Samstag, 26. August 2017

C64-Klassiker: Der verlassene Planet

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Der verlassene Planet"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Oo-Topos, Mission Supernova
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Hannes Seifert
Sprache: Deutsch
Jahr: 1989
Informationen: C64-Wiki

Bei Betrachtung des Titelscreens drängt sich mir irgendwie die Erinnerung an "Mission Supernova" auf.

Story und Schauplatz
Als unser Protagonist nach rund zweitausend Jahren seinem Dornröschenschlaf entrissen wird, ist sein Raumschiff wieder in die irdische Umlaufbahn eingedrungen. Im Hinterkopf des ehrgeizigen Astronauten lagern jedoch noch staubige Erinnerungen an eine ehemals geplante Forschungsmission zu einem fernen Sonnensystem, das binnen einer einfachen Dekade(!) zu erreichen wäre. Eine Fehlprogrammierung des Bordcomputers, dem die Verantwortung für den Weckdienst oblag, entpuppt sich bald als Ursprung des Desasters. So beschließt der Erwachte, in seiner immens gealterten Heimatwelt unter wildfremden Nachkommen Geborgenheit zu suchen. Dort sieht er sich aber rasch vor äußerst konsequent vollendete Tatsachen gestellt und so dämmert ihm allmählich. Es scheint nämlich, als hätte die Menschheit zuletzt recht tüchtig an ihrem Untergang gearbeitet. Ist jener tragische Held, der sich nun vor verwüsteten Landschaften im eigenen Leide suhlt, gar der letzte Vertreter seiner Spezies? Nach einigen Minuten kehrt die verloren geglaubte Hoffnung schließlich in Gestalt des unerwartet auftauchenden Meknos zurück, der sich zu einer Gruppe Überlebender zählt. Dieser bietet dem Neuankömmling sogleich seine Freundschaft an und begleitet ihn fortan auf einer gefährlichen Odyssee durch unbewohnte Regionen eines (beinahe) verlassenen Planeten.


Beim Marsch durch die Wüste ist Vorsicht geboten, denn auch Adventure-Figuren können dehydrieren.

Puzzles und Gameplay
Untergliedert ist das Abenteuer in vier mehr oder minder umfangreiche Kapitel bzw. Level, in deren Verlauf wir uns stets um eine Höchstpunktzahl und einen guten Platz in der Highscore bemühen dürfen - ein Feature, welches gemeinhin eher den Arcarde-Titeln vorbehalten bleibt. Als Textadventure kann "Der verlassene Planet" überzeugen, weist im Spieldesign aber einige Schwächen auf. Manchmal krankt eine Szenenbeschreibung an nützlichen Informationen und verschweigt uns etwa relevante Gegenstände im Raum. Der Parser folgt mitunter willkürlichen Gesetzen, verfügt jedoch über ein recht solides Vokabular. Zur visuellen Darstellung möglicher Ausgänge dient ein Kompass, der sich jederzeit mit Druck auf die Taste F1 einblenden lässt. Wer den Buchstaben "H" eintippt und mit Enter bestätigt, wird sogar mit subtilen Lösungshinweisen beliefert. Alternativ können Gespräche (SPRICH/ FRAG) mit Gefährten Licht ins Dunkel bringen. Hierbei ist neben Meknos auch Dr. Herman Sambs zu erwähnen, der sich unserem Zweiergespann im zweiten Level anschließen wird. Vor drohendem Unheil wird zumeist gewarnt, sodass wir den zahlreichen Todesfallen durchaus ausweichen und vorbeugen können. Bei einer Verfolgungsjagd im ersten Abschnitt empfiehlt es sich ohnehin, regelmäßig den Spielstand zu speichern. Wer die Kunst des Überlebens beherrscht, vermag sich in dieser postatomaren Welt zweifelsohne zu behaupten. Nur selten müssen hingegen Items ins Inventar aufgenommen oder allzu schwierige Aufgaben bewältigt werden. Diverse Rätsel neigen zudem zur Wiederholung. Somit bewegt sich "Der verlassene Planet" insgesamt auf Anfänger-Niveau.


Ein ungleiches Paar: Meknos und Herman.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Die naiv gezeichneten Szenenbilder fügen sich erstaunlich gut in die Geschichte ein, wenngleich einzig das Spiel mit der einseitigen Kolorierung eine düster befremdliche Atmosphäre schafft. Über weite Strecken hinweg wird die Umgebung etwa von giftgrüner Farbe oder satten Purpurtönen dominiert. Begleitet wird das Geschehen von temporeichen Musikstücken mit futuristischem Flair, wobei jedes Level mit einer eigenen charmanten wie eingängigen Komposition aufwartet. Wer kein Faible für leicht schrille Brotkastenklänge hegt, wird sich von diesem Soundtrack wohl dennoch abschrecken lassen. Die Entstehung einer wirklich beklemmenden Endzeitstimmung wissen die humorvollen Bildschirmtexte aber stets zu verhindern. So wird die Schilderung jener Zukunftsvision vielmehr durch Zynismus vorangetrieben und tragische Wendungen größtenteils vermieden. Auch werden wir immerfort über das seelische Befinden unserer Gefährten instruiert, womit uns der Autor manches Lächeln entlocken kann.


Ein gewisser Komfort ist unabdingbar: Ohne integrierte Badewanne sollte sich kein Raumschiff jemals zu den Sternen erheben.

Fazit
Obwohl es dem atmosphärischen Werk von Hannes Seifert im Rätseldesign an Abwechslung mangelt, entfaltet sich bei mittlerer Spiellänge doch eine überaus kurzweilige Geschichte, an der sich Freunde selbstironischer Science Fiction-Abenteuer ergötzen können.

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