Samstag, 7. November 2015

Kommerziell: Mind - Path to Thalamus

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Mind - Path to Thalamus"?
Genre: Exploration-Puzzlegame, Interactice Storytelling
Vergleichbare Spiele: Dream, Trauma
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Carlos Coronado
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch, etc.
Jahr: 2014
Download: Steam --- GOG

Wird der Orkan unserem Protagonisten die Tochter stehlen oder können wir die Katastrophe noch verhindern?

Story und Schauplatz
Das grauenhafte Ereignis wiederholt sich vor unserem inneren Auge: Ein unzähmbarer Orkan sucht ein südländisches Küstenstädtchen heim und die dort ansässigen Menschen scheinen der Naturkatastrophe hilflos ausgeliefert zu sein. Unser Fokus richtet sich aber keinesfalls auf die Einwohner des Ortes. Vielmehr konzentrieren wir uns auf ein einziges tragisches Schicksal, nämlich das eines verzweifelten Mannes, welcher vergeblich versucht, seine kleine Tochter vor ihrem Elend zu bewahren. All dies geschieht jedoch nur in seinem Kopf, in dem wir bis zum Ende des Spiels verweilen werden. Nach dieser vermeintlichen Erinnerungsepisode werden wir uns zunehmend aus der Welt, wie wir sie kennen, zurückziehen. Fortan begleiten wir unseren Alter Ego durch vollkommen surreale Landschaften und folgen dem Pfad zum Thalamus, einem gewaltigen Baum im eigenen Zwischenhirn. Wird er letztlich einen Ausweg aus der verworrenen Traumwelt finden? Wird er aus seinem Koma erwachen und zur Realität zurückkehren?

Mithilfe der Portale sowie durch geschickten Umgang mit der Schwerkraft können wir uns den Weg über die schwebenden Felsen bahnen.

Puzzles und Gameplay
Entwickler Carlos Coronado wirbt mit einem innovativen Gameplay. So ist "Mind - Path to Thalamus" kein klassisches Adventure. Es setzt auf Puzzles mit Arcarde-Einflüssen. Das mag heutzutage den Geschmack vieler Spieler treffen, mich hingegen ermüdet es lediglich. In der Regel stöbern wir leuchtende Bälle auf, die den Tag- und Nachtrhythmus sowie den Wechsel der Jahreszeiten steuern. Hierzu müssen diese etwa auf einer Ebene platziert werden, die von einer Gruppe nackter Bäume umgeben ist. Das klingt an sich nicht besonders fordernd - wären da nicht die lästigen Strapazen, die man bei solchen Aktionen erdulden muss. So schleppte ich die Kugel über weite Strecken zum Ziel, wobei sie ständig meinem virtuellen Griff entglitt. Im schlimmsten Fall rollte sie dann die Klippe hinunter oder versank in einem Bach. Daraufhin wurde mein kugelförmiger Freund an seine Startposition zurückversetzt und so musste ich den ganzen Ärger erneut durchleiden. Auch selbst bleiben wir nicht vor Abstürzen oder dem Ertrinken verschont. Natürlich kann man innerhalb des eigenen Verstandes nicht sterben, sodass wir das Level automatisch von vorne beginnen dürfen. Letztlich sind wir aber von unserem spielerischen Geschick abhängig. Sprinten und Springen sind an der Tagesordnung und dabei sollte man treffsicher agieren. Meine Begabung in dieser Hinsicht hält sich in Grenzen, sodass ich oft unzählige Anläufe meistern musste. Dies schadet dem Spielprinzip zudem ungemein, da das Thema eher nach einem entspannten und weniger actionlastigen Gameplay verlangt. Meine Motivation kam rasch abhanden und so begann ich, dieses Werk als reine Qual zu empfinden. Die Option, dass sämtliche Abschnitte nach Belieben ausgewählt werden können, wirkt somit fast schon wie eine vorsorglich integrierte Entschädigung für verbitterte Spieler.


Von diesen transparenten Bällen geht eine gigantische Macht aus. Außerdem vermiesen sie uns endgültig das Gameplay.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Faszinierend und doch so eintönig: In "Mind - Path to Thalamus" bewegen wir uns durch eine 3D-Umgebung, die uns unmittelbar in ihren Bann zieht. Wir bestreiten weitläufige Höhlensysteme sowie nebelige Schluchten und werden in einsame Wälder verschlagen. Darüber hinaus müssen wir häufig durch das kristallklare Wasser waten und dabei die Ruinen uralter Bauten erklimmen. Enttäuschend ist dabei vor allem die Tatsache, dass die Szenarien einander zu stark ähneln. Irgendwann erschien das Leveldesign ebenso uninspiriert wie das soeben beschriebene Gameplay. Und das ist wirklich schade, zumal die dargestellte Traumwelt anfangs so originell und unerreicht anmutete. Ferner verfügt das Spiel über eine ausgezeichnete Geräuschkulisse und wartet mit einer unbeschreiblichen Atmosphäre auf, die das fulminante Innenleben unseres Helden bemerkenswert unterstreicht. Auch die Titelmelodie erweist sich als stimmungsvolles Erkennungsmerkmal, wobei innerhalb einzelner Kapitel selten Wert auf die Präsenz von Musik gelegt wurde.


Die Sanduhr steht still, der Sandstrand ebenso. Die ehemals tobenden Wellen zeigen keine Regung mehr.

Fazit
Nach dem eindrucksvollen Prolog dauerte es nicht lange, bis meine hohe Erwartungshaltung mit der Ernüchterung kollidierte. "Mind" startet mit der ruhigen Mentalität eines Walkingsimulators, was sich schon bald als traurige Mogelpackung entpuppt. Im Endeffekt nämlich entfernt sich das Spiel deutlich aus dem Adventure-Bereich und investiert in Elemente, die man eher bei einem schlechten "Portal"-Verschnitt erwartet hätte. Leider bin ich der Genialität eines "Portal" hier nicht annähernd begegnet. Der enorme Frustfaktor sowie das dringende Bedürfnis des Autors, einen zynischen, aber kaum imposanten Endgegner einzubauen, nehmen dem Werk jede Spur von Seriosität. Darüber hinaus begannen mich die Monologe des Protagonisten allmählich ebenso zu ermatten wie die Stationen jener Seelenreise, denen es trotz aller Schönheit an Abwechslung mangelte. Die Erzählweise konnte mich überhaupt nicht mitreißen und so komme ich nicht umhin, einen Vergleich zu Master Reboot zu ziehen, wo das gigantische Potential auf ähnliche Weise verschwendet wurde. Eine zu strenge Einschätzung? Vielleicht! Immerhin wurde das Spiel von zahlreichen Leuten als Meilenstein bezeichnet. Und wer sich mit den geschilderten Gameplay-Prinzipien anfreunden kann, ist mit "Mind - Path to Thalamus" sicher wesentlich besser bedient als meine Wenigkeit.

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