Dienstag, 6. Mai 2014

Freeware: June 20th

June 20th

Das Fanadventure "June 20th" wurde als Beitrag zum 29. LudumDare-Wettbewerb beigesteuert. "Beneath the Surface" lautete das Thema der besagten Ausschreibung, die unzählige Spieleproduzenten zur Teilnahme animierte. Der mit dem Adventure Game Studio erstellte 1st person-Titel entführt uns an einen sonnigen Sandstrand.

Ein hübscher Kunstgriff: Das Gesicht ihres Freundes bleibt durchgängig anonym.
Wir schlüpfen hierbei in die Rolle einer jungen Dame, die ihren Nachmittag an der Südsee verbringt - in Begleitung ihres Partners, der längst einen festen Platz in ihrem Leben eingenommen hat. Die Namen der agierenden Personen werden nicht genannt und auch der Ort des Geschehens bleibt unausgesprochen. Und tatsächlich ist nichts davon relevant. Entscheidend ist nur das Verhältnis der beiden Charaktere, welche praktisch die komplette Küste für sich beanspruchen dürfen. Lediglich ihre gefiederten Freunde sind mit von der Partie. Diese erfüllen schließlich einen besonderen Zweck für unseren weiblichen Alter Ego, denn ihr Hobby ist es sämtliche Vögel auf Fotopapier zu bannen. Außerdem hortet sie gerne Muscheln in ihren Hosentaschen, fast wie ein kleines Mädchen. Ihr Lebensgefährte hat sich hingegen auf Bierdeckel spezialisiert. So unterschiedlich können Sammlerfreuden sein. Mehr Story beinhaltet das kurze Experiment nicht, doch bietet es ein authentisches Dialogdesign mit humorvollen Anklängen. Die Rätsel, wenn man sie als solche bezeichnen mag, sind nahezu anspruchslos und dennoch bereitet es Vergnügen nebenbei dem Fotografieren und Muschelsuchen zu frönen, obwohl diese Aktionen keineswegs zur Lösung des Spiels beitragen. Ebenso simpel erscheint uns das Interface: Blaue Buttons sind mit den Befehlen "Walk" und "Turn back" beschriftet. Darüber hinaus nutzt man die eingeblendeten Pfeile um zum Himmel oder auf den Boden zu blicken. Format und Auflösung der Szenenbilder sind absolut minimalistisch. Die meisten Objekte bestehen aus riesigen, groben Pixeln und alleine der geschickt unter dem Schirm platzierte Freund sowie die Vögel und Inventargegenstände erhalten das Privileg etwas detaillierter wirken zu dürfen. Ich war erstaunt, wie viel Magie von derart einfach gestrickten Hintergründen ausgehen kann - Nachahmung ist bei Fanprojekten durchaus zu empfehlen. Ansonsten überzeugt zudem die Geräuschkulisse in vollem Umfang.

Das blaue Rechteck in der Mitte stellt das Meer dar.
Das interaktive Beziehungsdrama ist definitiv ein kleines Kunstwerk, auch wenn ich vergeblich nach einem alternativen Spielausgang gesucht habe. Wer nämlich in den Genuss der zugegebenermaßen ungewöhnlichen Endsequenz gelangt ist, wird mir eventuell beipflichten, dass "June 20th" insofern noch ausbaufähig wäre. Allerdings blieb dem Autor nur eine Produktionszeit von 48 Stunden.

Produzent: Pierrec
Jahr: 2014

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