Samstag, 31. Oktober 2015

Kommerziell: A Wolf in Autumn

Allgemeine Grundlagen: Was ist "A Wolf in Autumn"?
Genre: Adventure-Exploration-Hybrid, Interactive Storytelling
Vergleichbare Spiele: The Music Machine, Fibrillation
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: David Szymanski
Sprache: Englisch
Jahr: 2015
Download: Steam

Ein Schlüsselmoment in der Geschichte oder doch nur der Anfang?

Story und Schauplatz
Ein kleines Mädchen erwacht in einem Holzschuppen, der sich inmitten des Waldes befindet. Da es sich um eine junge Tüftlerin handelt, vermag sie selbst das sorgsam angebrachte Türschloss nicht lange aufzuhalten. Nach erfolgreicher Flucht aus ihrem Verlies verschlägt es sie in einen farbenfrohen Herbstgarten, der sich sogleich als Hort des Erfindungsreichtums entpuppt. Das umzäunte Grundstück ist mit merkwürdigen Maschinen gesäumt, die sich kaum mit zukunftsträchtiger Industrieware vergleichen lassen. Im Verlauf der kurzen Spielzeit erkunden wir zwei Szenarien, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. So werden wir uns nach Beendigung der ersten Etappe einer rustikalen Werkhalle zuwenden, die unter der Erde gelegen ist.

Willkommen im Herbstgarten für Heimwerker!

Puzzles und Gameplay
"A Wolf in Autumn" basiert eher geringfügig auf den Gesetzes eines Walking Simulators. Im Grunde müssen wir selten weite Strecken zurücklegen, sodass lediglich zum Finale hin ein längerer Exploration-Part zu bewältigen ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf simplen Kombinationsrätseln, die das Gameplay konsequent ausfüllen. Diese sind mit dem Nachteil verbunden, dass wir wichtige Instrumente innerhalb dieser Bastelanlage, wie etwa Hammer oder Säge, niemals in einem Inventar verstauen können. Nur die zarten Hände des Mädchens dienen uns zum Transport jeglicher Items und können bloß eines davon zur gleichen Zeit aufnehmen. Nicht mehr benötigter Ballast darf allerdings an beliebiger Stelle abgelegt werden. Schwieriger wird es dann eventuell, diese wieder aufzuspüren. Die eigentlichen Aktionen sind zügig absolviert und verlangen keine Gehirnakrobatik. Es ist sogar derart realistisch gestaltet, dass sich verschiedenene Hilfsmittel zur Lösung einer Aufgabe einsetzen lassen.

Diese Luke führt zur unterirdischen Werkstatt.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Die grafische Präsentation übt eine ungemein beachtliche Faszination aus. Jeder Fleck leuchtet in den Farben des Herbstlaubs auf und wird durch den Schatten hoch darüber emporragener Bäume wiederum verdunkelt. Da die Blätter beständig im Wind rascheln und sämtliche Gewächse am Boden synchron zueinander ihre Tänze vollführen, lässt sich ständig ein Flackern und Flimmern wahrnehmen. Jeder Punkt in der Landschaft scheint einem vorgegebenen Rhythmus zu frönen, sodass die dritte Jahreszeit in diesem Spiel wie eine Opernbühne anmutet. Und gerade deswegen kann "echte" Musik bedenkenlos ausgespart werden. Die Geräuschkulisse tut ihr Übriges, sei es der Gesang der Vögel, das Blubbern des Wassers oder das ebenso melodische Grillenzirpen. Unter der Erde hingegen wirkt alles eher trist und düster, doch die einzigartige Horroratmosphäre überzeugt dort umso mehr. Ein ausgeprägtes Gänsehautgefühl entsteht insbesondere dann, wenn sich aufgewühltes Hundegebell mit dem Jaulen der Wölfe vermischt.


