Sonntag, 23. August 2015

Kommerziell: The Maker's Eden - Act 1

Allgemeine Grundlagen: Was ist "The Maker's Eden"?
Genre: Adventure mit Hyperlink-Steuerung, Episodenformat (3 Episoden)
Technische Grundlage: Bewegliches Slideshow-Format
Urheber: Screwy Lightbulb
Sprache: Englisch
Jahr: 2014
Download: Steam --- itch.io

Wird unser Held die Flucht ergreifen? Bei dieser Unterkunft fällt die Entscheidung nicht besonders schwer.

Story und Schauplatz
"The Maker's Eden" erzählt die Geschichte eines Roboters, der ohne jegliches Erinnerungsvermögen einer Kapsel entrissen wird und sich kurz darauf zur Flucht entschließt. Kein leichtes Unterfangen, denn als Maschine ohne Identität lenkt er zwangsläufig die Aufmerksamkeit der Gesetzeshüter auf sich. Somit begleiten wir unseren von Amnesie geplagten Protagonisten auf seiner Reise durch die Nacht und schließen Freundschaft mit ganz unterschiedlichen Individuen, die sich ebenfalls der Polizeigewalt entzogen oder sogar im Untergrund zusammengeschlossen haben. Für den Spieler gilt es nun also, die dunklen Geheimnisse jener von Robotern bevölkerten Welt sowie das des eigenen Ursprungs zu ergründen.

Wozu sollte ein zielloser Amnesie-Patient ein Taxi brauchen?

Puzzles und Gameplay

Das gesamte Gameplay basiert auf einer simplen Hyperlink-Steuerung, die eine nutzerfreundliche und vor allem anfängertaugliche Bedienung ermöglicht. Klickt man auf einen Hotspot im Szenenbild, wird eine geringfügige Zahl an sinnvollen Befehlen aufgelistet. Hat man gerade eine Schaufel eingesammelt, wandert diese nicht etwa in ein Inventar, sondern ins spielinterne Gedächtnis. Sobald man mit der Maustaste ein Blumenbeet anvisiert, schlägt das Interface automatisch vor, die Schaufel darauf anzuwenden (fiktives Beispiel!). Die Herausforderungen halten sich dadurch in Grenzen, zumal wahre Inventarrätsel hinfällig werden. In eher seltenen Fällen wird man auf ausgeklügelte Puzzlesequenzen stoßen. Im vorletzten Abschnitt müssen wir etwa eine schwierige Aufgabe meistern, bei der Gesprächsfetzen eine entscheidende Rolle spielen. In erster Linie handelt es sich aber um ein ziemlich textlastiges Werk, sodass am laufenden Band genregemäße Multiple Choice-Dialoge absolviert werden müssen.

Werden wir hier neue Freunde oder zumindest einige Antworten finden?

Musik, Grafik, Atmosphäre

Die Technik hinter "The Maker's Eden" wird von den Produzenten als "Motion Comic" bezeichnet. Und tatsächlich entfaltet das Spiel vielmehr die Wirkung einer Graphic Novel, in welche Elemente des klassischen Adventures eingeflochten wurden. Die gesamte Spielmechanik liegt diesem Prinzip zugrunde, sodass die Figuren keine traditionellen Animationen für Mimik und Gestik aufweisen. Für Dialoge wird hingegen stets eine eigene Diashow inszeniert, welche den jeweiligen Gesprächspartner in ständig wechselnder Pose zeigt. Auf Sprachausgabe wurde dabei komplett verzichtet. Die grafische Darstellung brachte ich rasch mit den Werbeadventures der 90er Jahre in Verbindung. Es handelt sich also um einen recht speziellen, einfach gehaltenen Zeichenstil, der sich letztlich sehr gut in das Comic-Schema einfügt. Darüber hinaus wandeln die Autoren auf den Spuren des Film Noir, wie man dem Spiel deutlich ansehen kann. So werden die schäbigen Schauplätze von Dunkelheit sowie beharrlichen Niederschlägen dominiert. Hinzu kommen die wirklich grandiosen Musikstücke, die zweifellos Ohrwurmcharakter offenbaren. In Kombination mit dem Soundtrack von Abstraction mutet selbst das lautstarke Plätschern der Regentropfen melodisch an.

Das müffelt geradezu nach Ärger.

Fazit
"The Maker's Eden" versetzt uns in ein dystopisches Zukunftsszenario, in welchem Roboter zu den Herrschern jener düsteren Welt emporgestiegen sind. Somit befasst sich Screwy Lightbulb mit uralten Motiven der Science Fiction-Historie, die jedoch in diesen Zeiten zunehmend an Aktualität gewinnen. So skizziert etwa die schwedische TV-Serie "Real Humans" eine alternative Gegenwart, in der ein fragwürdiges Zusammenleben zwischen Mensch und "Hubot" (Human Robot) gewährleistet ist. Auch der erste Akt dieses ambitionierten Episodenspiels regt mit seiner intelligent eingefädelten Hintergrundgeschichte zum Nachdenken an. Der Serienauftakt mag kurz und bündig sein, schürt aber bereits hohe Erwartungen.

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