Samstag, 1. April 2017

Freeware: Reales Leben

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Reales Leben"?
Genre: Exploration, Interactive Storytelling
Vergleichbare Spiele: The Oracle, Carol Reed 1
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Unbekannt
Sprache: Deutsch, Englisch u.a.
Jahr: Unbekannt
Download: offline abrufbar

Eine Stadt.

Story und Schauplatz

Der Frühling ist angebrochen! Soeben haben wir uns noch einem spannenden Adventure aus der Ego-Perspektive gewidmet, dann reißt uns das einfallende Sonnenlicht aus unserem festgefahrenen Winter-Rhythmus. Kurzerhand schließen wir unseren Steam-Account sowie die offenen Browser-Tabs: Die Welt der 1st person-Adventures, der Adventure-Treff und weitere tolle wie nützliche Internetseiten müssen heute mal ohne uns auskommen. Beinahe ist es vollbracht: Um Strom zu sparen, fahren wir zu guter Letzt den Computer herunter. Unsere Euphorie treibt uns an, als wir aus der düsteren Wohnung in Richtung Freiheit stürmen. Sobald dieser Schritt bewältigt ist, lassen wir gar unbeschwert unsere Blicke schweifen. Vor unseren Augen erstreckt sich eine scheinbar grenzenlose Welt, welche jederzeit kostenlos zugänglich ist und jedem Spieler individuelle Eindrücke beschert. Die Vielfalt der verfügbaren Orte setzt uns in Erstaunen und basiert auf dem Prinzip des persönlichen Interesses: Wir dürfen also frei entscheiden, ob wir eine Wanderung durch die unberührte Wildnis unternehmen, durch die Straßen imposanter Großstädte schlendern oder im Rahmen einer Museumsführung kulturelle Impressionen erhaschen möchten. Zu späterer Stunde wird uns zudem Eintritt zu zahlreichen Party-Locations gewährt. Während die Frohnatur ihr Tanzbein schwingt, erhalten depressive Gemüter die einmalige Gelegenheit, dem aufmerksamen Wirt ihr Leid vorzutragen. Die Entwicklung dieser Geschichte wird jedoch von jedem selbst bestimmt.

Frühkulturelle Überbleibsel.

Puzzles und Gameplay
"Reales Leben" entpuppt sich rasch als Walking-Simulator, der selbst die Bedürfnisse erschöpfter Wanderer berücksichtigt. Zwischenstationen wie Parkbänke sowie mehr oder minder bequeme Schlafzimmer können genutzt werden, um das Spiel zu pausieren. Eher selten müssen hingegen Rätsel gelöst werden, die meist als optionale Side Quests fungieren. Dies liegt insbesondere darin begründet, dass kein erkennbares Finale erreicht werden kann und die Spieldauer ins Unermessliche steigt. Ein unverhofftes Ableben kann unser Abenteuer jedoch vorzeitig beenden. So bergen etwa tiefe Schluchten oder ein reges Verkehrsszenario ungeahnte Gefahren. Bedauerlicherweise kann das Spiel nach solch einem Unglück nicht neugestartet werden - ein trauriger Mangel, der vielleicht durch zukünftige Updates behoben werden könnte... oder auch nicht, da es schwierig zu verwirklichen scheint. Eine Speicherfunktion wurde ebenfalls nicht integriert. Bemerkenswert ist die ausgeklügelte intuitive Steuerung, welche sogar die übliche Tastenkombination WASD entbehrlich werden lässt. In feinster Virtual Reality-Manier können sämtliche Körperteile zum Einsatz gebracht werden. Mit den eigenen Händen können Gegenstände erfasst werden, während die Füße der Fortbewegung dienen. Lange Laufwege bleiben uns leider nicht erspart, da  auf eine Orientierungskarte mit Teleportfunktion verzichtet wurde. Zwar ist das Geschlecht des Protagonisten nicht frei wählbar, dafür aber automatisch auf die sexuelle Identität des jeweiligen Spielers zugeschnitten. Dieser kann zudem den Kleidungsstil seines Charakters nach Belieben selbst bestimmen. Die Größe und Anzahl von Jacken-, Rock- oder Hosentaschen trägt außerdem zur Begrenzung oder Erweiterung des persönlichen Inventars bei. Dialogsätze können live eingesprochen werden, womit sich dem modernen Choice and Consequence-Verfahren neue, unbeschränkte Möglichkeiten offenbaren. Sprachliche Kompetenzen wie Wortwahl oder Tonlage können unser Verhältnis zu Nebenfiguren auf unterschiedliche Weise beeinflussen.


