Montag, 19. Mai 2014

Kommerziell: Conspiracy (KGB)

Conspiracy (KGB)

Hammer und Sichel prägen das Cover des History-Adventures "KGB", das später unter dem CD-ROM-Titel "Conspiracy" um zusätzliche Filmsequenzen erweitert wurde. Es ist also kaum zu übersehen, dass uns die mittlerweile legendäre Produktionsfirma Cryo hiermit einen Ausflug in die Ära des Russischen Kommunismus genehmigt - ein nicht ganz ungefährlicher. Als Spieler benötigt man zwar keine schusssichere Weste, sollte sich aber unverzüglich mit der Speicherfunktion vertraut machen. Mehr Informationen zu besagtem Klassiker enthüllt das folgende Review.

Auch in einer Kneipe sollte man mit Worten sparsam umgehen. Eine falsche Information könnte uns verraten.
Moskau, 14. August, 1991. Maxsim Mikhailovich Rukov hat eine steile Karriere zu verbuchen. Jüngst erhielt der ehemalige Speznas-Soldat das ungewöhnliche Privileg in der Abteilung P des KGB einzusteigen. Auftrag dieser Sektion ist es jegliche korrupten Machenschaften im Inneren der eigenen Organisation zu entlarven und bekämpfen. Bereits der erste Arbeitstag bestätigt dem frischen Geheimdienstler, dass es sich dabei um ein schwieriges und stets riskantes Unterfangen handelt. So beginnen unsere Nachforschungen in der Moskauer Kursk-Straße und führen uns schließlich nach Leningrad, wo wir uns einen genauen Einblick in die Geschäfte der hiesigen KGB-Kollegen verschaffen müssen. Schon bald finden wir uns in einem Netz politischer Verschwörungen wieder, sodass wir lediglich durch tatkräftige Spionage erkennen können, wer Freund oder Feind ist. Unsere einzige wirkliche Vertrauensperson ist der Vater des Protagonisten, der einst einer Autobombe zum Opfer gefallen war. Wenn wir in der CD-ROM-Version die Hinweis-Funktion verwenden, wird dieser sozusagen aus dem Jenseits mit uns kommunizieren und uns eine Menge Ratschläge erteilen. Diese Rolle mimt Donald Sutherland sehr überzeugend, weswegen man eventuell leicht dazu verleitet wird die eingebaute Lösungshilfe unbesonnen zu nutzen. Ebenso wie das historische Filmmaterial aus dem Intro wurden diese Cutscenes in Full Motion Video integriert. Alle Ingame-Schauplätze und Figuren wurden dagegen in traditionellem 2D realisiert - äußerst hübsch und mit Liebe zum Detail. Den Grafikern ist es wahrlich gelungen sowohl die zwielichtigen Typen, als auch die düsteren Settings glaubhaft in Szene zu setzen. Dies gilt zudem für die im Hintergrund ablaufenden Musikstücke, welche den idealen Politthriller-Flair vermitteln und niemals langweilig werden.

Die Befehle wurden leider nicht übersetzt. Aber immerhin wird man in der deutschen Version gesiezt.
"Conspiracy" entpuppt sich früh als textlastiges Adventure, sodass die Multiple Choice-Dialoge einen festen Bestandteil des Rätseldesigns einnehmen. Wir müssen unsere Gesprächspartner nämlich vorsichtig aushorchen und dabei unbedingt die richtigen Stichworte wählen. Eine falsche Entscheidung kann nicht nur während einer Befragung mit Rukovs vorzeitigem Ableben oder seinem Ausschluss aus dem KGB enden. Insgesamt beinhaltet "Conspiracy" eine Welt voller Möglichkeiten, in der man nicht immer stur dem korrekten Weg folgen, sondern Verschiedenes ausprobieren sollte. Die zahlreichen Tode und Degradierungen tragen definitiv zum Charme des Krimis bei. Außerdem erweist sich Cryo in diesem Punkt als nutzerfreundlich. Nach dem Spielende kann man sich in den vorherigen Raum, einige Sekunden vor der schwerwiegenden Handlung, zurückversetzen lassen. Andererseits lässt sich eines der vier großen Kapitel nach Belieben neu beginnen, falls bei der Bespitzelung etwas schiefgelaufen sein sollte.

