Sonntag, 29. März 2015

Freeware: Tripgate

Tripgate

Ich erzähle wohl kaum etwas Neues, wenn ich sage: Drogen sind schlecht (mkay?)! Und darüber hinaus noch teuer. Was wäre aber, wenn man einen vollkommen legalen und kostenlos herbeigeführten Rauschzustand erleben dürfte, ohne irgendwelche Substanzen einnehmen zu müssen? Diese Option wurde uns bereits im vergangenen Jahr ermöglicht. Der Initiator dieser gemeinnützigen Idee nennt sich dustmyte und der Wirkstoff ist interaktive Kunst in Gestalt eines 1st person-Explorationgames. Näheres zur Rezeptur möchte ich hier gerne verraten.

Die Population der bunten Städte verfügt über mehrere Augen, Arme und Beine.
"Tripgate" teleportiert uns in eine psychodelisch-kunterbunte Umgebung, die uns mit unruhig schimmernden Neonfarben in ihren Bann zu ziehen vermag. Der Boden unter unseren Füßen, der sich ebenso als dahinströmende See empfinden lässt, macht durch gewöhnungsbedürftige Pink- und Purpurtöne auf sich aufmerksam, wohingegen der mit blutroten Wolken behangene Himmel sein unheilvolles Antlitz zur Schau stellt. Einige isoliert gepflanzte Bäume zieren die abgelegenen Plätze des vermeintlichen "Handlungsgeschehens" und friedliche Lebewesen von tintenfischähnlicher Gestalt kreuzen unseren Weg. Fernab warten zudem größere Städte darauf, von uns entdeckt zu werden. Durch Portale wird uns der Einstieg in weitläufige Räume gestattet und nicht selten erkunden wir dabei die verzweigten Gänge von Burgruinen oder ähnlicher Gemäuer. Ich kann mir kaum sicher sein, ob ich all das korrekt beschrieben habe, aber eventuell ist hier auch nur die Sichtweise jedes einzelnen Spielers entscheidend. Was uns hier nämlich erwartet, ist eine mit größtmöglichen Pixeln zum Leben erweckte 3D-Welt, welche stets in Bewegung bleibt und an nostalgischer Detaillosigkeit leidet. Da dieses visuelle Konzept jedoch dermaßen überzeugend ist, möchte ich diese Tatsache keinesfalls negativ klingen lassen. Letztlich entsteht durch diesen antiquierten und farblich überreizten Shooter-Style eine fantastische Atmosphäre, die das Drogen-Klischee perfektioniert. Das mystische und gleichermaßen aufdringliche Musikstück im Hintergrund entpuppt sich ebenso schnell als passendes Stilmittel. Nun ist "Tripgate" alles andere als einfach, obwohl jene merkwürdigen Figuren keine blutrünstigen Gegner oder gesprächige Gesellen sind. Das Problem ist vielmehr, dass "Tripgate" ein einziges, umfangreiches Labyrinth darstellt. Wer derartigen Herausforderungen gewachsen ist, wird es vielleicht in 15-30 Minuten bewältigt haben. Ich hingegen habe es nach wie vor nicht bis zum Ende geschafft und musste auf ein Youtube-Video zurückgreifen, um meinen Horizont in Bezug auf "Tripgate" zu erweitern.

Die Städte führen uns von einem Irrgarten in den nächsten.
Im Endeffekt bietet "Tripgate" Freiraum für weitreichende Interpretationen. Meiner Ansicht nach entfaltet es nicht alleine die Wirkung einer mystisch-psychodelischen Grenzerfahrung, sondern lässt uns zugleich in ein dystopisches Zukunftsszenario eintauchen. Da mag aber jeder Spieler seine eigene Anschauungsweise vertreten. Zweifellos ist es ein äußerst beeindruckender Beitrag zur Independenceszene.

Produzent: dustmyte
Sprache: nicht relevant, weil stumm
Jahr: 2014

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