Geniale Wassereffekte.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Oculus Rift kann einpacken: Nie zuvor wurde eine Virtual Reality-Umgebung dermaßen wirklichkeitsnah inszeniert. Die erschreckend weitläufige 3D-Umgebung besticht durch ihre absolut fantastische Auflösung und ihr unnachahmliches grafisches Niveau. (Der Erwerb einer teuren Grafikkarte ist dennoch entbehrlich!) Einsame Landschaften empfinden wir als Augenweide, Pflanzen und Lebewesen können wir anhand von Gerüchen identifizieren. Aufgrund eines hohen Schmerzfaktors sollte man harte Flächen, wie etwa Mauern, achtsam ertasten und nicht wutentbrannt den Kopf dagegenschlagen. Passanten können an jedem Schauplatz gesichtet werden. Diese verkörpern ganz unterschiedliche Gemütsverfassungen und wurden teilweise, besonders in ländlichen Gegenden, mit einer freundlichen Gruß-Funktion ausgestattet. Überaus authentische Wettereffekte verursachen eine unfassbar dichte Atmosphäre, sei es durch aggressiv auftretenden Platzregen oder unnachgiebig tosende Stürme. Dieser bislang unerreichte Realismus lädt also nicht bloß zum Träumen ein, sondern fördert in diversen Situationen auch unsere Unbehaglichkeit. Ein offizieller Soundtrack ist "Reales Leben" nicht vergönnt, da unablässige Musikuntermalung keineswegs dem grundlegenden Konzept entspricht. Durch Improvisationen des Spielers kann jedoch Abhilfe geschaffen werden, die einiger Vorbereitung bedarf. So können trällernde Geräte besorgt und mit dem Ohr vernetzt oder den herrlichen Klängen der Natur gelauscht werden. Stets lassen sich nämlich muntere Vogelgesänge oder das häufig unheimlich anmutende Pfeifen des Windes vernehmen. Das zuvor erwähnte Live-Dialog-System erlaubt es sogar, eigene Wanderlieder anzustimmen, deren Qualität je nach Talent des Spielers variiert.

Ein potentieller Dialogpartner.

Fazit
Eigentlich ist "Reales Leben" ein uraltes Spiel, dessen Erscheinungsjahr niemand so recht einzuordnen vermag. Besonders im Frühling vermittelt es ausgeprägte Glücksgefühle, denen wir uns kaum entziehen können. Darüber hinaus wartet jenes Gameplay-Experiment aber mit schier unzähligen Facetten auf, sodass manche Erlebnisse auch negativ wahrgenommen werden können. Folglich sollte man mit Bedacht erwägen, ob man sich dieser brisanten Herausforderung stellen möchte. In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern einen angenehmen 1. April!

Samstag, 18. März 2017

Kommerziell: Fragments of Him

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Fragments of Him"?
Genre: Exploration, Interactive Storytelling
Vergleichbare Spiele: Gone Home, Home is Where One Starts
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: Sassybot
Sprache: Englisch
Jahr: 2016
Download: Steam --- Website

Nach ihrer ersten Begnung überredet Sarah den schüchternen Will zu einem Mondschein-Date auf dem Campus.

