Mittwoch, 20. August 2014

Kommerziell: The Journeyman Project - Pegasus Prime

The Journeyman Project - Pegasus Prime

Die Popularität von 1st person-Adventures lebt selbstverständlich von ihren klassischen Reihen. Dazu zählen etwa Myst, Dark Fall, Dracula, Tex Murphy und letztlich auch The Journeyman Project. Für mich ist diese Science Fiction-Saga komplettes Neuland, aber nun habe ich immerhin den Beginn der Trilogie meiner Sammlung zugeführt. Einigen Spielern dürfte der Part noch unter dem Titel "The Journeyman Project Turbo!" geläufig sein, doch jene bei Good Old Games erworbene Version wird vielmehr als Remake oder Director's Cut zum Serienauftakt gehandelt. Wer nur wenige Szenen aus dem Original zu Gesicht bekommen hat, dem werden die Verbesserungen längst ins Auge gefallen sein: Technisch und grafisch wurde dieses in vollem Umfang aufgepeppt. Außerdem sollen zusätzliche Puzzles ergänzt worden sein. "Pegasus Prime" wurde 1997 einzig für Apple und Playstation veröffentlicht und erhielt erst 2013 eine Portierung für Windows-Systeme, auf denen es sich mittels ScummVM emulieren lässt.

Jeder Science Fiction-Experte kann nachempfinden, mit welchen Problemen sich Temporalagent Gage Blackwood herumzuschlagen hat: Denn sobald Zeitreisen erst einmal Realität geworden sind, wird so manchem Ganoven die Gelegenheit geboten, unsere Geschichtsschreibung zu seinen Gunsten zu verändern. Wer Star Trek: Enterprise aufmerksam verfolgt hat, der wird dabei eventuell an Daniels denken. In etwa so kann man sich die Arbeit vorstellen, die Blackwood zu verrichten hat. Um also für Recht und Ordnung innerhalb der Zeitlinie zu sorgen, muss dieser im Caldoria des Jahres 2318 sogenannte temporale Risse aufspüren um sich anschließend persönlich an den Ort des Verbrechens zu begeben. In dieser Episode gilt es drei Androiden zu stoppen, die in verschiedenen Epochen ihr Unwesen treiben.

Das Quartier unseres Helden - nur mit dem besten Komfort ausgestattet.
Dass die Produzenten der Neufassung keine halben Sachen machen, beweist schon das bildgewaltige Intro. Doch auch weitere Cutscenes bewegen sich auf einem höchst cineastischen Niveau. An Special Effects wurde nicht gespart und die Spielwelt so lebendig gestaltet wie irgend möglich. Nach jedem manuell eingeleiteten Schritt erfolgt eine automatische Laufanimation vom jeweiligen Standpunkt zum nächsten. Grafik und Atmosphäre sind insgesamt gelungen und die regelmäßigen Full Motion Video-Einlagen zeugen von beachtlicher Qualität. So werden sämtliche Konversationspartner in "Pegasus Prime", wie zu seiner Zeit üblich, von echten Akteuren verkörpert. Diese tauchen allerdings vorwiegend in Filmsequenzen auf. Abgerundet werden die genannten Faktoren durch den wunderbaren futuristischen Soundtrack. Das Rätseldesign beinhaltet eine Menge kreativer Ideen und lässt Herausforderungen für fortgeschrittene Spieler keinesfalls vermissen. So dürfen wir unter anderem mit der Hilfe intelligenter Maschinen ein Gegengift herstellen, mit dem wir unsere eigene Heilung herbeiführen können. Zu diesem Zweck müssen Molekül-Strukturen entwickelt werden. Doch die Puzzles, die uns erwarten, sorgen stets für gute Abwechslung. Häufig wird dabei Schnelligkeit verlangt, was die Angelegenheit natürlich erschwert und sich je nach Belastbarkeit frustrierend auf das Gameplay auswirken kann.

In dieser Epoche war der Homo sapiens noch ferne Zukunftsmusik. Aber dennoch gilt es hier etwas zu bereinigen.
Dem Interface wurde ein gewisser Cyberpunk-Flair verliehen. So sieht man auf der linken Seite der Leiste einen in der Hand befindlichen Gegenstand und rechts einen von zahlreichen Biochips, welche wir uns im Verlauf des Abenteuers aneignen. Um die jeweiligen Items oder Biochips auszuwählen muss man mit der entsprechenden Taste auf dem Nummernfeld die Inventar-Schubladen öffnen. Dazu sollte das Ingame-Tutorial oder die Anleitung konsultiert werden, da die Steuerung nicht selbsterklärend ist. Die Vorwärtsbewegung geschieht durch die Pfeiltasten, wohingegen Befehle mit der Maus und im Drag and Drop-Verfahren ausgeführt werden. Von besonderem Interesse sind die einzelnen Biochip-Funktionen, die nach der Aktivierung in der Interface-Mitte eingeblendet werden. Diese Features sind teilweise zur Lösung von Aufgaben notwendig und der Map-Biochip erleichtert uns die Orientierung im Labyrinth der Marskolonie immens. Die Energieleiste deutet nicht etwa an, dass wir in "Pegasus Prime" Arcardesequenzen zu bewältigen haben. Vielmehr sind unsere Systeme bei einer Zeitreise nur mit einem begrenzten Batterielevel ausgestattet und wir müssen manchmal vor Beendigung eines Auftrags die Rückkehr antreten. Nach Abschluss des Aufladeprozesses kann die Mission fortgesetzt werden - allerdings wieder ab dem Startpunkt des Zeitabschnitts. Zudem lauern in allen Ecken Gefahren, die unseren Helden ins Jenseits befördern können. Tatsächlich gehört "Pegasus Prime" zu jener Sorte Adventure, bei denen es schlichtweg Freude bereitet es darauf anzulegen und die unzähligen Sackgassen auszukosten. Und wer zuvor nicht abgespeichert hat, kann es danach einfach erneut probieren.


Die feindlichen Blechmuskel-Repräsentanten haben sich auch in die Marskolonie des Jahres 2185 eingeschlichen.
"The Epic Time Travel Adventure begins". Mit diesem Untertitel versuchen die Autoren ihr Remake selbstbewusst zu präsentieren. Und obwohl ich lediglich den ersten Teil dieser vermutlich epischen Serie in Augenschein nehmen konnte, stimme ich dem Slogan längst bedingungslos zu. "Pegasus Prime" ist zumindest für Science Fiction-Fans ein unverzichtbares Vergnügen, das mit überzeugender Atmosphäre, fulminanten Spezialeffekten, tollen Cutscenes und ebenso geglückter Musikuntermalung publikumswirksam inszeniert wurde. Zeitreiseadventures sind selten so authentisch gewesen.

Produzent: Presto Studios
Jahr: 1997, 2013

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