Samstag, 19. Dezember 2015

Werbespiel: Die geheimen Memoiren des Howard Carter

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Die geheimen Memoiren des Howard Carter"?
Alternativer Titel: Die Geheimchroniken des Howard Carter
Genre: Klassisches Adventure, Episodenformat (1 Episode erschienen)
Vergleichbare Spiele: Die goldene Mähne des Samson, Yucatan
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Pirat Art Studio
Sprache: Deutsch
Jahr: 1995
Download: Werbespielarchiv

Diese kleinen Gehversuche in 3D können getrost ignoriert werden. Sie stellen nämlich keinen Mehrwert dar.

Story und Schauplatz
Wir schreiben das Jahr 1907. Der tüchtige Archäologe Howard, der sich auf ägyptische Grabschätze spezialisiert hat, stattet seinem alten Freund Horatio Neuenblatt einen Besuch ab. Besagte Begegnung erfolgt im Institut für Altersforschung, das sich im Herzen des Ruhrgebiets befindet - im damals noch altertümlichen Essen. Das Interesse unseres Protagonisten gilt jedoch weniger dem vorzüglichen Scotch, den ihm der Direktor des Hauses spendiert, als vielmehr den Hinterlassenschaften der Tempelritter. So torkeln die beiden angeheiterten Wissenschaftler dem Restaurationszimmer entgegen und müssen dort mit Ernüchterung feststellen, dass die jüngst eingetroffenen Reliquien nicht mehr vollständig beisammen liegen. So verkündet Neuenblatt fassungslos, dass die Sterbeschrift des Pietro Armendari entwendet wurde. Während der Doktor in einer Schreckstarre zu verweilen scheint, muss unser Held also die Initiative ergreifen. So schlüpfen wir in die Rolle des berühmten Ägyptologen Howard Carter, befassen uns fortan mit antiken Schwertern und Dokumenten und treten schließlich eine überstürzte Reise nach Genua an.


Eine leicht skurrile Situation: Horatio Neuenblatt trifft Howard in einem düsteren Kämmerchen, um ihm sein riesiges Schwert vorzuführen.

Puzzles und Gameplay
Das Gameplay basiert ebenso auf durchaus logischen sowie äußerst merkwürdigen Rätseln. Einige Passagen konnte ich nur im Try and Error-Verfahren bewältigen. Außerdem verfügt das Spiel über eine bizarre Teleport-Funktion (Hierzu rechts die Symbole anklicken!), die uns zwischen sämtlichen Szenenbildern in Genua und Essen wechseln lässt - obgleich diese Orte zu zwei voneinander unabhängigen Abschnitten zählen. Ob es sich dabei um einen Cheat handeln soll oder schlichtweg um einen Programmierfehler, kann uns wohl allein das Entwicklerteam verraten. Die Navigation erfolgt über ein Kompass-System, das den Klassikern von Legend Entertainment nachempfunden sein könnte. Allerdings stehen uns nie mehr als zwei Himmelsrichtungen offen, da die Areale stets knapp bemessen sind. Ähnlich verhält es sich mit den Konversationspartnern.


Die Bibliothek scheint riesig, wurde aber auf ein einziges Szenenbild beschränkt.


Musik, Grafik, Atmosphäre
Insgesamt muten die "geheimen Memoiren" wie ein interaktives Comicbuch an, was nicht zuletzt den statischen Ansichten zu verdanken ist. Charaktere zeigen keine Regung und Zwischensequenzen wurden meist in Form illustrierter Texteinblendungen umgesetzt. Mit ausschweifenden Schilderungen wurde somit nicht gegeizt, wohingegen die sonstigen Elemente umso mehr vernachlässigt wurden. Zumindest liegt den Intermezzi ein gelungener Schreibstil zugrunde und auch die Qualität der Zeichnungen lässt sich nicht leugnen - kein Wunder aber, da das Projekt von einem deutschsprachigen Comicautor namens Mathias Neumann (Tikwa) begründet wurde. Musik wurde eher sparsam angewandt, wenngleich sie sich recht solide ins Thema einfügt. Dennoch erschien mir dieses mystische Standardgeträller ziemlich abgedroschen.


Falls euch das Review zu knapp bemessen war, dürft ihr euch gerne noch den Text auf dem Screenshot durchlesen.

Episode 1: Der Fluch des Chaluul
Ursprünglich als Begleitprodukt der Computerzeitschrift "PC Spiel" veröffentlicht, sollte das Adventure lediglich als kleiner Prolog einer fortlaufenden Serie fungieren. Dieses Ansinnen wurde dann allerdings wieder verworfen, sodass die Geschichte um die "geheimen Memoiren" niemals abgeschlossen wurde.

Fazit
In gewissem Maße lässt sich sogar etwas Potential erkennen, das sich vielleicht erst bei fortschreitender Handlung entfaltet hätte. Das werden wir jedoch nicht mehr erfahren und so bleibt uns das Spiel bloß dröge und unausgegoren in Erinnerung. Trotz interessanter Ansätze kommt niemals Spannung auf und auch der kümmerliche Cliffhanger stimmt mich nicht traurig darüber, dass die Vollendung dieses Werks gescheitert ist.

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