Story und Schauplatz
Für Will scheint sich heute ein ganz gewöhnlicher Wochentag anzukündigen: Eine entspannende Dusche, ein kräftigendes Frühstück, ein liebevoller Abschiedgruß an seinen Partner Harry. Sein Glück ist fassbar, wir können seine Zufriedenheit spüren. Euphorischen Gemütes schlendert Will zur Tiefgarage. Seine Gedanken kreisen um drei Personen, die sich auf seinem holprigen Lebensweg als treue Begleiter entpuppten... in seinem allzu kurzen Leben, das an diesem trügerischen Morgen unerwartet enden wird. Dies ist der Beginn einer emotional aufwühlenden Geschichte, welche aus der Perspektive dreier zentraler Figuren geschildert wird: Wills erste Freundin Sarah, seine fürsorgliche Großmutter Mary sowie der zuvor erwähnte Harry skizzieren fortan ihre Erinnerungen an den Verblichenen. Besagte Protagonisten, die keinerlei Identifikationspotential vermissen lassen, fungieren somit als Pfeiler einer ausgeklügelten, nahezu komplexen Erzählstruktur - gemeinsam mit Will, welcher am Morgen vor seinem Tode letztmals leibhaftig in Erscheinung tritt und wiederum die Rahmenhandlungen derer einleitet, die um ihn trauern.


Will und seine Eltern besuchen Großmutter Mary. Nebenfiguren treten grundsätzlich bloß als blasse Konturen in Erscheinung.

Puzzles und Gameplay
So tauchen wir als außenstehender Beobachter in das Geschehen ein und durchforsten die unterschiedlichen Schauplätze, bei denen es sich nicht selten um die Behausungen der Hauptakteure handelt. Um Fortschritte zu erzielen, müssen jedoch keine Rätsel bewältigt, sondern bloß bunte Markierungen aufgestöbert werden. Wenn wir die jeweilige Umgebung mit dem Mauscursor abtasten, flimmert an entsprechender Stelle eine farbige Silhouette auf, welche eines der stets kontrastarm abgebildeten Objekte oder einen Charakter visuell hervorhebt. Diese Konturen kennzeichnen einen jener flexiblen Hotspots, deren Präsenz für den Spielverlauf spezifisch ist. Folglich können bestimmte Gegenstände oder Personen erst nach einer Weile anvisiert werden, nachdem etwa sonstige Aktionen getätigt wurden. In der Regel löst der Klick auf den gelb (oder aus größerer Distanz blau) umrissenen Hotspot eine neue Textpassage aus. Wir schreiten also mühelos voran, wodurch der Erzählfluss niemals ins Stocken gerät. "Fragments of Him" versteht sich somit als Explorationgame im reinsten Sinne. Dies betrifft auch die klassische dreidimensionale Welt, die sich mit der Tastenbelegung WASD (Oh Wunder!) und unter Zuhilfenahme der Maus erkunden lässt.


Als Mary zufällig diese Situation beobachtet, beginnt sie zu fürchten, dass ihr Enkelsohn zukünftig abgelehnt oder gar in Gefahr geraten könnte.

Musik, Grafik, Atmosphäre
"Fragments of Him" ist ein Spiel, das kaum vorwärts verläuft, sondern bewusst in vergangenen Zeiten verweilt. Beeindruckend ist jedoch, in welch konsequenter Weise die optische Präsentation in dieses Konzept miteinbezogen wurde. So ist die Heimatstadt des in Erinnerungen schwelgenden Dreiergespanns mit warmen Sepia-Farben durchtränkt, ohne komplett in diesen zu versinken. Sobald wir unseren Blick etwa zum herrlich blauen Himmel schweifen lassen, der sich mit friedvoll anmutenden Wolkenformationen schmückt, werden wir für einen winzigen Moment von einer besonderen Zuversicht erfüllt. Außerdem fokussiert sich das Explorationgame einzig auf die eingangs beschriebenen Figuren, sodass die Körper von Passanten, Partygästen oder Elternteilen nur als unbeseelte Hüllen mit verblassten, geisterhaften Zügen erkennbar sind. Folglich mussten auch lediglich vier Sprecher verpflichtet werden, die uns mit gefühlsbetonter Stimme und sensiblen Worten berühren können. Musikalisch wird die Atmosphäre durch sanfte Pianoklänge unterstrichen, welche das melancholische Wesen des Spiels wunderbar einfangen, ohne sich jemals aufdringlich zu verhalten.