Selbst in unserem Hotelzimmer kommen wir selten zur Ruhe. Besonders dieser Mann steht häufig vor unserer Tür und möchte an unseren Fortschritten teilhaben.
Zweifellos wird unser konspiratives Abenteuer von einem eher realistischen Gameplay begleitet. So durchleben wir sämtliche Tage und Nächte in Echtzeit und müssen einzelne Aufgaben mit einer gewissen Schnelligkeit ausüben. Ansonsten besteht das Machwerk aus anspruchsvollen Inventarrätseln, die meist das Beschatten von Verdächtigen oder das Verwischen selbst verursachter Spuren zum Ziel haben. Der Spieler sollte allerdings keine Hemmungen haben Rukov bei manch weniger diplomatischen Aktivitäten unter die Arme zu greifen. Mit einem Rechtsklick öffnet sich ein neun Verben umfassendes Interface. Sobald man in deren Mitte aber den sogenannten Smart Pointer aktiviert, werden grundsätzliche Befehle, wie Look, Talk oder Go automatisch angeboten, wenn man mit der Maus über Objekte, Menschen oder Türen fährt. Rukovs Inventar kann neben seiner äußeren Gestalt auf einem sterilen Extrabildschirm begutachtet werden. Dort kann Max gelegentlich auch neu eingekleidet werden, sofern eine Tarnung erforderlich ist.

Rukovs Vater unterstützt uns gerne mit Ratschlägen aus dem Jenseits. Wir sollten ihm aber nicht zu sehr auf die Nerven gehen.
Es lassen sich viele Gründe nennen, weswegen "Conspiracy" sein Klassikerpotential erfüllt: Seien es die unzähligen Fehler, die man begehen kann um zu sterben oder nach Sibirien verbannt zu werden, oder der tolle Wortwitz, der trotz ernster Thematik nicht vernachlässigt wurde. Letztlich ist natürlich besonders die komplexe Story von Bedeutung, in deren Verlauf diese finstere Zeit in ihrer ganzen Härte dargestellt wurde und doch ausreichend Platz für kritische Selbstreflexionen des Hauptcharakters innerhalb der kommunistischen Gruppierungen übrig blieb. Und all das macht diesen Cryo-Titel zu einem unvergesslichen Spielerlebnis.

Produzent: Cryo, Vertrieb: Virgin Entertainment
Jahr: 1992

Fanpage mit Spielanalyse

Dienstag, 6. Mai 2014

Freeware: June 20th

June 20th

Das Fanadventure "June 20th" wurde als Beitrag zum 29. LudumDare-Wettbewerb beigesteuert. "Beneath the Surface" lautete das Thema der besagten Ausschreibung, die unzählige Spieleproduzenten zur Teilnahme animierte. Der mit dem Adventure Game Studio erstellte 1st person-Titel entführt uns an einen sonnigen Sandstrand.

