Samstag, 21. November 2015

Freeware: Space Trek - The Final Generation

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Space Trek - The Final Generation"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Mission Supernova, Dream Zone
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Sky-Arts
Sprache: Deutsch
Jahr: 1994
Download: Website (ursprünglich als Shareware vertrieben, inzwischen vom Entwickler als Freeware zur Verfügung gestellt!)


Eine Toilette war als fester Bestandteil des Transporterraums längst überfällig. Schließlich reagieren viele Lebewesen mit Übelkeit auf die Zersetzung ihres Körpers in seine Moleküle.

Story und Schauplatz
Der Weltraum - unendliche Weiten... Wir schreiben das Jahr 1994. Dies ist das Abenteuer des Raumschiffs NCC Furunkel, das unter dem Kommando von Rusty T. Rob unterwegs ist, um merkwürdige Aufträge anzunehmen. So erhält unser Protagonist einen Funkspruch, der vor einer Bedrohung der Menschheit warnt. Bevor wir uns dem kugelrunden Flugkörper nähern können, der sich bereits auf Kuschelkurs mit der Erde befindet und der gefräßigen Hauptfigur aus einem Videospieleklassiker ähnelt, sind aber noch diverse Alltagsprobleme zu bewältigen. Unser Mechaniker berichtet, dass die Furunkel wieder einmal flugunfähig ist, sodass wir ihm persönlich die notwendigen Ersatzteile liefern müssen. Ansonsten müssten wir ja warten, bis das zweite und vermutlich einzige humanoide Crewmitglied seine Mittagspause beendet hat. Später begeben wir uns zum Heimatplaneten von Herrn Spack, um die zur Erfüllung unserer Mission erforderlichen Koordinaten zu erbeten. Doch da bloß das Überleben der menschlichen Rasse im Vordergrund steht, bleibt dem besonnenen Vulkanier ausreichend Zeit, um Ansprüche zu stellen - zumal er längst nach einem kostspieligen Thunfischburger lechzt. Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich bei "Space Trek" um eine äußerst alberne Star Trek-Parodie, die letztlich wohl eher "Mel Brooks’ Spaceballs" nacheifert. So hat sich Produzent Sky-Arts vorwiegend auf populäre Werke der Science Fiction eingeschossen, wobei auch das Star Wars-Franchise keineswegs unberührt bleibt. Da uns eine ungemein minimalistisch ausgearbeitete Hintergrundgeschichte serviert wurde, entwickelt sich leider auch kein rasantes Gagfeuerwerk - obgleich dies mit 30-60 Minuten zusätzlicher Spielzeit durchaus denkbar gewesen wäre. Auch das Potential der Schauplätze wäre ausbaufähig gewesen. Wir verlassen niemals freiwillig die schützenden Räumlichkeiten der Furunkel und dürfen uns nicht ein einziges Mal auf die Oberfläche eines Planeten beamen lassen. Am Ende werden wir uns jedoch in einer Gefängniszelle im Inneren des Death-Pacs wiederfinden, der als Karikatur des Todessterns zu verstehen ist.


Das Restaurant am Ende des Universums? Na dann macht's gut und danke für den Fisch!

Puzzles und Gameplay
In den 90er Jahren ereignete es sich gelegentlich noch, dass selbst 1st person-Adventures mit der klassischen Verbensteuerung früherer Lucas Arts-Titel ausgestattet wurden - so auch bei "Space Trek". Dort stehen uns sechs gut überschaubare Befehle zur Auswahl: Nimm, Benutze, Benutze mit, Rede mit, Schau und Gehe. Darunter verstecken sich sieben freie Inventar-Slots, die im Verlauf des Abenteuers mit Items aufgefüllt werden. Tatsächlich werden wir nie mehr als sieben Gegenstände gleichzeitig mit uns herumtragen, sodass sich an dieser Anordnung nichts bemängeln lässt. Damit ist die Steuerung erklärt. Sie zeigt sich nostalgisch, ohne Benutzerkomfort vermissen zu lassen. "Space Trek" basiert komplett auf Inventarrätseln, die für einigermaßen erfahrene Adventurespieler aber keine Hindernisse darstellen. Da wir stets den Kontakt zu Nebencharakteren suchen, müssen wir uns zudem durch simpel gestaltete Multiple Choice-Dialoge klicken. Durch diese erfährt man in der Regel schon ziemlich genau, was zu tun ist. Manchmal darf zwar noch das eigene Gehirn angestrengt werden, doch kein einziges Rätsel dürfte uns länger als fünf Minuten aufhalten. Freude bereitet es dem eingefleischten Star Trek-Fan trotzdem, wenn er etwa einen Beutel mit Münzen zum Fischrestaurant hinunterbeamen muss und sich im Gegenzug vor seinen Augen ein Thunfischburger materialisiert.


Die meisten Vulkanier sind Vegetarier. Dieser hingegen mag Thunfisch.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Die Grafik mag gegen die Gesetze gesunder Ästhetik verstoßen, was zumindest keinen wahren Retro-Befürworter abschrecken wird. Ich habe vor allem an den schrillen Farben und dem hohen Detailreichtum Gefallen gefunden. Die meist in Nahansicht eingeblendeten Charaktere wurden sehr überspitzt gezeichnet, was sich im Rahmen dieser Satire-Veranstaltung als passendes Stilmittel entpuppt. Außerdem wurde nicht an Animationen gegeizt. Sobald eine Maschine gestartet wird, tritt eine effektvolle Lichterkette in Kraft, die von einer angemessenen Geräuschkulisse begleitet wird. Statische Darstellungen wurden also stets vermieden. Aus musikalischer Sicht zog mich "Space Trek" sofort in seinen Bann, denn der Soundtrack ist für damalige Verhältnisse wunderbar geglückt und fügt sich gut in das Weltraum-Thema ein. Wenn man im Setup den Soundblaster einstellt, wird man zudem mit Sprachausgabe belohnt, obgleich es scheinbar nur einen einzigen Sprecher gab. Von einer Meisterleistung ist die besagte Synchronisation ohnehin weit entfernt.


In dieser Gefängniszelle ist ein Tribble versteckt. Schon entdeckt?

Fazit
"Space Trek" zeugt von einem schrägen sowie trashigen Humor, der niemals das Niveau hochwertiger Genre-Persiflagen wie Spaceballs oder Space Quest erreicht. Als langjähriger Trekkie habe ich es dennoch sehr genossen. Besonders die kreativen Einfälle in Punkto Rätseldesign und die damit verbundenen Botenflüge sorgen für manchen Lacher. Darüber hinaus müssen wir keine Englischkenntnisse bemühen, da es sich um das Produkt eines deutschsprachigen Entwicklers handelt. Freundlicherweise hat dieser das Adenture inzwischen zur freien Verfügbarkeit bereitgestellt, sodass es zukünftig nicht mehr als traurige Rarität kursieren muss.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen