Samstag, 12. September 2015

Kommerziell: Decay - The Mare

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Decay - The Mare"?
Genre: Klassisches Adventure, Episodenformat (3 Episoden)
Vergleichbare Spiele: The Mask Reveals Disgusting Face
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Shining Gate Software
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, etc.
Jahr: 2015
Download: Steam
Kauf der DVD-Box: amazon

Die Entwickler sind offensichtlich Fans des Kultursenders ARTE, da sie denselben gelben Untertitel-Artstyle repräsentieren.

Story und Schauplatz
Hinter der Bezeichnung "Reaching Dreams" verbirgt sich eine Institution, die geschaffen wurde, um gescheiterte Existenzen wieder auf den rechten Weg zu führen. Auch der drogensüchtige Sam wurde an diese Adresse vermittelt und strebt in Gedanken bereits einem neuen und besseren Leben entgegen. Leider ereignen sich im Verlauf seiner ersten Nacht merkwürdige Zwischenfälle. Es scheint, als wäre Sam in einem Alptraum gefangen, welcher in jedem der drei Kapitel von vorne beginnt. Das Szenario, das unser Protagonist außerhalb seines Zimmers vorfindet, wird sich jedoch von Episode zu Episode deutlich unterscheiden.

In der ersten Episode fällt die Orientierung besonders schwer, da es hier unzählige Räume und Abzweigungen gibt.

Puzzles und Gameplay
"Decay - The Mare" entpuppt sich rasch als waschechtes 1st person-Adventure, das in erster Linie auf Inventarrätseln und komplexeren Puzzlesequenzen aufbaut. Es lässt sich definitiv nicht zur schwierigsten Sorte zählen, doch einige Knobeleien stellen durchaus eine größere Herausforderung dar. Das Gameplay zeugt zudem von der Kreativität seiner Macher. So dürfen wir in Episode 2 eine Kamera verwenden, um die Wände auf unsichtbare Botschaften abzusuchen. In Episode 3 werden wir hingegen auf eine Taschenuhr stoßen, mit deren Hilfe wir einzelne Räume in der Zeit zurückversetzen können. Die Steuerung ist schlicht und klassisch. So bewegen wir uns mit der Maus durch die Einrichtung und können jederzeit auf unser Gepäck zugreifen. Achievementjäger dürfen sich unterwegs nach herrenlosen Münzen umsehen. Bei mangelnder Erfahrung mit der Egoperspektive sind Frustmomente aber fast schon garantiert, da die Art und Weise der Navigation schnell Verwirrung stiftet. Ich habe oft gar nicht verstanden, vor welcher Tür ich gerade stehe und wohin ich mich zuletzt gedreht habe. Außerdem werden wir häufig mit sinnlosen Nachfragen belästigt. Klicken wir etwa auf eine Leiter, erscheint ein "Wirklich runterklettern? Ja! Nein!" auf dem Monitor. Da hätte eigentlich nur das obligatorische "Vielleicht!" gefehlt. Ich schätze, dass sich jeder Spieler irgendwann von diesem Fragewahnsinn genervt fühlen dürfte. Also bitte, liebe Leute von Shining Gate Software, befreit uns beim nächsten Update von diesem "Feature"!

Ob diese fehlenden Gesichter ein Geheimnis bergen?
 
Musik, Grafik, Atmosphäre
Der überaus atmosphärische Introfilm ist mit dem offiziellen Trailer identisch - und darin lässt sich beinahe eine kleine Mogelpackung erkennen. Die wenigen Cutscenes, welche "Decay - The Mare" zu bieten hat, wirken äußerst statisch und lassen uns das geringe Budget spüren. Die erwähnte Eingangssequenz ist zumindest optisch eindrucksvoller und schürt unter Umständen falsche Erwartungen. Wer ein fesselndes Spiel ohne das Vorhandensein hochwertiger Videos genießen kann und keine antiquierten Szenenbilder scheut, dem kann dieses Horrorerlebnis aber Freude bereiten. Zwar scheint das Adventure grafisch aus der Zeit gefallen zu sein, doch die düsteren Bilder sind allgegenwärtig und verbreiten ihren eigenen Charme. Auch die unvorhersehbaren Schockmomente wurden gut inszeniert und können uns schon mal erzittern lassen. Eine wiederkehrende Erkennungsmelodie soll die Dramatik in storyrelevanten Cutscenes unterstreichen und kann sich dank seines Ohrwurmcharakters behaupten. Dialoge laufen leider grundsätzlich stumm ab, sodass die Lektüre der Bildschirmtexte unverzichtbar bleibt.

Kann diese Tory nicht mal pinkeln gehen, ohne ihren Aufenthalt im Badezimmer schriftlich zu dokumentieren?
 
Fazit
2015 wurde das abgeschlossene Adventure im deutschsprachigen Raum durch den erfolgreichen Publisher Daedalic vertrieben. Allein aus diesem Grund dürften sich einige Spieler mehr davon erhofft haben. Die Spielzeit beläuft sich wohl auf maximal 10 Stunden, die jedoch absolut kurzweilig verstreichen und in einem mitreißenden Finale enden. So bleibt "Decay - The Mare" zumindest für Freunde des psychologischen Horrors aus der klassischen Egoperspektive ein spannender Titel. Dieser Zielgruppe, die meine Wenigkeit zweifellos mit einschließt, empfehle ich es also gerne weiter.

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