Ein hübscher Kunstgriff: Das Gesicht ihres Freundes bleibt durchgängig anonym.
Wir schlüpfen hierbei in die Rolle einer jungen Dame, die ihren Nachmittag an der Südsee verbringt - in Begleitung ihres Partners, der längst einen festen Platz in ihrem Leben eingenommen hat. Die Namen der agierenden Personen werden nicht genannt und auch der Ort des Geschehens bleibt unausgesprochen. Und tatsächlich ist nichts davon relevant. Entscheidend ist nur das Verhältnis der beiden Charaktere, welche praktisch die komplette Küste für sich beanspruchen dürfen. Lediglich ihre gefiederten Freunde sind mit von der Partie. Diese erfüllen schließlich einen besonderen Zweck für unseren weiblichen Alter Ego, denn ihr Hobby ist es sämtliche Vögel auf Fotopapier zu bannen. Außerdem hortet sie gerne Muscheln in ihren Hosentaschen, fast wie ein kleines Mädchen. Ihr Lebensgefährte hat sich hingegen auf Bierdeckel spezialisiert. So unterschiedlich können Sammlerfreuden sein. Mehr Story beinhaltet das kurze Experiment nicht, doch bietet es ein authentisches Dialogdesign mit humorvollen Anklängen. Die Rätsel, wenn man sie als solche bezeichnen mag, sind nahezu anspruchslos und dennoch bereitet es Vergnügen nebenbei dem Fotografieren und Muschelsuchen zu frönen, obwohl diese Aktionen keineswegs zur Lösung des Spiels beitragen. Ebenso simpel erscheint uns das Interface: Blaue Buttons sind mit den Befehlen "Walk" und "Turn back" beschriftet. Darüber hinaus nutzt man die eingeblendeten Pfeile um zum Himmel oder auf den Boden zu blicken. Format und Auflösung der Szenenbilder sind absolut minimalistisch. Die meisten Objekte bestehen aus riesigen, groben Pixeln und alleine der geschickt unter dem Schirm platzierte Freund sowie die Vögel und Inventargegenstände erhalten das Privileg etwas detaillierter wirken zu dürfen. Ich war erstaunt, wie viel Magie von derart einfach gestrickten Hintergründen ausgehen kann - Nachahmung ist bei Fanprojekten durchaus zu empfehlen. Ansonsten überzeugt zudem die Geräuschkulisse in vollem Umfang.

Das blaue Rechteck in der Mitte stellt das Meer dar.
Das interaktive Beziehungsdrama ist definitiv ein kleines Kunstwerk, auch wenn ich vergeblich nach einem alternativen Spielausgang gesucht habe. Wer nämlich in den Genuss der zugegebenermaßen ungewöhnlichen Endsequenz gelangt ist, wird mir eventuell beipflichten, dass "June 20th" insofern noch ausbaufähig wäre. Allerdings blieb dem Autor nur eine Produktionszeit von 48 Stunden.

Produzent: Pierrec
Jahr: 2014

Download

Donnerstag, 1. Mai 2014

Kommerziell: Dracula 5: The Blood Legacy

Dracula 5: The Blood Legacy

Die Reaktivierung der populären Dracula-Saga hat bereits zu Beginn des Jahres 2013 für allgemeine Ernüchterung gesorgt. So bot die erste Runde des in zwei Kapitel unterteilten Abenteuers wenig Spannung, geschweige denn ein packendes Finale. Die Figur der Kunstrestauratorin Ellen Cross konnte uns bislang nicht von sich überzeugen, doch bestand zumindest die Hoffnung, dass ihre Geschichte in "Dracula 5" endlich in Fahrt kommt.

