Samstag, 5. September 2015

Kommerziell: Hidden - On the trail of the Ancients

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Hidden - On the trail of the Ancients"?
Genre: Klassisches Adventure, Episodenformat (2 Episoden)
Vergleichbare Spiele: Atlantis 5, Dracula 3
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Lost Spell Studios
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch
Jahr: 2015
Download: Steam

Die Einleitung wird uns mit tollen Sepiazeichnungen versüßt, wobei "versüßt" bei einem Horroradventure vielleicht nicht unbedingt der passende Begriff ist.

Story und Schauplatz
Um das Geheimnis der "Legende der Alten" zu ergründen, hat sich Adriano Scopelli in eine kleine Pension im Herzen von Buenos Aires zurückgezogen. Zugleich durchforstet eine Forschungsgruppe, die sich mit demselben Mysterium befasst, die peruanischen Wälder. Falls die besagten Überlieferungen nicht auf Lügen beruhen, sollte dort eine antike Stadt gelegen sein, deren Existenz der Menschheit bislang verborgen blieb. Da die Teilnehmer jener Expedition derzeit im Dunkeln tappen, muss nun der Anthropologe Thomas Farrell die notwendigen Informationen beschaffen. Diese befinden sich aller Voraussicht nach in Scopellis Händen. Mündlich wird uns der eifrige Kollege sein Wissen allerdings nicht mehr vermitteln können. Nach unserer Ankunft wurde dieser nämlich bereits tot aufgefunden. Daher müssen wir am frühen Morgen die Abwesenheit der ermittelnden Polizisten nutzen, um in das Zimmer des abrupt Verblichenen zu gelangen. Somit stürzen wir uns in ein fesselndes Abenteuer, das uns zunächst zwei umfangreiche Schauplätze erkunden lässt: Die Pension des Nikolay Petrov und die finsteren Wälder in der Umgebung von Machu Picchu.

Sobald Farrell seinen Zimmerschlüssel gefunden hat, kann er sich auf die Spuren des verstorbenen Scopelli begeben.

Puzzles und Gameplay
Bei den Lost Spell Studios scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, denn "Hidden" zeigt sich so traditionell, wie ein 1st person-Adventure nur sein kann - ein Handwerk, dass die Produzenten jedoch einwandfrei beherrschen. Auf 3D-Umgebungen wurde verzichtet, wohingegen die gute alte Point and Click-Steuerung so manches Gemüt erfreuen wird. In eher seltenen Fällen führen wir Multiple Choice-Dialoge mit einem Nebencharakter. Ansonsten sammeln wir Werkzeuge sowie wertvolle Fundstücke ein, die im Inventar kreisförmig angeordnet werden - ähnlich wie in den frühen Dracula-Spielen. Darüber hinaus müssen wir viele Texte lesen. Wir werden nämlich auf Dokumente aller Art stoßen und auch das beinahe schon klischeehafte Tagebuch des Wissenschaftlers wurde nicht ausgelassen. Die durchaus anspruchsvollen Knobeleien, die sich definitiv nicht allein auf Inventarrätsel beschränken, lassen sich häufig nur unter Zuhilfenahme solcher Schriften absolvieren. Besonders ambitioniert wirken auf mich die Nebenquests, die für den Standarddurchlauf des Adventures nicht relevant sind. Sie bescheren uns letztlich Steam-Achievements und werten die Story mit "Bonusbestandteilen" auf. Bemängeln lässt sich lediglich, dass man wichtige Objekte leicht übersieht, sodass das Gameplay etwa im Schatten der Nacht rasch in Pixelhunting ausartet. Mit der Übersicht der Missionsziele und der zusätzlichen Hinweisfunktion wurden zudem moderne Servicefeatures integriert.

Das Spiel ist recht arm an Charaktermodellen. Pensionsinhaber Petrov ist der einzige Charakter, dem wir persönlich begegnen.

Musik, Grafik, Atmosphäre
"Hidden" besticht von Beginn an durch hochwertig und detailreich gestaltete Spielszenarien. Die Cutscenes fallen sogar noch etwas positiver aus, da sie der Geschichte eine besonders geheimnisvolle Wirkung verleihen. Während wir den Berichten des Hauptcharakters lauschen, dürfen wir düstere, leicht surreal anmutende Sepiafotografien bewundern, die dem Zeitgeist der 30er Jahre entsprechen. An diesem Punkt sollte ich vielleicht einmal erwähnen, dass sich "Hidden" 1934 abspielt. Diese Ära wurde meiner Ansicht nach wundervoll eingefangen, optisch wie musikalisch. Die Geräuschkulisse vermischt sich mit dramatischen Melodien, die von schaurigen Klängen geleitet werden. Alles in allem gelingt auf diese Weise eine erstklassige Gänsehautatmosphäre. Regelmäßige Visionen, die uns mitten am Tag in alptraumhafte Katakomben entführen, sorgen für einen zutiefst mystischen Flair. Wer also ein handfestes Horroradventure sucht, das uns von Anfang bis Ende in eine bedrückende Stimmung versetzt, wird den Kauf von "Hidden" nicht bereuen.

Gut, immerhin taucht noch ein Pferd auf. Es begleitet uns in die Wälder von Peru.
 
Fazit
Nach all den Walking-Simulatoren und Gameplay-Experimenten, die in der heutigen Zeit den Markt überfluten, lassen derart konservative Adventures wie "Hidden" besonders die altmodischen Genreliebhaber aufhorchen. Vermutlich waren sich die Autoren zudem darüber im Klaren, dass sich Adventurespieler von Natur aus gerne auf archäolgische/ anthropologische Forschungsmissionen begeben. Somit stützen sie sich auf ein bewährtes Erfolgsrezept, das vor wenigen Jahren sogar der lange unbeachteten Dracula-Reihe zum erneuten Aufschwung verhelfen sollte. Vergleicht man allerdings das storytechnisch ausgeklügelte und atmosphärisch hinreißende "Hidden" mit dem jüngst gescheiterten Dracula-Zweiteiler, so haben die eifrigen Entwickler aus Buenos Aires bereits mit der ersten Hälfte ihres spannenden Abenteuers deutlich bessere Arbeit geleistet. Leider gelingt es dem Cliffhanger lediglich, die Spannung auf dem gleichen Level zu halten, anstatt sie zusätzlich zu steigern. So lässt sich kaum erahnen, in welche Richtung sich die Handlung bewegen wird und ob "Hidden: The Untold" diese hohe Qualität beizubehalten vermag. Ich würde es den Machern durchaus zutrauen.

Anmerkung
Damit hat sich nun auch das 200. Review in diesem Blog eingefunden. :-)

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