Wills Schicksal nimmt seinen Lauf.

Fazit
Die tränenreich inszenierte Geschichte um Will ruft uns ins Bewusstsein, wie nahe Liebe und Verlust beieinanderliegen. So wirken die inneren Monologe unserer Protagonisten stets authenisch und verheddern sich niemals in trivialen Plattitüden. Vielmehr lassen uns die Verbliebenen an ihrem schier unerträglichen Leid teilhaben und gelegentlich zaghafte Hoffnungsschimmer zu uns durchdringen. Letztlich sind es die Macht der Erinnerungen sowie eine tiefe Dankbarkeit für jene Etappe ihres Lebens, die ihre mentale Genesung vorantreiben. "Fragments of Him" ist intensive Trauerbewältigung in interaktiver Form und wird sich als solche in unserem Gedächtnis einnisten.

Samstag, 4. März 2017

Kommerziell: Rusty Lake: Roots

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Rusty Lake: Roots"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Rusty Lake Hotel
Technische Grundlage: Slideshow-Format
Urheber: Rusty Lake
Sprache: Deutsch, Englisch, Niederländisch u.a.
Jahr: 2016
Download: Steam

Im Jahr 1860 bezieht James das Haus seines verstorbenen Onkels.

Story und Schauplatz
Als James Vanderboom im Frühling des Jahres 1860 mit seinem Schoßhündchen im Gefolge nach Rusty Lake übersiedelt, kann er sich dem Reiz dieser unberührten Idylle nicht erwehren. Am Fuße des malerischen Sees und in unmittelbarer Nähe des imposanten Rusty Lake-Hotels befindet sich das Haus seines jüngst verstorbenen Onkels, welches an diesem Tage den Besitzer wechselt. Vanderbooms Reisekoffer beinhaltet zudem einen ganz besonderen Samen, der laut testamentarischer Aussage im Garten seines neuen Wohnsitzes gepflanzt werden soll. Scheinbar blind gehorcht der Alleinerbe dem Willen des Verblichenen und lässt somit seinen eigenen Stammbaum aus dem Boden sprießen, welcher uns wiederum zum Erkunden einlädt. Unsere Odyssee durch James' Familienchronik beginnt geradezu romantisch: So dürfen wir den etwas schüchternen Junggesellen dabei unterstützen, das Herz seiner zukünftigen Gattin Mary für sich zu gewinnen. Dennoch obliegt es keineswegs der Intention der Produzenten, unser Wohlbehagen zu fördern. Nach wenigen Kapiteln etwa müssen wir die Nabelschnur dreier Säuglinge mit einer Schere durchtrennen und die Neugeborenen auf eher zweckmäßige als mütterliche Weise ernähren. Allmählich offenbart sich uns das morbide Wesen jenes ungewöhnlichen Abenteuers, das sich erneut am bewährten Vorbild der populären Cube Escape-Serie orientiert. Während der narrative Fokus zuvor noch auf James Vanderboom gerichtet schien, verlagert sich dieser zunehmend auf das Schicksal seiner Nachkommen. Deren Entwicklung jedoch erfüllt uns nicht minder mit Bestürzung und Faszination, was nicht zuletzt der wundervoll skurrilen Figurenzeichnung zu verdanken ist.


James und Mary nähern sich einander an - im Garten, einem Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Puzzles und Gameplay
Die Geschichte der Vanderboom'schen Blutlinie erstreckt sich auf 33 Ebenen, die jeweils in klassischer Room Escape-Manier gestaltet wurden. Dabei erfüllen wir quasi die Funktion eines unsichtbaren Beobachters, der unseren Protagonisten stets die helfende Hand reichen muss - obwohl diese nicht immer Gutes bewirkt. Während wir im "Rusty Lake Hotel" allerdings generell von üblen Absichten geleitet waren, orientieren wir uns nun vielmehr an den Motiven jener grundverschiedenen Charaktere. Die kreativen und meist obskuren Rätselketten zeugen von einer schier beispiellosen Bandbreite. So dürfen wir uns mit den Gesetzen der Alchemie befassen, dem Uhrenhandwerk frönen, Bienen zum Bestäuben von Pflanzen animieren oder Kriegsverletzungen behandeln. Diese Aufgaben erweisen sich in der Regel als äußerst knifflig und dürften selbst manchen erfahrenen Spieler in den Wahnsinn treiben. Umso versöhnlicher erscheinen uns die vereinzelten Video-Walkthroughs, welche die Macher schon pünktlich zum Release auf Youtube veröffentlichten. Interessante Bonus-Missionen, die uns nach Beendigung des eigentlichen Handlungsverlaufs erwarten, runden das Gameplay zudem positiv ab.