Arbeitsteilung: Der Kollege Berowski hat bereits die Bibliothek nach Vampir-Informationen durchforstet und kann Ellen nun einiges erzählen,
Auch wenn sich die tödliche Krankheit, die in Ellens Körper ihr Unwesen treibt, nicht aufhalten lässt, scheint immerhin ihr aktueller Auftrag von Erfolg gekrönt: In der Türkei gelang die Kunstkennerin in den Besitz des vermissten Gemäldes, das sie natürlich dringend einer Analyse unterziehen muss. Leider verdeckt ein mutwillig auf die Leinwand geschmiertes Kreuz aus schwarzem Pech den Blick auf das eigentliche Motiv, was sich für Ellen bald als überwindbares Hindernis herausstellt. Eine souverän zusammengemischte Teerlösung bringt das Porträt Draculas an das für Vampire so schädliche Tageslicht. Doch schon am nächsten Morgen scheint Ellens Glückssträhne verflogen zu sein: Das besagte Bild wurde gestohlen und unsere Heldin hegt den Verdacht, dass ihr alter Freund Adam Stoker für diese ungünstige Situation verantwortlich zeichnen könnte. Zur wiederholten Suche nach dem offensichtlich sehr begehrten Gemälde folgt sie schließlich einer als Gedicht getarnten Wegbeschreibung sowie sonstigen auffindbaren Indizien und muss zur Aufklärung des Kunstkrimis erneut verschiedene Länder der Erde bereisen. Während die Rätsel im letzten Part recht simpel waren, wurde der Schwierigkeitsgrad jetzt insgesamt deutlich angehoben. Es wird allerdings, anders bei Dracula 3, lediglich eine überschaubare Menge an historischem Papierkram angesammelt und somit kommen erfahrene Querdenker eher nicht auf ihre Kosten. Stattdessen werden wir mit interessanten und minder interessanten Puzzles oder Minigames gefordert. Bedauerlicherweise wurde der Freizeitspieler-Modus aus "Dracula 4" unverhofft abgeschafft, sodass sich kein einziges unliebsames Rätsel mehr überspringen lässt. Diesen Schritt kann ich absolut nicht nachvollziehen, da die Episoden nun einmal als untrennbar miteinander verbunden gelten und die erwähnte Spielvariante meiner Meinung nach einen fairen und anfängerfreundlichen Service darstellte.

Wer über Jahre als Rezeptionist in einer Zisterne beschäftigt war, dem genügen offenbar schon grüne Testbilder zur gepflegten Fernsehunterhaltung.
Ansonsten entsprechen die grafischen und technischen Verhältnisse ziemlich exakt denen, die ich schon im Vorjahr anhand desVorgängers thematisiert hatte. So erinnert Ellens Journal kurz und knapp an die wichtigsten Eckpunkte unserer Ermittlung und speichert darüber hinaus Dokumente ab, die im Zweifelsfall Hinweise bergen. Außerdem müssen wir Ellen nach wie vor mit Medikamenten versorgen. Tun wir das nicht, erhält das Szenenbild wieder eine lästige Rottrübung, die bis zum Ende des Spiels andauern kann. Und solange wir ihrer körperlichen Verfassung nicht regelmäßig zur Besserung verhelfen, wird dieser Augenkrebs erregende Zustand nicht schwinden. Das Problem ist, dass in diesem Kapitel nirgendwo mehr Obst oder Vitaminpillen in der Gegend verstreut sind und wir mit unserer vorhanden Tablettenration äußerst sparsam umgehen müssen. Im Endeffekt entpuppt sich dieser Gesundheitsfaktor nicht gerade als produktives Gameplay-Element. Die Spielatmosphäre ist für meinen Geschmack nicht allzu gut ausgeprägt, doch überzeugt das Adventure wenigstens mit dem bewährten Grafikstil und relativ stimmungsvoller Musikuntermalung.

Ein schöner Wagen, doch Ellen ist überzeugt, dass sie diese Sache jetzt durchziehen muss.
In Bezug auf die Hintergrundgeschichte konnte mich "Dracula 5" überraschen: Was der einleitenden Folge an fesselnden Wendungen fehlte, wurde nun etwas verspätet nachgeliefert. Dennoch bleibt das Finale enttäuschend und der viel zu voreilige Abschluss baut zu sehr auf dem dritten Part auf, als dass man sich um neue Ideen bemüht hätte. Natürlich war zu erwarten, dass die zweite Hälfte seinen ursprünglichen Vorgängern ebenso nicht das Wasser reichen kann, wie nicht zuletzt auch der abgeschwächte Gruselflair erkennen lässt. Dank seiner schwankenden Qualitäten bin ich zwiegespalten, wie ich dieses Machwerk beurteilen soll. Aber eigentlich wurde ja alles gesagt und ich muss hier glücklicherweise keine Punktwertungen vergeben.

Produzent: Anuman (Microids)
Jahr: 2013