Sonntag, 22. Februar 2015

Freeware: The static speaks my name

The static speaks my name

Das fünfte Blogjahr beginnt mit einem Beitrag aus dem Freeware-Bereich. "The static speaks my name" folgt dem Trend ehrgeiziger Gamedesigner, unter Einsatz der Unity-Engine Kunst und Innovation in meist kurzen, interaktiven Geschichten zu verpacken. Dabei bleiben einige vielversprechend aussehende Spiele auf der Strecke, denn nicht jedes der unzähligen Werke dieser Art kann seine Erwartungen erfüllen. Außerdem scheint es mittlerweile, als wäre alles schon einmal dagewesen.


"Today will be a better day." Mit diesen Worten vor Augen schiebt Jakob Ernholtz seine Decke zur Seite - mehr oder minder bereit, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Dazu gedenkt er tatsächlich nicht sein Heim zu verlassen und spannende Abenteuer wird er auch nicht zwangsläufig erleben. Stattdessen begibt er sich wie ein verblasster Schatten seiner selbst zur Toilette und widmet sich anschließend der eher lästigen Nahrungssuche. Eventuell muss er wieder auf die bisweilen quicklebendigen Garnelen aus seinem Schlafzimmeraquarium zurückgreifen - so bleibt er immerhin nicht die einzige Lebensform im Haus, die einen schlechten Tag verbringen muss. Schließlich pflegt er noch seine Chatbekanntschaften, was nicht allzu tiefgründig verlaufen wird. Doch was genau hat es nun mit diesem allgegenwärtigen Gemälde von einer einsamen Südseeinsel auf sich? Und was hat dieser nackte Mann im Käfig zu bedeuten?

Im Garnelenaquarium scheint immer eine lebhafte Partystimmung zu herrschen - oder doch nicht mehr allzu lange?
Eigentlich ist hiermit bereits alles gesagt, was in Bezug auf dieses Abenteuer relevant ist. Mit schrägem, schwarzem Humor hat der Autor ein düsteres und ebenso unterhaltsames Explorationgame geschaffen, das man als Fan der Independenceszene nicht ignorieren darf. Die 3D-Umgebung wurde liebevoll gestaltet, aber die Anzahl der Räume bleibt - wie alles im Spiel - überschaubar. Nach 17 Aktionen, die nahezu kein Mitdenken erfordern, ist "The static speaks my name" abgeschlossen, doch wird man sich gedanklich wohl eine Weile damit befassen. Zunächst müssen lediglich fünf vorgegebene Schritte befolgt werden, wie etwa: "Use the bathroom!", "Eat your breakfast!", etc. Von einem Rätseldesign kann also nicht die Rede sein. Trotz der geringen Menge an Bildschirmtexten dringt die Komik zu unseren Köpfen durch und ringt uns, der traurigen Atmosphäre ungeachtet, so manches Lächeln ab.

Flimmernde Fernsehgeräte und eine mit Brettern verschlossene Haustür? Jakob Ernholtz scheint nicht unbedingt ein "gewöhnlicher" Mensch zu sein.
In jedem Fall nistet sich das großartige "The static speaks my name" in unserem Gedächtnis ein. Vielleicht bewirkt es zudem, dass wir nachts von dem Bild einer Insel auf hoher See träumen - oder von Schrimps, die wir bei lebendigem Leibe verspeisen müssen. Man sollte unbedingt einen Blick auf dieses kleine Kunstwerk werfen - es kostet uns ohnehin maximal zehn Minuten unserer Zeit.

Dennoch sollte eine Warnung ausgesprochen werden: Wer aktuell von Suizid-Gedanken geplagt wird, sollte besser vorerst die Finger von diesem Spiel lassen, wie der Autor selbst empfiehlt!

Produzent: Jesse Barksdale
Bislang unterstützte Sprachen: Englisch
Jahr: 2015

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