Samstag, 14. November 2015

Kommerziell: The Park

Allgemeine Grundlagen: Was ist "The Park"?
Genre: Exploration, Interactice Storytelling
Vergleichbare Spiele: Gone Home, Die Seacliff-Tragödie
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Funcom
Sprache: Englisch
Jahr: 2015
Download: Steam --- Humble Store

Lorraine muss Callums Teddy finden, doch allmählich bricht die Nacht über dem Freizeitpark heran.

Story und Schauplatz
Nach wie vor verweilt Lorraines Wagen vor den geschlossenen Pforten des Atlantic Island-Vergnügungsparks. Callum hat sich bereits auf der Rückbank niedergelassen, vermisst allerdings noch seinen Teddybären. Mit starkem Widerwillen begibt sich Lorraine auf die Suche nach dem verlorenen Stofftier. Kaum hat sie sich jedoch auf ein Gespräch mit dem Pförtner eingelassen, entzieht sich ihr Sohn der mütterlichen Kontrolle und stürmt kurzerhand auf das Parkgelände. Von nun an folgt Lorraine den Spuren ihres entflohenen Kindes, welche sich zunehmend in der Dunkelheit verlieren. Dabei erhalten wir Einblick in die Gedankenwelt unserer Protagonistin, die sich scheinbar selbst nicht unbedingt als fürsorgliche Mutter wahrnimmt.


Die Fahrgeschäfte erweisen sich als willkommene Abwechslung zum ewigen Fußmarsch durch den Park.

Puzzles und Gameplay
"The Park" ist ein Walking-Simulator in Reinkultur. So navigieren wir Lorraine durch das riesige Terrain, ohne dass wir auch nur im Ansatz unseren Verstand bemühen müssen. Stattdessen dürfen wir uns der Lektüre zahlreicher Dokumente widmen. An nahezu jeder zweiten Ecke finden wir Zeitungsartikel oder geheimnisvolle Briefe vor, die auf merkwürdige Vorkommnisse innerhalb des Parks aufmerksam machen. Wer sich gründlich nach derartigen Schriftstücken umsieht und nicht zu nachlässig agiert, der vermag sich im Kopf vielleicht schon einiges zusammenzureimen. Falls man hierfür keine Geduld aufbringt und alternativ einen Speedrun unternehmen möchte, können sämtliche Abweichungen vom offensichtlichen Lösungsweg übergangen werden. Diese Maßnahme erachte ich jedoch als sinnlos, da man sich damit wichtige Storybestandteile vorenthält. Zudem dürfen wir mit dem Schwanenboot durch den Märchentunnel schippern oder schwindelerregende Fahrten mit Riesenrad oder Achterbahn bewältigen. Die Auskostung dieser Attraktionen scheint ebenfalls meist freiwillig, doch gilt hier dieselbe Warnung wie zuvor. Darüber hinaus lässt man sich hochkarätige Horrorsequenzen entgehen. Gesteuert wird "The Park" mit der gewohnten WASD-Tastenkombination sowie mit der Maus. Während wir mit der linken Maustaste interagieren, steht uns die rechte Maustaste zur Kontaktaufnahme mit Callum zur Verfügung. Damit stößt Lorraine besorgte Laute aus und wir bangen stets darum, noch eine Antwort des Jungen zu erhaschen.


Im Verlauf dieser Achterbahnfahrt ereignen sich unheimliche Dinge. Leidet Lorraine an Halluzinationen?


Musik, Grafik, Atmosphäre
Es bleibt zu erwähnen, dass "The Park" im Universum von "The Secret World" angesiedelt ist, wo man den furchterregenden Atlantic Island-Park bereits zuvor besuchen konnte. Der Unterschied ist, dass man anno 2012 Gegner bekämpfen und das eigene Überleben sichern musste. Nach der hier erfolgten Reaktivierung des Schauplatzes bleiben wir von solcher Hektik verschont und gehen unser Abenteuer wesentlich entspannter an. Zumindest können wir nicht mehr von Feinden getötet werden. Dennoch ziehen die Produzenten jedes Register, um uns das Fürchten zu lehren - häufig in subtiler Ausführung, aber manchmal auch etwas expliziter, sodass auf den Einsatz von Schockmomenten und blutrünstigen Darstellungen nicht verzichtet wurde. Im Rahmen dieser tiefgründigen Erzählweise mutet allerdings keines dieser Elemente wirklich plump an. Geschickt wird die dichte Geräuschkulisse mit unbehaglichen Klängen sowie traditioneller Jahrmarktmusik vermischt, die sich bereits aus der Ferne ankündigt, sobald wir uns einem Fahrgeschäft nähern. Außerdem runden die hübschen Grafiken das Gesamtbild ab und werden der bedrückenden Atmosphäre absolut gerecht. Die englischen Sprecher können sich behaupten, wobei sich die Synchronisation hauptsächlich auf Lorraine konzentriert.


Bei diesen Pappfiguren handelt es sich um hinterhältige Gesellen, die schon mal unverhofft umfallen.

Fazit
Die Erweiterung des "The Secret World"-Franchises zieht zwangsläufig hohe Erwartungen nach sich. Schließlich wurde das besagte Rollenspiel von Ragnar Tørnquist ins Leben gerufen, dessen Einfluss auf die Adventure-Historie nicht zu verleugnen ist. Mit "The Longest Journey" und "Dreamfall" bewies er sein Talent, beachtenswerte Geschichten zu erzählen und faszinierende Spieluniversen zu erschaffen. Doch die Zeiten haben sich geändert und Tørnquist leitet heute seine eigene Spieleschmiede. Folglich kann sein Name auch nicht mit "The Park" in Verbindung gebracht werden - von der Entwicklung der Ursprungsidee einmal abgesehen. Da sich meine Kenntnisse in Bezug auf "The Secret World" in Grenzen halten, nahm ich Funcoms jüngsten Streich als unabhängiges Explorationgame wahr, das eine ausgezeichnete Gruselstimmung vermittelt. Letzten Endes entpuppt sich der nächtliche Spaziergang durch den Freizeitpark als eine düstere Seelenreise mit schockierendem Ausgang. Zwar mag das Spiel im eigentlichen Sinne keine Rätsel beinhalten, doch lässt sich die Handlung als einziges großes Rätsel empfinden, das ordentlich zum Mitdenken anregt - sofern man sich nicht schlichtweg überraschen lassen möchte. Gerne dürfen die Norweger diesen neuen Pfad zukünftig beibehalten.

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