstechnologie zu befassen schien. Leider ist Jaques Moreaus' Freude über diese Entdeckung etwas getrübt, da der Zusammenhalt innerhalb seiner Gruppe momentan nicht seinen Erwartungen entspricht. Demnach hat er Grund zur Annahme, dass sich unter seinen Leuten ein Spion befindet, der die vertraulichen Informationen an fremde Forscher übermittelt. Da ihm die Zeit fehlt sich selbst mit diesem Problem zu beschäftigen, lässt er kurzerhand seinen Neffen einfliegen, der nun sein detektivisches Talent beweisen und dem Verräter auf die Schliche kommen soll.

Diese Umgebung lässt Archäologenherzen höher schlagen.
So beginnt das Abenteuer recht versöhnlich für jenen Spieler, der den Stil der Myst-Episoden liebt, aber trotzdem ungern auf die sozialen Kontakte zu virtuellen Dialogpartnern verzichtet. Unser Held ist nämlich alles andere als wortkarg und führt umfassende Gespräche mit männlichen und weiblichen Wissenschaftlern, die stets einen relativ ausgeprägten Charakter sowie eine eigene Ausdrucksweise besitzen. Dabei wird keine simple Multiple Choice-Konversation gestartet, denn wir sammeln im Verlauf der Handlung wichtige Ansatzpunkte, die in unserem digitalen Notizblock oder in der Ermittlungskartei des jeweiligen Verdächtigen gespeichert werden. Nach diesen Erkenntnissen oder Gerüchten können die einzelnen Protagonisten befragt werden und nur wer diese Interviews sorgfältig absolviert, kann Fortschritte erzielen. Nebenbei verfügen wir über ein herkömmliches Inventar, in dem sich nach und nach historische Dokumente oder seltsame Artefakte anhäufen.

Auch Archäologen brauchen mal eine Pause - wenn nur die neugierigen Fragen unseres Inseldetektivs nicht wären.


Um uns Eingang in ba-it-anische Tempel zu verschaffen, müssen wir in der Regel den ausgiebigen Lernteil bemühen und zunächst einmal das Alphabet und die Zahlenfolge dieses Volkes entschlüsseln. Wie jedes Rätsel im Spiel basiert dieses auf Grundsätzen der Informatik, sodass "Informaticus" seinen Bildungsauftrag keineswegs verfehlt. Allerdings übertrieben es die Gamedesigner mit diesem Aspekt auf ganzer Linie und lieferten uns einen Titel, der uns schon zu frustrieren droht, bevor wir richtig in die Geschichte einsteigen können. Ich war mit den komplexen Puzzles jedenfalls hoffnungslos überfordert und habe mich ziemlich früh an detaillierte Komplettlösungen geklammert. Immerhin motiviert die wunderbare Präsentation von "Informaticus" zum Durchhalten. So demonstrieren uns die Grafiker mit ihren malerischen Szenenbildern, dass auch Lernspiele optisch ansprechend sein können. Darüber hinaus wurden Figuren entworfen, welche sich einwandfrei in diese Welt integrieren und die niemals unter Bewegungslosigkeit leiden. Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch die lebhafte Geräuschkulisse und den überaus stimmungsvollen Soundtrack.

Und dieses Rätsel ist erst der Anfang: Für Hilfestellungen empfiehlt sich die Lektüre des Lernteils.


Letztlich begingen die Produzenten bei der Entwicklung von "Informaticus" einen entscheidenden Fehler: Sie ließen dem Spieler keine Chance zum Aufatmen. Unser Abenteuer ist überladen mit Rätseln, die nur von absoluten Experten bewältigt werden können. Damit wird sogar die packende Story etwas in den Hintergrund gedrängt, sodass man bei mangelnder Geduld schnell das Interesse an dem lehrreichen Adventure verliert. Wer dennoch bereit ist sich (ob mit oder ohne Komplettlösung) der Herausforderung zu stellen, dem möchte ich dieses äußerst atmosphärische und kreative Machwerk durchaus ans Herz legen.

Anmerkung: Auf der Website adventurespiele.net findet man nicht nur eine sorgfältige Komplettlösung, sondern zudem eine gute Auswahl an "Informaticus"-Savegames, die von registrierten Usern heruntergeladen werden können.

Produzent: BrainGame (bvm), Vertrieb: Heureka-Klett
Jahr: 2003