Mit der Taschenlampe bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel. Vielleicht stoßen wir dabei auch auf die große Lichtquelle

Fazit
Interessanterweise demonstriert der Entwickler mit seinen Heimwerker-Rätseln, dass sich die Bereiche Adventure und Exploration durchaus gegenseitig ergänzen können. Dabei handelt es sich jedoch um eine recht oberflächliche Beobachtung, denn auch mit seinem jüngsten Werk wird er den Gameplay-Verteidiger unter den Adventure-Fans nicht aus der Reserve locken. Das Problem stellt die Erinnerung an das klassische Adventure dar, welche stets mit einigermaßen fordernden Rätseln verbunden ist. Szymanski bleibt sich jedenfalls treu und liefert seinem Publikum, was es von ihm erwartet. Somit steht bei "A Wolf in Autumn" wieder einmal die charmant erzählte Geschichte im Vordergrund, welche den Maßstäben des psychologischen Horrors im besten Sinne gerecht wird. Gekonnt weckt der Autor die Neugierde des Spielers und belohnt ihn zu guter Letzt mit einer überraschenden Auflösung.

Samstag, 17. Oktober 2015

Freeware: Fingerbones

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Fingerbones"?
Genre: Klassisches Adventure, Interactive Storytelling
Vergleichbare Spiele: The Music Machine
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: David Szymanski
Sprache: Englisch
Jahr: 2014
Download: Steam --- Gamejolt

Die zugenagelten Fenster schotten uns vollends von der Außenwelt ab.

Story und Schauplatz

Manchen Spielen raubt man den Geist, indem man ihre Handlung vorwegnimmt. Dazu zählt zweifellos David Szymanskis Debütwerk "Fingerbones". Dort finden wir uns in einem verlassenen Gebäude wieder, dessen verborgenste Ecken wir fortan erforschen dürfen. Es handelt sich also um einen jener Schauplätze, welche leidenschaftliche Urban Explorer anziehen und natürlich ebenso gerne als Szenario schauriger Horrorgeschichten beansprucht werden. Immerhin ist solchen Bauwerken stets gemeinsam, dass sie über die Geheimnisse der Vergangenheit wachen. In dieser vermeintlichen Lagerhalle, die wir im vorliegenden Adventure tüchtig nach Fragmenten des Geschehenen durchsuchen müssen, werden wir letztlich auf besonders düstere Fakten stoßen.

Die erste Notiz wird gelesen und lässt uns zunächst ratlos zurück.

Puzzles und Gameplay

Zumindest in Punkto Rätseldesign verweilt "Fingerbones" nicht im Schatten seiner Nachfolger. Hier muss wesentlich mehr mitgedacht werden, sodass es sich nicht wirklich als Explorationgame einordnen lässt. Allerdings erhalten wir niemals Zugriff auf unser Inventar und es müssen auch keine Gegenstände kombiniert werden. Die meiste Zeit über lesen wir Tagebucheinträge, die in Form einzelner Zettel auf Tischen oder Kisten verstreut liegen. Darüber hinaus müssen wir jedoch aufmerksam bleiben und dieser Lektüre wichtige Stichpunkte entnehmen. So ermitteln wir nämlich verschiedene Passwörter, welche schließlich in eine Maschine eingetippt werden müssen. Dadurch werden nach und nach Türen oder Bodenluken entriegelt, wodurch wir folglich Fortschritte erzielen.


Dieses Passwort klingt zwar gut, ist aber leider falsch.

Musik, Grafik, Atmosphäre

Im Gegensatz zu den jüngeren Spielen, die den Namen David Szymanskis tragen, mangelt es der Welt von "Fingerbones" an den originellen grafischen Stilmitteln, die durch "The Music Machine" einen weiteren Höhepunkt erreicht haben. Auf den ersten Blick hebt es sich kaum von anderen Horroradventures ab - und ich muss vermutlich nicht jedes Mal aufs Neue erwähnen, dass diese momentan auf dem Fließband produziert werden - alleine der Einfluss dieses Genres auf meinen Blog kann das eindeutig belegen. Allgemein wirkt die 3D-Grafik nicht sonderlich zeitgemäß. Die Grundstimmung täuscht jedoch schnell über die antiquierte Optik hinweg, sodass uns das Schnaufen und Weinen eines sehr jungen Kindes etwa gelegentlich komplett aus der Fassung bringt. Die Dunkelheit bestreiten wir in erster Linie durch den Einsatz einer Taschenlampe. Und je tiefer wir in den Keller vordringen, desto gruseliger erscheint uns diese alte Baracke.


Welche Geheimnisse erwarten uns in den unterirdischen Gängen des Gebäudes?

