Samstag, 8. März 2014

Kommerziell: 9.03m

9.03m

Da mir momentan die Zeit für größere Projekte fehlt, befasse ich mich heute mit einem äußerst winzigen Spiel aus der Independence-Sparte. "9.03m" widmet sich dem Gedenken aller Menschen, die durch den japanischen Tsunami 2011 ihr Leben lassen mussten. Das minimalistisch angelegte Machwerk kann seit vergangenem September für 1,99 Euro auf Steam oder Desura bezogen werden und die Hälfte der daraus gewonnenen Einnahmen sollen den Angehörigen der Todesopfer zugutekommen.

Das Spiel ist bislang nur zweisprachig. Und sofern jeder die Worte "Find the butterflies" versteht, kann auf weitere Übersetzungen verzichtet werden.
Es fühlt sich an, als würden wir einen Friedhof besuchen - selbst die ehemals so hungrigen Wellen sind mittlerweile verstorben. Sie zogen von dannen, nachdem sie alles Greifbare mit sich gerissen hatten - es war die reine Natur, die dem Menschen zum Feind wurde. Zurück bleibt nur die einst so stark frequentierte Küste. Mit warmen Purpurtönen zeichneten die Entwickler das Bild eines harmonischen Strandes, der finstere Zeiten überstehen musste. Nun scheint Ruhe eingekehrt, aber wenn wir unsere Blicke schweifen lassen, sind wir in der Lage die eine oder andere verbliebene Seele auszumachen, die sich noch nicht von diesem Schreckensszenario lösen konnte. All das mag zunächst sehr dramatisch klingen, doch verschont uns das Spiel vorwiegend mit den Grausamkeiten, welche die Voraussetzung für seine Produktion schufen. Erst am Ende erfahren wir, wo wir sind und was sich hier zutgetragen hat. Und um dieses zu erreichen benötigen wir eine Gesamtdauer von geschätzt 10-15 Minuten. Das Gameplay ist simpel, denn "9.03m" ist ein klassisches Explorationgame ohne jeden spielerischen Anspruch. Interessant ist vielmehr die Symbolträchtigkeit, der wir an den vereinzelten Plätzen des Sandstrandes begegnen. So müssen wir den Silhouetten jener "Geister" folgen und stoßen schließlich lediglich auf einen Gegenstand, der vor ihrem Unglück einen persönlichen Wert für sie einnahm. Dieses Objekt, etwa ein Fußball oder ein Verlobungsring, lässt sich in der Nahansicht in beliebige Richtungen drehen. Wir rufen uns dabei die Aufgabe ins Gedächtnis, die uns das ansonsten stumme "Adventure" zu Beginn erteilt hat: "Find the butterflies!" Sobald wir auf dem Erinnerungsstück den Stempel eines Schmetterlings entdeckt haben, verwandelt sich die verlorene Seele in ein solches Insekt und flattert befreit davon. Poetischer hätten die Leute von Space Budgie ihr Andenken kaum zum Ausdruck bringen können.

Welche Geheimnisse dieses Schmuckkästchen wohl bergen wird?
Es ist eine eindeutig japanische Machart, die dem Projekt zugrunde liegt und die wohl nach wie vor als Geschmackssache betrachtet werden muss. Auch mich konnte es nicht zu 100 % überzeugen, doch empfand ich es letztlich als durchaus gelungen und berührend. Natürlich ist es eher eine kleine, stille Message, die hier kommerziell vertrieben wird. In der Regel bekäme man derartige Steam-Kunstwerke kostenlos zur Verfügung gestellt, wie es etwa beim frisch erschienenen The Plan der Fall ist. Da es sich bei "9.03m" aber ebenso um eine Benefiz-Aktion handelt, sind die 2 Euro selbstverständlich gerechtfertigt.

Produzent: Space Budgie
Jahr: 2013

Website

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen