Samstag, 10. Oktober 2015

Kommerziell: Strangers

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Strangers"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Eleusis
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Rinat Mirzasalikhov
Sprache: Englisch
Jahr: 2015
Download: Nicht mehr möglich!


Allzu textlastig mag das Spiel nicht sein, doch die Ladebildschirme zwischen den einzelnen Kapiteln erinnern uns stets an das geringfügige Geschehen.

Story und Schauplatz
"Die Stadt ist ja soooo langweilig. Was mache ich also? Hm, ich weiß: Ich begebe mich aufs Land, denn da steht doch meine alte Hütte, in der ich ungestört vereinsamen und dem hektischen Leben abschwören kann!" Das müssen die Gedanken unseres Hauptcharakters gewesen sein, der einfach mal abschalten möchte und schon kurz nach seiner Ankunft im bescheidenen Feriendomizil die Anwesenheit unheimlicher Gestalten erahnt. Dabei handelt es sich scheinbar um eine Gruppe von Männern (oder Frauen?), die ihr Gesicht hinter Clownsmasken verbergen. Aus irgendeinem Grund töten sie unschuldige Katzen und Nachbarn, die wir nie zuvor lebendig angetroffen haben. Und wer hätte es gedacht: Zu allem Überfluss haben sie es auch auf uns abgesehen. Die eigentliche Story zusammenzufassen, erweist sich hierbei als besonders schwierig. Das könnte allerdings daran liegen, dass sie überhaupt nicht existiert. Der Spieler kann nur mutmaßen, was es mit diesen mordlustigen Gesellen auf sich hat. Womöglich hat ihr Vorgesetzter, der Herr Zirkusdirektor, bereits eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Aber das wäre schon wieder zu witzig, um wahr zu sein.


Sobald wir das Kaminfeuer entfacht haben, erinnert das Haus selbst an das Gesicht eines Clowns - oder bilde ich mir das nur ein?

Puzzles und Gameplay
Eine Entscheidung, was "Strangers" genau darstellen soll, scheint niemals gefallen zu sein. Als Explorationgame würde es nichts taugen. Diese basieren nämlich in aller Regel auf einer ausgeprägten Hintergrundgeschichte oder werden durch Kunstaspekte angeregt. Außerdem lädt der winzige Schauplatz kaum zum Erkunden ein. Es kommt sogar noch schlimmer: Entfernen wir uns zu weit von Zuhause, verirren wir uns in der Düsternis und werden vollkommen unverhofft von den Clowns ermordet, die offenbar das gesamte Gelände umzingeln. Auf der Hinterseite hingegen stieß ich gegen eine unsichtbare Barriere, obwohl ich gerne zu jenem Gebäude vorgedrungen wäre, das sich nur wenige Meter vor mir befand. Darüber hinaus vermisste ich ein Feature namens Gammakorrektur - oder eine funktionsfähige Taschenlampe als Alternative. In dunklen Ecken verlor ich nämlich rasch die Orientierung, was besonders auf dem Dachboden zu einem katastrophalen Gameplay führte. Dort konnte ich nur durch rastloses Klicken mit der Maus herausfinden, wo sich ein Schraubendreher sowie ein Brecheisen versteckt hielt. Im Prinzip ist "Strangers" ein Adventure, doch von Puzzles zu sprechen, wäre unpassend. Wir lesen die Gedanken unseres Alter Ego vom Bildschirm ab und erhalten auf diese Weise exakte Anweisungen: "I need to kindle the fireplace."; "I need to bring firewood."; "I should carry my clothes upstairs." Ein Inventar müssen wir auch nicht bemühen, da jegliche Aktionen automatisch erfolgen. Und falls unser Held in Schweigen verfallen ist, müsste irgendwo eine von unzähligen Notizen aufzuspüren sein, die unsere Feinde in der Landschaft verstreuen. Dadurch wird uns wenigstens vermittelt, dass es sich bei unseren Gegnern nicht um Analphabeten handelt.


Waffen befinden sich nicht im Haus, Milch hingegen schon. Vielleicht leiden die Clowns an Laktoseintoleranz und lassen sich auf diese Weise bekämpfen?

Musik, Grafik, Atmosphäre
In Punkto Atmosphäre lässt sich wenig bemängeln. Damit hebt sich "Strangers" zwar kaum von anderen 3D-Horroradventures oder Explorationgames ab, die den Markt überschwemmen, aber eine solide Inszenierung in optischer und akustischer Hinsicht lässt sich diesem Titel nicht aberkennen. So belebt die Geräuschkulisse stets das abgeschottete Szenario und die eher monotone Musikuntermalung lässt sich ohnehin bloß als Beiwerk verstehen. Die Grafiken sowie das Charakterdesign lassen sich nicht verachten, solange man die niedrige Preisklasse berücksichtigt. Steam-Fundstücke, die sich zwischen 50 Cent und 3 Euro einpendeln, sind qualitativ meist mit Werken aus der Fanadventureszene vergleichbar.

Hier sehen wir das perfekte Beispiel dafür, wie Rätseldesign NICHT funktioniert.

Fazit
Wie bereitet man ein ansprechendes Horroradventure zu? Man nehme ein paar Gegner, die schaurige Masken tragen, eine einsame Behausung auf dem Lande und zum Abschmecken eine Brise unbehaglicher Dunkelheit. FALSCH! Dieses Rezept trifft meine Geschmacksnerven keineswegs und scheint bei vielen Steam-Usern Magenverstimmungen auszulösen. Sofern nicht einmal der Ansatz einer Geschichte besteht, lässt sich weder Spannung noch Grusel erzeugen. Ich habe mich nur ständig gefragt, was diese Harlekins eigentlich von mir wollen - außer vielleicht ihren allnächtlichen Sado Maso-Trip auszuleben. Folglich würde ich "Strangers" lediglich Leuten empfehlen, die traumatische Erinnerungen mit dem Erscheinen von Clowns verbinden - obwohl das wiederum bedenklich wäre. Allerdings stellt es auch keinen zu großen Verlust dar, wenn man mal 3 Euro in die Trash-Ecke investiert.

Anmerkung
Wenige Tage nach Verfassen dieses Reviews ist "Strangers" aus dem Steam-Shop verschwunden. Folglich kann man es wohl aktuell nicht mehr einkaufen. Dies scheint auf sämtliche Titel des Autors zuzutreffen, sodass ich diese vermutlich niemals testen kann. Schade!

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