Donnerstag, 11. Dezember 2014

Freeware: The Mask Reveals Disgusting Face

The Mask Reveals Disgusting Face

Auch wenn meine Berichterstattung im Bezug auf dieses Genre nachgelassen hat, sammeln sich im Internet weiterhin ambitionierte Fanprojekte an, die sich auf meiner To-Do-Liste längst gemütlich eingerichtet haben - so etwa das mit der EDuke32-Engine erstellte "The Mask Reveals Disgusting Face", welches sich an aktuellen Retrotrends orientiert. Der Autor präsentiert uns eine geradezu archaische, grobklötzige 3D-Umgebung im Stil unvergessener Werke wie Normality, Ken's Labyrint (Vorsicht, kein Adventure-Titel!) oder Realms of the Haunting (Action-Adventure-Titel!).

In der Einleitung schildert unser Ego-Charakter seine kaum erfreulichen Erlebnisse.
In TMRDF schlüpfen wir in die Rolle eines depressiven Menschen, der nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie die Einsamkeit sucht. Er meidet den Kontakt zu seinen Freunden und lässt sich letztlich sogar in einem verlassenen Haus außerhalb der Stadt nieder. Seinem Gesundheitszustand scheint diese Entscheidung weniger zuträglich, sodass er schon bald an einer schweren Psychose zu leiden beginnt. Schließlich erkennt der verängstigte Hauptcharakter, dass er aus dieser Isolation flüchten und in die wirkliche Welt zurückkehren muss - wäre da nicht dieses magische Gitter, welches neuerdings den gesamten Garten umzäunt und uns somit gefangen hält. Realität oder Paranoia? Die Antwort müssen wir selbst ergründen, doch zunächst gilt es einen Ausweg aus jenem furchtbaren Verlies zu finden. Die Atmosphäre zieht uns ab der ersten Minute in ihren Bann. So ertönt eine unglaublich beklemmende Hintergrundmelodie aus den Lautsprechern, die in Kombination mit der unheilvollen Geräuschkulisse rasch für innere Aufregung sorgt. Obwohl die Poster meist unlesbar sind und Nachttischlampen oder andere Objekte wie Pappfiguren anmuten, erfüllt aber besonders der erwähnte Grafikstil seinen ganz persönlichen Zweck. Die düstere Stimmung, die durch Räume und Außenszenarien vermittelt wird, vermag den Spieler durchaus zu verstören. Klirrende, unerwartet aus dem Rahmen fallende Fensterscheiben und sonstige Überraschungseffekte machen das Grauen perfekt.

Meist gilt die Küche als Herzstück eines Hauses - hier allerdings...
Das Gameplay hingegen wird niemanden fordern können. Schon das Interface ist minimalistisch angelegt. Die Steuerung erfolgt über die Tastatur, sodass wir uns mit WASD durch die Landschaft bewegen können. Auf unser Inventar und die "Brightness Settings" erlangen wir Zugriff, indem wir die Escape-Taste drücken. Dort sind lediglich sieben freie Item-Slots verfügbar. Im Prinzip darf die besagte Funktion ignoriert werden, weil sämtliche Interaktionen mit im Besitz befindlichen Gegenständen automatisch ausgeführt werden. Voraussetzung sind nur achtsame Erkundung und fleißiges Einsammeln. Die Rätsel selbst sind mehr als offensichtlich und somit für Genre-Anfänger absolut geeignet. Zu meinem Leidwesen musste ich zwar ein kleines Untergrundlabyrinth bewältigen, welches mich jedoch glücklicherweise nicht lange aufhielt. Der mit Abstand schwierigste Part erwartet uns in der finalen Szene, wo es wiederum eine eher schlichte Actionsequenz zu meistern gilt. Diese kann frustrierend wirken, ist aber nach einigen erfolglosen Anläufen zu schaffen, sofern man für etwa eine Minute seine Konzentration beibehält. Um solchen Gefahrensituationen vorzubeugen, werden Autosaves bereitgestellt - zumal keine manuelle Speicheroption in das Spiel integriert wurde.

Eigentlich sollte dieser Umzug der psychischen Gesundung dienen. Nun aber sind wir hinter Gitterstäben gefangen.
Ich bin nahezu davon überzeugt, dass sich nicht nur Retrografik-Fetischisten an "The Mask Reveals Disgusting Face" erfreuen können. Der intelligente Psychohorror schickt uns auf eine kurze Reise in die dreidimensionale Urzeit und entwirft damit eine bessere Atmosphäre als so mancher auf Unreal-Basis realisierter "High-End-Grusel". Meiner Ansicht nach zählt es ohne Zweifel zu den Toptiteln aus der umfangreichen Sparte schauriger Freewareadventures.

Produzent: Zykov Eddy
Bislang unterstützte Sprachen: Englisch, Russisch
Jahr: 2014

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