Der Nachwuchs: Dem ungleichen Trio steht eine ungewisse Zukunft bevor.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Auch im jüngsten Streich der Marke Rusty Lake repräsentieren die Szenenbilder die unvergleichbare Ästhetik eines "Rusty Lake Hotel", wobei überwiegend auf die Gegenwart antropomorpher Geschöpfe verzichtet wurde. Doch die menschlichen Figuren sind ebenso liebevoll gezeichnet und muten wie Karikaturen aus einem anderen Jahrhundert an. In ihrer höchst grotesken Verhaltensweise spiegelt sich der spezielle, wenngleich überaus charmante Rusty Lake-Humor selbst visuell einwandfrei wider. Das Porträt jener viktorianischen Epoche wurde in all seinen Facetten ausgearbeitet und versinkt gelegentlich in finsteren, surrealen Zwischenwelten. So zeigt sich die tiefgreifende Bedeutungsebene des Spiels besonders in seiner metaphorischen Bildgewalt. Außerdem besticht "Rusty Lake: Roots" durch seine subtile, aber bemerkenswerte Musikuntermalung, die meist zwischen unheimlichen, mystischen und traurigen Klängen variiert und nicht selten eine depressive Stimmung vermittelt.


Beim sogenannten Familienspiel werden bislang unausgesprochene Geheimnisse offengelegt.

Fazit
Bizarr und dennoch lebensnah: "Rusty Lake: Roots" skizziert vielleicht den merkwürdigsten Stammbaum, den die Welt jemals erforschen durfte und lässt den Schmerz jener gescheiterten Protagonisten schonungslos zu uns durchdringen. So makaber manche Darstellungen auch sein mögen, fließt doch kaum ein Blutstropfen ohne Symbolgehalt. Mit ihrem zweiten interaktiven Gemälde, als das man es wohl bezeichnen muss, übertrumpfen die Entwickler sogar den Vorgänger, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Ich komme nicht umhin, dieses großartige Werk als eine der Adventure-Sensationen des vergangenen Jahres zu würdigen.

Samstag, 18. Februar 2017

Kommerziell: A Normal Lost Phone

Allgemeine Grundlagen: Was ist "A Normal Lost Phone"?
Genre: Exploration, Recherche, Interactive Storytelling
Technische Grundlage: Smartphone-Simulation ohne charakteristische Egoperspektive
Urheber: Accidental Queens
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, u.a.
Jahr: 2017
Download: Steam --- itch.io --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!


Momentan kratzen wir noch an der (Handy-)Oberfläche.

Adventure-Treff-Test: A Normal Lost Phone
Dem kommerziellen Debüt des unabhängigen Entwicklers Accidental Queens war schon im Vorfeld große Aufmerksamkeit vergönnt. Ein früher Prototyp von A Normal Lost Phone wurde als Beitrag zum Global Game Jam 2016 eingereicht und brachte bereits viele Nominierungen bei Wettbewerben sowie eine Auszeichnung als „Best Indie Game“ mit sich. Somit ist es kaum verwunderlich, dass die im Nachhinein über Ulule initiierte Finanzierungsaktion dem Projekt zum gewünschten Erfolg verhalf. Im Januar erschien nun die Vollversion, welche mit zusätzlichen Puzzles und Inhalten, einem ambitionierten Soundtrack und neuen Lokalisationen aufwartet. Auch deutsche Bildschirmtexte wurden integriert. Laut eigener Aussage ließen sich die Produzenten von populären Titeln wie Her Story, Life is Strange und Gone Home inspirieren. Ob diese Einflüsse ein positives Gesamtergebnis bewirkt haben, berichten wir euch in unserem Test. ....Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 7. Januar 2017

