Mittwoch, 5. Februar 2014

Kommerziell: Informaticus

Informaticus

In den 90ern wurde der Publisher Heureka-Klett für die Herausgabe von 1st person-Adventures bekannt, die sich mit pädagogischem Fachwissen zu verschiedenen Lernbereichen auseinandersetzen. Das 2003 veröffentlichte "Informaticus" richtet sich somit vorrangig an Informatikstudenten und interessierte Computerfreaks.

Jeder Location auf der Orientierungskarte wurde ein hübscher Einleitungsbildschirm vorangestellt.


Bei einer Ausgrabung auf der Insel Ba-it-an stieß ein neunköpfiges Archäologenteam auf die Spuren einer verlorenen Zivilisation, die sich bereits vor 7000 Jahren mit den Gesetzen unserer modernen Informationstechnologie zu befassen schien. Leider ist Jaques Moreaus' Freude über diese Entdeckung etwas getrübt, da der Zusammenhalt innerhalb seiner Gruppe momentan nicht seinen Erwartungen entspricht. Demnach hat er Grund zur Annahme, dass sich unter seinen Leuten ein Spion befindet, der die vertraulichen Informationen an fremde Forscher übermittelt. Da ihm die Zeit fehlt sich selbst mit diesem Problem zu beschäftigen, lässt er kurzerhand seinen Neffen einfliegen, der nun sein detektivisches Talent beweisen und dem Verräter auf die Schliche kommen soll.

Diese Umgebung lässt Archäologenherzen höher schlagen.
So beginnt das Abenteuer recht versöhnlich für jenen Spieler, der den Stil der Myst-Episoden liebt, aber trotzdem ungern auf die sozialen Kontakte zu virtuellen Dialogpartnern verzichtet. Unser Held ist nämlich alles andere als wortkarg und führt umfassende Gespräche mit männlichen und weiblichen Wissenschaftlern, die stets einen relativ ausgeprägten Charakter sowie eine eigene Ausdrucksweise besitzen. Dabei wird keine simple Multiple Choice-Konversation gestartet, denn wir sammeln im Verlauf der Handlung wichtige Ansatzpunkte, die in unserem digitalen Notizblock oder in der Ermittlungskartei des jeweiligen Verdächtigen gespeichert werden. Nach diesen Erkenntnissen oder Gerüchten können die einzelnen Protagonisten befragt werden und nur wer diese Interviews sorgfältig absolviert, kann Fortschritte erzielen. Nebenbei verfügen wir über ein herkömmliches Inventar, in dem sich nach und nach historische Dokumente oder seltsame Artefakte anhäufen.

Auch Archäologen brauchen mal eine Pause - wenn nur die neugierigen Fragen unseres Inseldetektivs nicht wären.


Um uns Eingang in ba-it-anische Tempel zu verschaffen, müssen wir in der Regel den ausgiebigen Lernteil bemühen und zunächst einmal das Alphabet und die Zahlenfolge dieses Volkes entschlüsseln. Wie jedes Rätsel im Spiel basiert dieses auf Grundsätzen der Informatik, sodass "Informaticus" seinen Bildungsauftrag keineswegs verfehlt. Allerdings übertrieben es die Gamedesigner mit diesem Aspekt auf ganzer Linie und lieferten uns einen Titel, der uns schon zu frustrieren droht, bevor wir richtig in die Geschichte einsteigen können. Ich war mit den komplexen Puzzles jedenfalls hoffnungslos überfordert und habe mich ziemlich früh an detaillierte Komplettlösungen geklammert. Immerhin motiviert die wunderbare Präsentation von "Informaticus" zum Durchhalten. So demonstrieren uns die Grafiker mit ihren malerischen Szenenbildern, dass auch Lernspiele optisch ansprechend sein können. Darüber hinaus wurden Figuren entworfen, welche sich einwandfrei in diese Welt integrieren und die niemals unter Bewegungslosigkeit leiden. Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch die lebhafte Geräuschkulisse und den überaus stimmungsvollen Soundtrack.

Und dieses Rätsel ist erst der Anfang: Für Hilfestellungen empfiehlt sich die Lektüre des Lernteils.


Letztlich begingen die Produzenten bei der Entwicklung von "Informaticus" einen entscheidenden Fehler: Sie ließen dem Spieler keine Chance zum Aufatmen. Unser Abenteuer ist überladen mit Rätseln, die nur von absoluten Experten bewältigt werden können. Damit wird sogar die packende Story etwas in den Hintergrund gedrängt, sodass man bei mangelnder Geduld schnell das Interesse an dem lehrreichen Adventure verliert. Wer dennoch bereit ist sich (ob mit oder ohne Komplettlösung) der Herausforderung zu stellen, dem möchte ich dieses äußerst atmosphärische und kreative Machwerk durchaus ans Herz legen.

Anmerkung: Auf der Website adventurespiele.net findet man nicht nur eine sorgfältige Komplettlösung, sondern zudem eine gute Auswahl an "Informaticus"-Savegames, die von registrierten Usern heruntergeladen werden können.

Produzent: BrainGame (bvm), Vertrieb: Heureka-Klett
Jahr: 2003

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