Samstag, 3. Oktober 2015

Freeware: Subway Adventure

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Subway Adventure"?
Genre: Exploration
Vergleichbare Spiele: Tripgate
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: increpare games
Sprache: Englisch (eigentlich stumm!)
Jahr: 2015
Download: Website

Die Metrokarte lässt sich an jeder Station einsehen. Mit ihrer Hilfe dringen wir problemlos in alle Bereiche dieser bizarren Welt vor.

Story und Schauplatz
Wer jemals die Dreamworld of Sadness bereist hat, wird wohl meinen, dass er in seinem Leben bereits alles gesehen hat. Dort tummeln sich nämlich Tapire, Krabben sowie schwebende Fische, die aus eigenem Antrieb in einen Zug einsteigen. Ebenso verhalten sich Einkaufswagen sowie Krankenbetten und wenn die Zeit drängt, begegnet man auch schon mal der personifizierten Wanduhr auf zwei Beinen. In dieser fragwürdigen Metro, deren Existenz wir vermutlich nur während des Schlafes wahrnehmen, herrschen zudem eigenwillige physikalische Gesetze vor. Darüber hinaus zeugen manche Bahnhöfe von einer allzu abstrakten Architektur. So erleben wir bei jedem Zwischenhalt ein neues Abenteuer jenseits unseres Verstandes. Beispielsweise finden wir uns in einem riesigen Supermarkt wieder, wobei sich der Zug in einen gigantischen Einkaufswagen verwandelt. Ein anderer Bahnhof ist allein den Katzen vorbestimmt und wurde nach ihnen benannt - und die Hunde der Dreamworld machen wiederum ihr eigenes Ding. Sofern wir fleißig die Übersichtskarte einstudiert haben, dürfen wir sogar einen Abstecher zum Mond oder zum Saturn unternehmen oder im Maul eines Wals stranden. Gemeinsam ist den zutiefst unterschiedlichen Stationen bloß eine Sache: Sie sind stets an den Schienenverkehr angeschlossen - eine Regelung, die in jener anarchistisch anmutenden Traumwelt immerhin ein Mindestmaß an Ordnung einkehren lässt.

Das Spiel beginnt nicht etwa an der Central Station, sondern vielmehr am Hauptbahnhof. Der deutsche Spieler fühlt sich sofort willkommen.

Puzzles und Gameplay
Meines Wissens besteht keine Möglichkeit, dieses Erkundungsspiel abzuschließen. In Anbetracht der fehlenden Handlung lässt sich das auch verschmerzen. Zur Motivation wird dem Spieler ein simples "Inventar" zur Verfügung gestellt, das aber kein Gepäck umfasst, sondern die besuchten Stationen aufzählt. An jedem der 48 Zielbahnhöfe versteckt sich ein roter Knopf, der meist in unmittelbarer Nähe der Gleise gelegen ist. Aktiviert man diesen, wird das entsprechende Level in unsere Liste eingetragen. Ein Easteregg ermöglicht es zudem, diese Aufstellung automatisch aufzufüllen. Wer sämtliche Ecken der Dreamworld gründlich untersucht, wird auf den geheimnisvollen Raum stoßen, welcher dem Reisenden das Cheaten lehrt. Rätsel werden uns vollkommen erspart. Die sorgfältige Lektüre des Wabenplans weist uns stets den korrekten Weg. So muss gelegentlich auf eine andere Linie umgestiegen werden, wobei diese jeweils an ihrer Farbe zu erkennen sind. Die Navigation bereitet kaum Probleme, doch stecken wir häufig in der Landschaft fest oder werden aus dem Zug gedrängt. Ab und zu versperren uns rücksichtslose Leute, Gegenstände oder sonstige Kreaturen den Zugang zum Gleis. Dabei erweist sich der Respawn-Button (Taste L!) rasch als unser bester Freund. Dieser resettet die jeweilige Szene und lässt uns alles aufs Neue erforschen. Leider hatte mein Computer mit einer Fehlermeldung nach Passieren des Waldes zu kämpfen, sodass ich ausgerechnet "Cats" nie erreichen konnte. Der Saturn hingegen wird auf Windows-Systemen mit einem Blackscreen umgangen, wozu noch kein Bugfix existiert.

Dieser Bahnhof ist sogar wortwörtlich gesehen ziemlich schräg.
Musik, Grafik, Atmosphäre
Das Schönheitsempfinden eines verwöhnten Adventurespielers wird "Subway Adventure" bestenfalls verletzen. Die grobklötzige Unity-Umgebung bietet lediglich Strichmännchen ohne elegante Körperformen ein Zuhause. Wenn ein zurückgewiesener Verliebter seine Rose festhält und diese mit quadratischen Riesentränen bewässert, ist das dennoch ein anrührender Anblick. Die Stärken des Autors liegen natürlich nicht in den Bereichen Grafik und Atmosphäre. Dafür zeugen die individuellen Settings von einer grenzenlosen und ebenso traumartigen Fantasie - und das ist alles, was für dieses Experiment von Bedeutung ist.

Auch der Blumenmarkt erhielt eine eigene Station, wobei die Rosenstände mit witzigen Beschreibungen versehen wurden.

Fazit
"Subway Adventure" mag einige technische Schwächen aufweisen und die grafische Ästhetik unserer Zeit vermissen lassen, wodurch seine Qualitäten aber kaum geschmälert werden. Es handelt sich um die wohl beste Parodie auf den alltäglichen Bahnverkehr, die ich bislang erleben durfte. Außerdem lässt sich in der Ausgestaltung der einzelnen Metrostationen so manche Lebensphilosophie erkennen. Wer sich leidenschaftlich gerne der surrealen Kunst zuwendet, der sollte sich diese kleine Freeware-Perle herunterladen und die bizarren Eindrücke auf sich wirken lassen.

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