Fazit

"Fingerbones" ist nicht weniger als der perfekte Horrortitel dieser Tage. Langsam entfaltet sich vor den Augen des Spielers eine schockierende Hintergrundgeschichte, die von einer großartigen Erzählweise begleitet wird und atmosphärisch gleichermaßen überzeugen kann. Ich freue mich, dass nun auch dieser Erstling die Steam-Aufnahmeprüfung bestanden hat, zumal die Spiele von David Szymanski letztlich doch eine Einheit bilden, die sich niemals auseinanderreißen lässt. So wird sich "A Wolf in Autumn", das nunmehr vierte Projekt aus dem Szymanski-Repertoire, ebenso erwartungsgemäß in diese interaktive "Werkausgabe" einfügen. Als Betatester kann ich das bereits bestätigen.

Samstag, 10. Oktober 2015

Kommerziell: Strangers

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Strangers"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Eleusis
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Rinat Mirzasalikhov
Sprache: Englisch
Jahr: 2015
Download: Nicht mehr möglich!


Allzu textlastig mag das Spiel nicht sein, doch die Ladebildschirme zwischen den einzelnen Kapiteln erinnern uns stets an das geringfügige Geschehen.

Story und Schauplatz
"Die Stadt ist ja soooo langweilig. Was mache ich also? Hm, ich weiß: Ich begebe mich aufs Land, denn da steht doch meine alte Hütte, in der ich ungestört vereinsamen und dem hektischen Leben abschwören kann!" Das müssen die Gedanken unseres Hauptcharakters gewesen sein, der einfach mal abschalten möchte und schon kurz nach seiner Ankunft im bescheidenen Feriendomizil die Anwesenheit unheimlicher Gestalten erahnt. Dabei handelt es sich scheinbar um eine Gruppe von Männern (oder Frauen?), die ihr Gesicht hinter Clownsmasken verbergen. Aus irgendeinem Grund töten sie unschuldige Katzen und Nachbarn, die wir nie zuvor lebendig angetroffen haben. Und wer hätte es gedacht: Zu allem Überfluss haben sie es auch auf uns abgesehen. Die eigentliche Story zusammenzufassen, erweist sich hierbei als besonders schwierig. Das könnte allerdings daran liegen, dass sie überhaupt nicht existiert. Der Spieler kann nur mutmaßen, was es mit diesen mordlustigen Gesellen auf sich hat. Womöglich hat ihr Vorgesetzter, der Herr Zirkusdirektor, bereits eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Aber das wäre schon wieder zu witzig, um wahr zu sein.


Sobald wir das Kaminfeuer entfacht haben, erinnert das Haus selbst an das Gesicht eines Clowns - oder bilde ich mir das nur ein?

Puzzles und Gameplay
Eine Entscheidung, was "Strangers" genau darstellen soll, scheint niemals gefallen zu sein. Als Explorationgame würde es nichts taugen. Diese basieren nämlich in aller Regel auf einer ausgeprägten Hintergrundgeschichte oder werden durch Kunstaspekte angeregt. Außerdem lädt der winzige Schauplatz kaum zum Erkunden ein. Es kommt sogar noch schlimmer: Entfernen wir uns zu weit von Zuhause, verirren wir uns in der Düsternis und werden vollkommen unverhofft von den Clowns ermordet, die offenbar das gesamte Gelände umzingeln. Auf der Hinterseite hingegen stieß ich gegen eine unsichtbare Barriere, obwohl ich gerne zu jenem Gebäude vorgedrungen wäre, das sich nur wenige Meter vor mir befand. Darüber hinaus vermisste ich ein Feature namens Gammakorrektur - oder eine funktionsfähige Taschenlampe als Alternative. In dunklen Ecken verlor ich nämlich rasch die Orientierung, was besonders auf dem Dachboden zu einem katastrophalen Gameplay führte. Dort konnte ich nur durch rastloses Klicken mit der Maus herausfinden, wo sich ein Schraubendreher sowie ein Brecheisen versteckt hielt. Im Prinzip ist "Strangers" ein Adventure, doch von Puzzles zu sprechen, wäre unpassend. Wir lesen die Gedanken unseres Alter Ego vom Bildschirm ab und erhalten auf diese Weise exakte Anweisungen: "I need to kindle the fireplace."; "I need to bring firewood."; "I should carry my clothes upstairs." Ein Inventar müssen wir auch nicht bemühen, da jegliche Aktionen automatisch erfolgen. Und falls unser Held in Schweigen verfallen ist, müsste irgendwo eine von unzähligen Notizen aufzuspüren sein, die unsere Feinde in der Landschaft verstreuen. Dadurch wird uns wenigstens vermittelt, dass es sich bei unseren Gegnern nicht um Analphabeten handelt.