Freeware: Lifecycle

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Lifecycle"?
Genre: Exploration, Interactive Storytelling
Vergleichbare Spiele: Prominence, ASA - A Space Adventure
Technische Grundlage: Moderne 3D-Umgebung mit 360 Grad-Bewegungsfreiheit
Urheber: DavidMcNamara
Sprache: Englisch
Jahr: 2016
Download: Gamejolt

Hier beginnt die Reise unseres Weltraumtouristen.

Story und Schauplatz

Es ist der vielleicht größte Traum eines jeden Astronauten, die Entwicklung eines Planeten persönlich beobachten zu können und dessen Lebenszyklus über Generationen hinweg zu überwachen. Dem Spieler von "Lifecyle" ist dieses faszinierende Erlebnis vergönnt. In der Rolle eines Weltraumtouristen wird dieser in einzelnen, überaus friedlichen Etappen die Wesenszüge einer fremden Kultur erlernen und dabei beeindruckende Erkenntnisse erlangen. All dies geschieht jedoch in einer atemberaubenden Geschwindigkeit: Innerhalb von 15-20 Minuten dürfte wohl jedes große Geheimnis besagter Zivilisation ergründet sein.


Um dieses Gerüst zu erklimmen, sollte man schon einigermaßen schwindelfrei sein.

Puzzles und Gameplay
Lediglich vier Ebenen müssen bewältigt werden, um das Finale zu erreichen. Obgleich die Einleitungssequenz schnell überstanden ist, haben die nachfolgenden Schauplätze in Umfang und Komplexität doch etwas mehr zu bieten. Dennoch verweilen wir niemals allzu lange an einem Aufenthaltsort, was besonders den simplen Aufgaben geschuldet ist. Das Gameplay besteht nämlich einzig darin, eine Keycard aufzuspüren, die jeweils am entferntesten Punkt eines Levels ihren neuen Besitzer erwartet. Dieses elektronische Fundstück leistet uns dann wertvolle Dienste, indem es die Tür zur nächsten Stufe öffnet. Um diese kaum umständlichen Fußmärsche zu meistern, müssen wir (wollte ich das überhaupt noch erwähnen?) auf die Tastenkombination WASD zurückgreifen.


Diese Schlüsselkarte ebnet uns den Weg zur nächsten Stufe.

Musik, Grafik, Atmosphäre

Die optischen Eindrücke, die uns von diesem Planeten vermittelt werden, können Anhängern des Science Fiction-Genres durchaus imponieren. Anschaulich wird uns der zunehmende Zerfall dieser unbekannten Welt vor Augen geführt. Kommentiert wird das Gesehene durch die mechanisch klingende Stimme eines Reisebegleiters, welcher mit dem Gehirn des Protagonisten vernetzt wurde. Obwohl es sich um eine deutsche Produktion handelt, wurde bislang nur eine englische Sprachausgabe realisiert. Zudem können keine Untertitel eingeblendet werden, weshalb wir uns den eher spärlich eingeworfenen Informationen aufmerksam widmen sollten. Darüber hinaus kommt jeder Abschnitt mit einem individuellen Musikstück daher. Mit ebenso geheimnisvollen wie futuristischen Klängen werden die einzelnen Variationen dem Weltraum-Thema gerecht.


Die Fassaden dieser Welt beginnen zu bröckeln.
Fazit
Rasch entpuppt sich "Lifecycle" als Geheimtipp für Science Fiction-Freunde. Die arg beschleunigte Erzählweise lässt sich aufgrund der beachtlichen Präsentation gut verschmerzen. Zudem hat der Autor ein dramaturgisch ausgewogenes Spannungsverhältnis geschaffen, das für die Belange ansprechender Explorationgames unabdingbar ist. So erfolgte die Umsetzung zwar in minimalistischer Machart, woran dieses geistreiche Erlebnis aber wenig Schaden nimmt.