Donnerstag, 1. Mai 2014

Kommerziell: Dracula 5: The Blood Legacy

Dracula 5: The Blood Legacy

Die Reaktivierung der populären Dracula-Saga hat bereits zu Beginn des Jahres 2013 für allgemeine Ernüchterung gesorgt. So bot die erste Runde des in zwei Kapitel unterteilten Abenteuers wenig Spannung, geschweige denn ein packendes Finale. Die Figur der Kunstrestauratorin Ellen Cross konnte uns bislang nicht von sich überzeugen, doch bestand zumindest die Hoffnung, dass ihre Geschichte in "Dracula 5" endlich in Fahrt kommt.

Arbeitsteilung: Der Kollege Berowski hat bereits die Bibliothek nach Vampir-Informationen durchforstet und kann Ellen nun einiges erzählen,
Auch wenn sich die tödliche Krankheit, die in Ellens Körper ihr Unwesen treibt, nicht aufhalten lässt, scheint immerhin ihr aktueller Auftrag von Erfolg gekrönt: In der Türkei gelang die Kunstkennerin in den Besitz des vermissten Gemäldes, das sie natürlich dringend einer Analyse unterziehen muss. Leider verdeckt ein mutwillig auf die Leinwand geschmiertes Kreuz aus schwarzem Pech den Blick auf das eigentliche Motiv, was sich für Ellen bald als überwindbares Hindernis herausstellt. Eine souverän zusammengemischte Teerlösung bringt das Porträt Draculas an das für Vampire so schädliche Tageslicht. Doch schon am nächsten Morgen scheint Ellens Glückssträhne verflogen zu sein: Das besagte Bild wurde gestohlen und unsere Heldin hegt den Verdacht, dass ihr alter Freund Adam Stoker für diese ungünstige Situation verantwortlich zeichnen könnte. Zur wiederholten Suche nach dem offensichtlich sehr begehrten Gemälde folgt sie schließlich einer als Gedicht getarnten Wegbeschreibung sowie sonstigen auffindbaren Indizien und muss zur Aufklärung des Kunstkrimis erneut verschiedene Länder der Erde bereisen. Während die Rätsel im letzten Part recht simpel waren, wurde der Schwierigkeitsgrad jetzt insgesamt deutlich angehoben. Es wird allerdings, anders bei Dracula 3, lediglich eine überschaubare Menge an historischem Papierkram angesammelt und somit kommen erfahrene Querdenker eher nicht auf ihre Kosten. Stattdessen werden wir mit interessanten und minder interessanten Puzzles oder Minigames gefordert. Bedauerlicherweise wurde der Freizeitspieler-Modus aus "Dracula 4" unverhofft abgeschafft, sodass sich kein einziges unliebsames Rätsel mehr überspringen lässt. Diesen Schritt kann ich absolut nicht nachvollziehen, da die Episoden nun einmal als untrennbar miteinander verbunden gelten und die erwähnte Spielvariante meiner Meinung nach einen fairen und anfängerfreundlichen Service darstellte.

Wer über Jahre als Rezeptionist in einer Zisterne beschäftigt war, dem genügen offenbar schon grüne Testbilder zur gepflegten Fernsehunterhaltung.
Ansonsten entsprechen die grafischen und technischen Verhältnisse ziemlich exakt denen, die ich schon im Vorjahr anhand desVorgängers thematisiert hatte. So erinnert Ellens Journal kurz und knapp an die wichtigsten Eckpunkte unserer Ermittlung und speichert darüber hinaus Dokumente ab, die im Zweifelsfall Hinweise bergen. Außerdem müssen wir Ellen nach wie vor mit Medikamenten versorgen. Tun wir das nicht, erhält das Szenenbild wieder eine lästige Rottrübung, die bis zum Ende des Spiels andauern kann. Und solange wir ihrer körperlichen Verfassung nicht regelmäßig zur Besserung verhelfen, wird dieser Augenkrebs erregende Zustand nicht schwinden. Das Problem ist, dass in diesem Kapitel nirgendwo mehr Obst oder Vitaminpillen in der Gegend verstreut sind und wir mit unserer vorhanden Tablettenration äußerst sparsam umgehen müssen. Im Endeffekt entpuppt sich dieser Gesundheitsfaktor nicht gerade als produktives Gameplay-Element. Die Spielatmosphäre ist für meinen Geschmack nicht allzu gut ausgeprägt, doch überzeugt das Adventure wenigstens mit dem bewährten Grafikstil und relativ stimmungsvoller Musikuntermalung.

Ein schöner Wagen, doch Ellen ist überzeugt, dass sie diese Sache jetzt durchziehen muss.
In Bezug auf die Hintergrundgeschichte konnte mich "Dracula 5" überraschen: Was der einleitenden Folge an fesselnden Wendungen fehlte, wurde nun etwas verspätet nachgeliefert. Dennoch bleibt das Finale enttäuschend und der viel zu voreilige Abschluss baut zu sehr auf dem dritten Part auf, als dass man sich um neue Ideen bemüht hätte. Natürlich war zu erwarten, dass die zweite Hälfte seinen ursprünglichen Vorgängern ebenso nicht das Wasser reichen kann, wie nicht zuletzt auch der abgeschwächte Gruselflair erkennen lässt. Dank seiner schwankenden Qualitäten bin ich zwiegespalten, wie ich dieses Machwerk beurteilen soll. Aber eigentlich wurde ja alles gesagt und ich muss hier glücklicherweise keine Punktwertungen vergeben.

Produzent: Anuman (Microids)
Jahr: 2013

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