Samstag, 20. Februar 2016

Kommerziell: The Labyrinth of Time

Allgemeine Grundlagen: Was ist "The Labyrinth of Time"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Sirius-Trilogie, Shivers
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Terra Nova Development
Sprache: Englisch
Jahr: 1993
Download: Steam -- GOG --- Wyrmkeep

Auf den ersten Blick scheint der Weg zum schwebenden Palast unüberwindbar, doch der Eindruck trügt.

Story und Schauplatz
Daidalos war einst ein begabter Architekt am Hofe von König Minos und zugleich dessen Marionette. So gipfelten die finsteren Pläne seines größenwahnsinnigen Gebieters im Bau eines Labyrinths unbeschreiblichen Ausmaßes - eine Meisterleistung, der allein Daidalos gewachsen schien. Leider sollte diese nicht bloß als Spielzeug eines gelangweilten Herrschers fungieren, sondern vielmehr der Unterwerfung des gesamten Universums dienen. Die Gänge des besagten Labyrinths münden nämlich in die unterschiedlichsten Zeitalter der menschlichen Historie, sodass Minos sich unbeschränkte Macht einverleiben und alle vergänglichen Lebensformen dominieren könnte. Eines Tages jedoch gelingt es Daidalos, einen Sterblichen aus der irdischen Welt zu entführen, um diesen zu einer bedeutsamen Heldentat anzuspornen. Er bittet unseren Protagonisten darum, sein eigenes Lebenswerk zu vernichten und Minos somit das Handwerk zu legen. Fortan durchstreifen wir also äußerst abwechslungsreiche Irrgärten, die sich zwischen Zeit und Raum erstrecken. Wie mancher Leser schon bemerkt haben dürfte, weist die Hintergrundgeschichte deutliche Parallelen zur griechischen Mythologie auf. Jene Legenden des Altertums wurden allerdings gekonnt eingesetzt, um ein episch anmutendes Grafikadventure zu erschaffen.


Im Spiegel-Labyrinth verbirgt sich unter anderem ein merkwürdiger Clown.

Puzzles und Gameplay
Obgleich das Interface zunächst umständlich wirkt, erfüllt es lediglich wesentliche Funktionen und bietet zudem eine gute Nutzerfreundlichkeit. Anstelle von Verben wurden leicht begreifbare Symbole integriert, die dem Betrachten, Einsammeln oder Bewegen von Gegenständen dienen oder das Öffnen und Schließen von Türen ermöglichen. Mit Klick auf das Säckchen wird das Inventar aufgerufen, welches jedes einzelne Fundstück in Nahansicht darstellt. Die Navigation erfolgt durch sofort ersichtliche Richtungspfeile und kann mit den Pfeiltasten auf der Tastatur zusätzlich beschleunigt werden. So huscht man in blitzartiger Geschwindigkeit durch über 1800 Szenenbilder, sofern man sämtliche Perspektiven berücksichtigt. Ähnlich wie bei "Shivers" aus dem Hause Sierra kann man sich pro Minute durch unzählige Räume klicken, ohne dass Schritte simuliert oder sonstige Verzögerungen verursacht werden. Darüber hinaus dokumentiert unser Alter Ego den Fortschritt innerhalb eines Labyrinths automatisch, sodass wir niemals selbst einen Stift zur Hand nehmen müssen. Bereits erschlossene Areale werden auf einer Orientierungskarte ergänzt, welche wir nach Belieben konsultieren können. Nur in einem einzigen, besonders surrealen Irrgarten wird uns diese Option verweigert. Da ich wahrlich kein Verfechter von Labyrinthen in Adventurespielen bin, hat mir diese Service-Funktion die anfängliche Panik vor diesem Klassiker genommen. Der Schwierigkeitsgrad von "The Labyrinth of Time" vermag geübte Adventure-Spieler eventuell zu enttäuschen. Meist gilt es, Inventarrätsel zu absolvieren und gelegentlich muss eine Kombination aufgespürt oder ein simples Schieberätsel bewältigt werden. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir Informationen sammeln und Hinweise befolgen. So bleibt auch die Lektüre des obligatorischen Tagebuchs nicht aus.

Diese herabfallenden Steinbrocken sind mit Vorsicht zu genießen.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Das grafische Design von "The Labyrinth of Time" ist bewundernswert. So lässt uns die majestätische Architektur diverser Räume vor Ehrfurcht erstarren und die Allgegenwart des schwebenden Palastes kann dieses Gefühl noch verstärken. Ich konnte mich in dieser fremdartigen sowie irrealen Welt verlieren, als würde ich durch ein riesiges Gemälde spazieren. Die statische Darstellung der Szenenbilder entpuppt sich somit vielmehr als ein einwandfreies Stilmittel, sodass ich mich nicht daran zu stören vermochte. So manche Regung lässt sich dann aber doch vernehmen, etwa durch herabfallende Felsbrocken oberhalb einer verwaisten Straße. Zudem wurde unser Mentor Daidalos, der einzig sichtbare Charakter im Spiel, als 3D-Figur modelliert. Die gelungene Atmosphäre wird uns durch heroische Klänge versüßt, die uns durch sämtliche Labyrinthe begleiten. Jener imposante Soundtrack könnte aus einem Film-Epos stammen und fügt sich damit ideal ins Gesamtbild ein.


Einen solchen Irrgarten kennt vielleicht mancher Spieler schon aus der Realität.

Fazit
Die Freude über unseren Sieg wird leider durch ein mehr oder minder offenes Ende geschmälert. Unsere Mission ist zwar vollbracht, doch das Schicksal des Protagonisten bleibt bisweilen ungewiss. Trost spendet da bloß der Titel einer geplanten Fortsetzung, auf deren Erscheinen man anno 1993 noch ernsthaft zu spekulieren vermochte. Letztlich dürfte der Plan wohl daran gescheitert sein, dass "The Labyrinth of Time" niemals zum Publikumsmagneten avancieren konnte. Schade eigentlich! "The Labyrinth II: Lost in the Land of Dreams" hätte seinen Vorgänger durchaus in den Schatten stellen können, obgleich dieser selbst aus heutiger Sicht unverbraucht wirkt. Wer sich gerne dem klassischen 1st person-Adventure widmet und ein Faible für surreale Traumwelten hegt, sollte "The Labyrinth of Time" unbedingt gespielt haben.

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