Dienstag, 4. November 2014

Kommerziell: Riven - The Sequel to Myst

Kehren wir heute zurück zu einer Reihe, die mir immer noch etwas Kummer bereitet: Schon allein mein großer Respekt vor Myst und seinen zahlreichen Nachfolgern hindert mich gewissermaßen daran, mich ernsthaft mit ihnen zu befassen. Sowohl "Myst" als auch "Riven" habe ich vor langer Zeit einmal erfolgreich beendet und "Riven" war sogar das erste Adventure, zu dem ich in diesem neuartigen World Wide Web eine Lösungshilfe fand. Wesentlich ausführlicher hat sich jedoch mein Gastautor Problem damit beschäftigt, der sich bereits in den ersten Monaten des "Welt-Bestehens" mit der Agon-Trilogie befasste. Ich danke Problem für seine wertvolle Unterstützung in Sachen "Klassiker-Review" und wünsche viel Spaß beim Lesen!

Riven - The Sequel to Myst
geschrieben von Problem

Die lieben Verwandten
Atrus ist ein begabter Mann - er beherrscht die Kunst, Bücher zu schreiben und damit Verbindungen in andere Welten (sogenannte „Zeitalter“) herzustellen. So weit, so gut. Doch gibt es in der Geschichte der Adventure-Spiele kaum eine kaputtere Familie als die seine. Bereits in Myst hatte der gute Mann Ärger mit seinen beiden Söhnen Sirrus und Achenar. Der Spieler reiste durch Atrus' Bücher in verlassene (und zerstörte) Zeitalter, und sah mit eigenen Augen, was die beiden angerichtet hatten.
Im Myst-Nachfolger "Riven" muss der Spieler Atrus helfen, seine geliebte Frau Catherine zu retten, denn diese wurde anscheinend von Atrus' größenwahnsinnigem Vater Gehn entführt. Doch wie konnte das passieren und was genau steckt dahinter? Nur bewaffnet mit Atrus' Notizen und einem „Gefängnisbuch“ reist der Spieler also in die Inselwelt Riven, wo Catherine festgehalten wird. Die Aufgabe: Catherine finden und befreien, Gehn ins Gefängniszeitalter verbannen und anschließend Atrus irgendwie ein Signal senden, dass er nach Riven nachkommen kann. Die Belohnung: Atrus glaubt einen Weg zu kennen, wie der Spieler wieder zurück in seine eigene Welt gelangen kann.

Atrus bei seiner liebsten Tätigkeit: Schreiben.
Faszinierende Inselwelt
Doch will man überhaupt wieder zurück? Riven ist eine wunderschöne Welt, in der es unglaublich viel zu entdecken gibt. Selten war eine Spielwelt so detailliert ausgearbeitet. Riven hat Geschichte, Kultur und Geographie, und bald schon zeigt sich, dass das kein schmückendes Beiwerk ist, sondern alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Myst bestand aus mehreren kleinen Welten mit schweren, aber überschaubaren Rätseln. Riven ist eine zusammenhängende Welt und einziges großes Rätsel.

Riven besteht aus mehreren miteinander verbundenen Inseln.
Harte Rätsel ohne Kompromisse
Und das ist Vorteil und Nachteil zugleich. Seltsame Gerätschaften, Symbole, Geräusche, ein fremdes Zahlensystem, Flora, Fauna und Geographie – nichts erscheint willkürlich, alles hat miteinander zu tun. Sämtliche Rätsel sind in die Welt integriert und ergeben sich natürlich, kaum etwas wirkt aufgesetzt. Selbst zunächst völlig unverständliche Maschinen ergeben schließlich Sinn und haben einen konkreten Zweck. Im Prinzip sind die Rätsel auch fair, denn alle nötigen Hinweise sind vorhanden und warten darauf, entdeckt und richtig gedeutet zu werden. Doch der große Umfang und die Komplexität machen "Riven" trotzdem zu einem der schwersten Spiele der Myst-Reihe. Fast alle Inseln sind von Anfang an erreichbar, man läuft zu Beginn also noch relativ planlos umher, stößt auf zahllose interessante Dinge und weiß überhaupt nicht, wo man anfangen soll. Das führt schnell zu Frustration, gerade im ersten Drittel des Spiels. Auch ist es leicht, mal einen Schalter oder einen Weg zu übersehen, denn nicht immer sind die Kameraperspektiven eindeutig genug. Man braucht also sehr viel Geduld und muss bereit sein, sich in die Spielwelt hineinzudenken. Dann allerdings eröffnet sich die ganze Genialität, die hinter "Riven" steckt. Das Rätseldesign ist absolut kompromisslos und in sich stimmig, und stellt einen Höhepunkt dar, der von den späteren Spielen der Myst-Reihe nie mehr ganz erreicht wurde.

Es wird viel geboten: Rasante Fahrten...
Beeindruckende Grafik
Riven ist wunderschön, auch heute noch. Während "Myst" aus heutiger Sicht recht steril wirkt, ist Riven erstaunlich gut gealtert. Zwar klickt man sich noch immer durch Standbilder, aber der hohe Detailgrad, stark verbesserte Texturen und zahlreiche tolle Animationen (z.B. von Tieren) hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Man benutzt auf Riven viele verschiedene Transportmittel, und bekommt dabei tolle Kamerafahrten zu sehen. Trotz (für heutige Verhältnisse) niedriger Auflösung wirkt die Grafik fast fotorealistisch. Dazu kommen die Charaktere, die wieder durch Schauspieler dargestellt werden und sich erstaunlich sauber in die gerenderten Hintergründe einfügen. In dem Punkt übertrifft Riven sogar seinen direkten Nachfolger "Myst III: Exile".

...und fremdartige Tiere.
Fazit
Riven übernimmt das Konzept von "Myst" weitgehend unverändert, aber verbessert es in allen Punkten: bessere Grafik, besserer Sound, eine deutlich interessantere Story mit mehr Charakteren und einer bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Welt.
Ähnlich wie in "Myst" beeindruckt die Konsequenz, mit der der Spieler in eine ihm fremde Welt geworfen wird. In der Myst-Reihe gibt es keinen Spielercharakter im eigentlichen Sinn. Man spielt sich selbst, und das Spiel ist bemüht, diese Illusion mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Trotz des abschreckend hohen Schwierigkeitsgrades sind es gerade die Rätsel, die dieses Spiel einmalig machen. Wie es "Riven" gelingt, die Rätsel in Einklang mit der Spielwelt und der Handlung zu bringen, ist beispiellos. Das allein sollte schon die Reise nach Riven wert sein – wenn man Geduld mitbringt und bereit ist, sich voll und ganz auf das Spiel einzulassen. Denn "Riven" verlangt die ungeteilte Aufmerksamkeit des Spielers.

Produzent: Cyan Worlds
Jahr: 1997

Kommentare:

  1. Schöner Blog hier von dir! Ich bin bei dir suche von Artikeln zu Eric the Unready hier drauf gestoßen. Ich werde mich mal weiter einlesen :-)

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  2. Vielen Dank und viel Spaß noch beim beim Einlesen! ;)

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