Samstag, 15. März 2014

Kommerziell: Eleusis

Eleusis

Wenn ein ausgewachsener junger Mann nach Jahren seine Geburtsstätte besucht, dürfte das in der Regel mit einer gewissen Vorfreude verbunden sein. Bei unserem Alter Ego hält sich die Euphorie hingegen in Grenzen, als er im September 1992 von seiner Mutter in das griechische Örtchen Eleusis gebeten wird. Der Anlass für diese unerwartete Einladung ist immerhin kein Aufruf zum Sonntagsspaziergang durch prächtige Blumenwiesen, sondern vielmehr ein dringendes Gespräch, das sich um den vor seiner Geburt verstorbenen Familienvater drehen soll. Und alleine der Gedanke daran scheint unseren Helden etwas aufzuwühlen. Bei der nächtlichen Ankunft bleibt er zudem nicht von einem Fahrzeugschaden verschont, der durch eine Steinlawine verursacht wurde. Und als der folgsame Sohn schließlich zu Fuß das archaisch wirkende Dorf erreicht, muss er zu allem Überfluss beobachten, wie eine Dame von schwarz gekleideten Männern entführt wird.

Steinschlag? Na, wen rufen wir da noch gleich? Ach, nein, das ist ja ein werbefreier Blog!
Realisiert wurde das spannende Abenteuer vom Nachwuchsentwickler Nocturnal Works auf Basis der Unreal Engine. Damit schufen sie eine beachtliche Umgebung, in der wir uns stets bei Dunkelheit zurechtfinden müssen. Das kann je nach Orientierungssinn des Spielers mühsam werden, doch lässt sich nicht verleugnen, dass dieses südländische Gebiet eine schöne Grundlage für ein solides Horrorszenario bildet. Uns wird eine überaus gruselige Atmosphäre geboten, die nicht zuletzt auf einer lebhaften Geräuschkulisse aufbaut. Außerdem müssen wir uns im Wald oder am Bach gelegentlich durch einen dichten Nebel kämpfen. Die Effekte sowie natürlich die Grafik an sich sorgen für ein eindrucksvolles Spielerlebnis.

Hier sehen wir eines der vielen Häuser im Dorf, die interessante Geheimnisse bergen.
Diverse durch das Geäst schleichende Gegner drohten mich zunächst in den Wahnsinn zu treiben. Leider war ich schlichtweg zu unaufmerksam. Erst spät registrierte ich, dass sich die "NPC-Bedrohungen" im Autostart-Fenster vor Spielbeginn (allerdings nicht im offiziellen Hauptmenü!) deaktivieren lassen. Nutzt man diese Option, wird man nicht länger von blutrünstigen Wölfen oder mit Fackeln die Gegend abklappernden Ordensanhängern beschattet und sitzt somit an einem reinen Adventure ohne Actionelemente. Letztere erinnerten mich stark an die Begegnungen mit dem Slenderman und wirken sich in meinen Augen negativ auf das Gameplay aus. Hat uns ein Feind dann einmal erblickt, ist eine Flucht in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Und da wir stets unbewaffnet sind, müssen wir uns verborgen halten, wenn wir etwa von einem Haus zum anderen schlendern - ein zunehmend frustrierendes Unterfangen. So ist uns auch nicht die Macht des manuellen Absicherns in heiklen Situationen zugedacht, da "Eleusis" lieber regelmäßig automatische Speicherpunkte anlegt. Die Rätsel dagegen sind logisch und insgesamt eher einfach, sodass sich das Adventure für Anfänger eignen dürfte. Innerhalb dieser riesigen Welt muss man jedoch häufiger mit der nicht vorhandenen Lupe nach relevanten Hotspots suchen, was wiederum den Spielspaß schmälert. Die Handlung wird vorwiegend durch die Lektüre von Sachbüchern oder versteckten Aufzeichnungen vorangetrieben. Derartige Dokumente beinhalten aber ebenso Hinweise auf zu erledigende Aufgaben.

Nach einem gemütlichen Bad steht unserem Hauptcharakter jetzt vermutlich weniger der Sinn.
Auch wenn sich die Geschichte von "Eleusis" hätte ausbauen lassen, gelang es den Produzenten mich durchgängig zu fesseln. Erfahrene Spieler von 1st person-Horroradventures dürfen natürlich kein zweites Scratches oder ein viertes Dark Fall erwarten. Dennoch erweist sich das griechische Setting als idealer Ausgangspunkt für ein schauriges Gruselvergnügen. Seit November ist es nicht nur als Download über Steam oder Desura, sondern zudem als CD-ROM-Version verfügbar.

Produzent: Nocturnal Works
Jahr: 2013

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1 Kommentar:

  1. Die Rätsel waren mir zu langweilig. Es war ja praktisch nur ein Suchen nach Gegenständen. Und verlaufen könnte man sich bei den vielen Wegen ja auch sehr leicht. Die Landschaft war gut gelungen. Schade, dass man nicht mehr daraus gemacht hat....
    Burchi

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