Waffen befinden sich nicht im Haus, Milch hingegen schon. Vielleicht leiden die Clowns an Laktoseintoleranz und lassen sich auf diese Weise bekämpfen?

Musik, Grafik, Atmosphäre
In Punkto Atmosphäre lässt sich wenig bemängeln. Damit hebt sich "Strangers" zwar kaum von anderen 3D-Horroradventures oder Explorationgames ab, die den Markt überschwemmen, aber eine solide Inszenierung in optischer und akustischer Hinsicht lässt sich diesem Titel nicht aberkennen. So belebt die Geräuschkulisse stets das abgeschottete Szenario und die eher monotone Musikuntermalung lässt sich ohnehin bloß als Beiwerk verstehen. Die Grafiken sowie das Charakterdesign lassen sich nicht verachten, solange man die niedrige Preisklasse berücksichtigt. Steam-Fundstücke, die sich zwischen 50 Cent und 3 Euro einpendeln, sind qualitativ meist mit Werken aus der Fanadventureszene vergleichbar.

Hier sehen wir das perfekte Beispiel dafür, wie Rätseldesign NICHT funktioniert.

Fazit
Wie bereitet man ein ansprechendes Horroradventure zu? Man nehme ein paar Gegner, die schaurige Masken tragen, eine einsame Behausung auf dem Lande und zum Abschmecken eine Brise unbehaglicher Dunkelheit. FALSCH! Dieses Rezept trifft meine Geschmacksnerven keineswegs und scheint bei vielen Steam-Usern Magenverstimmungen auszulösen. Sofern nicht einmal der Ansatz einer Geschichte besteht, lässt sich weder Spannung noch Grusel erzeugen. Ich habe mich nur ständig gefragt, was diese Harlekins eigentlich von mir wollen - außer vielleicht ihren allnächtlichen Sado Maso-Trip auszuleben. Folglich würde ich "Strangers" lediglich Leuten empfehlen, die traumatische Erinnerungen mit dem Erscheinen von Clowns verbinden - obwohl das wiederum bedenklich wäre. Allerdings stellt es auch keinen zu großen Verlust dar, wenn man mal 3 Euro in die Trash-Ecke investiert.

Anmerkung
Wenige Tage nach Verfassen dieses Reviews ist "Strangers" aus dem Steam-Shop verschwunden. Folglich kann man es wohl aktuell nicht mehr einkaufen. Dies scheint auf sämtliche Titel des Autors zuzutreffen, sodass ich diese vermutlich niemals testen kann. Schade!

Samstag, 3. Oktober 2015

Freeware: Subway Adventure

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Subway Adventure"?
Genre: Exploration
Vergleichbare Spiele: Tripgate
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: increpare games
Sprache: Englisch (eigentlich stumm!)
Jahr: 2015
Download: Website

Die Metrokarte lässt sich an jeder Station einsehen. Mit ihrer Hilfe dringen wir problemlos in alle Bereiche dieser bizarren Welt vor.

Story und Schauplatz
Wer jemals die Dreamworld of Sadness bereist hat, wird wohl meinen, dass er in seinem Leben bereits alles gesehen hat. Dort tummeln sich nämlich Tapire, Krabben sowie schwebende Fische, die aus eigenem Antrieb in einen Zug einsteigen. Ebenso verhalten sich Einkaufswagen sowie Krankenbetten und wenn die Zeit drängt, begegnet man auch schon mal der personifizierten Wanduhr auf zwei Beinen. In dieser fragwürdigen Metro, deren Existenz wir vermutlich nur während des Schlafes wahrnehmen, herrschen zudem eigenwillige physikalische Gesetze vor. Darüber hinaus zeugen manche Bahnhöfe von einer allzu abstrakten Architektur. So erleben wir bei jedem Zwischenhalt ein neues Abenteuer jenseits unseres Verstandes. Beispielsweise finden wir uns in einem riesigen Supermarkt wieder, wobei sich der Zug in einen gigantischen Einkaufswagen verwandelt. Ein anderer Bahnhof ist allein den Katzen vorbestimmt und wurde nach ihnen benannt - und die Hunde der Dreamworld machen wiederum ihr eigenes Ding. Sofern wir fleißig die Übersichtskarte einstudiert haben, dürfen wir sogar einen Abstecher zum Mond oder zum Saturn unternehmen oder im Maul eines Wals stranden. Gemeinsam ist den zutiefst unterschiedlichen Stationen bloß eine Sache: Sie sind stets an den Schienenverkehr angeschlossen - eine Regelung, die in jener anarchistisch anmutenden Traumwelt immerhin ein Mindestmaß an Ordnung einkehren lässt.

