Samstag, 22. November 2014

Kommerziell: Master Reboot

Master Reboot

In den letzten Jahren hat das 3D-Ego-Adventure mehr denn je den Spiele-Markt für sich gewonnen. Diese Entwicklung ist allerdings nicht vorrangig mit klassischer Adventure-Kost, sondern zudem mit Independence-Gameplay und Genre-Verschiebungen verbunden. Als typisches Beispiel dazu lässt sich "Master Reboot" von der Firma Wales Interactive aufführen.

Was wäre, wenn wir uns zwar eines Tages von unserer sterblichen Hülle verabschieden müssten, aber unsere Seele in dieser Welt verbleiben könnte - oder zumindest in unserer ganz eigenen Welt, wie wir sie einst erlebt hatten? Eine Organisation mit dem fast schon beängstigenden Namen Mysteri Foundation lässt diese Vision Wirklichkeit werden: So haben die Menschen in jener fernen Zukunft die einmalige Chance Unsterblichkeit zu erlangen, indem sie ihre Seele in die sogenannte Soul Cloud transferieren lassen. An diesem Ort setzen wir uns zwangsläufig hautnah mit unseren Erinnerungen auseinander und dürfen uns vielleicht bald die Frage stellen, ob die Akzeptanz des Todes nicht die bessere Alternative gewesen wäre.

Ob Kinderzimmer, Spielplatz oder Schule - unsere Reise in die Vergangenheit beginnt auf Kindesbeinen.
Nachdem sich der zunächst noch unbekannte Alter Ego in der Soul Cloud eingefunden hat, stehen wir einem virtuellen Häuserblock gegenüber. In jedem Fortschrittslevel dürfen wir in beliebiger Ordnung die entsprechenden Türen durchschreiten und somit wichtige Stationen unseres Lebens Revue passieren lassen. Haben wir in einem solchen Szenario alle Aufgaben erledigt, fügt sich ein kleiner Bestandteil unserer Erinnerungen wieder zusammen. Doch wie sieht nun das Gameplay innerhalb dieser Daseins-Überlieferungen aus? Hierzu vermag ich nur eine ernüchternde Rückmeldung zu geben: So konnten sich die Leute von Wales Interactive wohl nicht recht entscheiden, in welchem Genre sie "Master Reboot" ansiedeln wollten. Herkömmliche Adventure-Puzzles sind zwar vorhanden, allerdings scheinen diese einerseits zu offensichtlich und andererseits zu uninspiriert. Zusätzlich wurden frustrierende Arcardesequenzen integriert, die sich eher wie erzwungene Lückenfüller anfühlen, durch welche man "Master Reboot" in unnötige Längen zu ziehen gedachte. Besonders verärgert hat mich der nächtliche Bibliotheksbesuch. In dieser Umgebung gilt es sich - nur mit einer Taschenlampe bewaffnet - den Weg durch ein Labyrinth von Bücherregalen zu ebnen. Eigentlich handelt es sich dabei um eine ermüdende Imitation von Slender - The 8 Pages, wobei der Slender-Man in der Garderobe eines jungen Geister- oder Zombiemädchens auftritt. Und genau dieses Mädchen stellt ebenso Mittelpunkt wie Hauptproblem der im Ansatz guten Geschichte dar. Seine nervtötende Dauerpräsenz zerstört nicht nur den Spielspaß, sondern lässt zudem nur ein abgehalftertes Horrorklischee aufleben. Damit verliert "Master Reboot" bedauerlicherweise jegliche Authentizität.

Irgendwo stoßen wir immer gegen eine unüberwindbare Barriere, welche uns daran erinnert, dass wir uns in einer begrenzten Computerwelt befinden.
Immerhin kann "Master Reboot" mit einer geglückten Atmosphäre punkten. So wirken die Szenen häufig furchteinflößend, wenngleich es in diesem Bereich nicht mehr leistet, als eine Unmenge aktueller Gruseladventures. Der Grafik konnte ich persönlich kaum etwas abgewinnen. Im Nachhinein verbinde ich die Welten der Soul Cloud primär mit aufdringlichen Neonfarben. Trotz der fehlenden Ästhetik und Detailverliebtheit wurde auf diese Weise der ideale Cyberpunk-Flair entworfen, mit dem man tatsächlich seine Freude haben kann.

Dieses Kind mit den leuchtenden Augen wird uns noch in unsere Träume verfolgen. Auf dem Jahrmarkt ist sie aber nur als leblose Spielbudenfigur anwesend.
Leider gelang es den Produzenten nicht, dieses Machwerk in eine interessantere Richtung auszubauen. Die surrealen Schauplätze sowie die Erinnerungshäppchen sind überzeugend, aber das Gesamtkonzept scheitert an vernichtenden Faktoren. So wollte man vermutlich einen wilden Genre-Mix entwickeln, um sämtliche Zielgruppen anzusprechen. Die Handlung wurde durch den maßlosen Einsatz von plumpem Horrorabklatsch in den Hintergrund gedrängt. Schade eigentlich!

Anmerkung: Das Thema der Handlung von "Master Reboot" erinnert mich teilweise an den spanischen Thriller Öffne die Augen (Abre los ojos), den ich euch absolut ans Herz legen kann.


Produzent: Wales Interactive
Jahr: 2013

Master Reboot bei Steam

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