Das Spiel beginnt nicht etwa an der Central Station, sondern vielmehr am Hauptbahnhof. Der deutsche Spieler fühlt sich sofort willkommen.

Puzzles und Gameplay
Meines Wissens besteht keine Möglichkeit, dieses Erkundungsspiel abzuschließen. In Anbetracht der fehlenden Handlung lässt sich das auch verschmerzen. Zur Motivation wird dem Spieler ein simples "Inventar" zur Verfügung gestellt, das aber kein Gepäck umfasst, sondern die besuchten Stationen aufzählt. An jedem der 48 Zielbahnhöfe versteckt sich ein roter Knopf, der meist in unmittelbarer Nähe der Gleise gelegen ist. Aktiviert man diesen, wird das entsprechende Level in unsere Liste eingetragen. Ein Easteregg ermöglicht es zudem, diese Aufstellung automatisch aufzufüllen. Wer sämtliche Ecken der Dreamworld gründlich untersucht, wird auf den geheimnisvollen Raum stoßen, welcher dem Reisenden das Cheaten lehrt. Rätsel werden uns vollkommen erspart. Die sorgfältige Lektüre des Wabenplans weist uns stets den korrekten Weg. So muss gelegentlich auf eine andere Linie umgestiegen werden, wobei diese jeweils an ihrer Farbe zu erkennen sind. Die Navigation bereitet kaum Probleme, doch stecken wir häufig in der Landschaft fest oder werden aus dem Zug gedrängt. Ab und zu versperren uns rücksichtslose Leute, Gegenstände oder sonstige Kreaturen den Zugang zum Gleis. Dabei erweist sich der Respawn-Button (Taste L!) rasch als unser bester Freund. Dieser resettet die jeweilige Szene und lässt uns alles aufs Neue erforschen. Leider hatte mein Computer mit einer Fehlermeldung nach Passieren des Waldes zu kämpfen, sodass ich ausgerechnet "Cats" nie erreichen konnte. Der Saturn hingegen wird auf Windows-Systemen mit einem Blackscreen umgangen, wozu noch kein Bugfix existiert.

Dieser Bahnhof ist sogar wortwörtlich gesehen ziemlich schräg.
Musik, Grafik, Atmosphäre
Das Schönheitsempfinden eines verwöhnten Adventurespielers wird "Subway Adventure" bestenfalls verletzen. Die grobklötzige Unity-Umgebung bietet lediglich Strichmännchen ohne elegante Körperformen ein Zuhause. Wenn ein zurückgewiesener Verliebter seine Rose festhält und diese mit quadratischen Riesentränen bewässert, ist das dennoch ein anrührender Anblick. Die Stärken des Autors liegen natürlich nicht in den Bereichen Grafik und Atmosphäre. Dafür zeugen die individuellen Settings von einer grenzenlosen und ebenso traumartigen Fantasie - und das ist alles, was für dieses Experiment von Bedeutung ist.

Auch der Blumenmarkt erhielt eine eigene Station, wobei die Rosenstände mit witzigen Beschreibungen versehen wurden.

Fazit
"Subway Adventure" mag einige technische Schwächen aufweisen und die grafische Ästhetik unserer Zeit vermissen lassen, wodurch seine Qualitäten aber kaum geschmälert werden. Es handelt sich um die wohl beste Parodie auf den alltäglichen Bahnverkehr, die ich bislang erleben durfte. Außerdem lässt sich in der Ausgestaltung der einzelnen Metrostationen so manche Lebensphilosophie erkennen. Wer sich leidenschaftlich gerne der surrealen Kunst zuwendet, der sollte sich diese kleine Freeware-Perle herunterladen und die bizarren Eindrücke auf sich wirken lassen.