Samstag, 30. September 2017

Kommerziell: Another Lost Phone: Laura's Story

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Another Lost Phone: Laura's Story"?
Genre: Exploration, Recherche, Interactive Storytelling
Technische Grundlage: Smartphone-Simulation ohne charakteristische Egoperspektive
Urheber: Accidental Queens
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, u.a.
Jahr: 2017
Download: Steam --- itch.io --- Website

Anmerkung: Dieses Review habe ich für den Adventure-Treff verfasst, weshalb es natürlich nur dort in vollständiger Länge abgerufen werden kann. Bitte folgt dem externen Link, um den Artikel lesen zu können!


Gesichter aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: Werden wir Lauras Schicksal enthüllen können?

Adventure-Treff-Test: Another Lost Phone: Laura's Story
Im Januar dieses Jahres ist uns A Normal Lost Phone, das kommerzielle Debüt der französischen Entwicklerfirma Accidental Queens, bereits sehr positiv aufgefallen. Das experimentelle Adventure befasste sich mit dem achtzehnjährigen Sam und seiner Suche nach der eigenen sexuellen Identität. Nun präsentierten uns die eifrigen Produzenten den spirituellen Nachfolger, welcher den nicht minder geheimnisvollen Titel Another Lost Phone: Laura‘s Story trägt und somit eine vom Original unabhängige Geschichte erzählt. Die Spieler müssen also keine Vorkenntnisse besitzen und können sich in beliebiger Reihenfolge an die Werke der Accidental Queens herantasten. Wir haben uns deren jüngsten Streich zu Gemüte geführt und unser Urteil gefällt. ...Weiterlesen auf Adventure-Treff!

Samstag, 23. September 2017

C64-Klassiker: Stümp

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Stümp"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Heroes & Cowards, Das Camp - Wohnwagen Edition
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Byteriders
Sprache: Deutsch
Jahr: 1990
Informationen: C64-Wiki

Da möchte man doch glatt den nächsten Urlaub buchen.

Story und Schauplatz
Die Staatlich überprüfende Stelle für Medienproblematiken, allgemein auch StüMP genannt, ist das einzige Gebäude, das im abgelegenen Örtchen Kalkhausen sein Dasein fristet. Eine unwichtige Aufgabe erfüllt es dort mitnichten, so bewahrt es immerhin junge Leute vor der Verrohung durch den Einfluss gewalttätiger oder gar pornografischer Videospiele. Eines Tages aber dringen außerirdische Besucher in die Zensurbehörde ein, um einen Vorrat illegaler Disketten zu entwenden. Zwar konnten die etwas tollpatschigen Vertreter der Luftwaffe das verdächtige Raumschiff orten und vom Himmel fegen, doch wurde das Diebesgut zuvor bereits in Ländern verschiedener Kontinente verstreut. Damit beginnt die Mission des ehrgeizigen Geheimagenten Hans Klein, der den Decknamen "Cool, der Loser" trägt. Dieser muss das jugendgefährdende Material umgehend aufspüren und konfiszieren. So schlüpfen wir in die Rolle des besagten Berufsstümpers und dürfen fortan Schauplätze wie Hawaii, Rom, München, Sydney, Osaka, Moskau, Kobenhaven oder die Osterinseln bereisen.


Die Angst ist unser größter Feind, lässt sich jedoch ins Inventar aufnehmen.


Puzzles und Gameplay
Letztlich bleibt unserem Titelhelden keine Zeit für ausgiebige Sightseeing-Touren, sodass eine Stadt in der Regel bloß mit zwei oder drei Szenenbildern aufwartet. Die relevanten Treffpunkte werden mit der weltweit verkehrenden R-Bahn automatisch angefahren. Somit entpuppt sich das Reise-Terminal an den Bahnhöfen als Pendant zum Flughafen aus dem Lucas Arts-Klassiker "Zak McKracken". Darüber hinaus verfügt das Adventure über einen komfortablen Parser, der keine nennenswerten Schwierigkeiten verursacht. Rasch erlangen wir Übung in der Texteingabe, indem wir etwa auffällige Hecken inspizieren und hierbei interessante Fundstücke zutage fördern. Woanders müssen wir das Vertrauen einer Kontaktperson gewinnen oder an einem Nahrungsmittelautomaten die richtigen Knöpfe betätigen. Das teils simple und mitunter knifflige Rätseldesign zeugt stets von den verrückten Ideen der Byteriders, die im deutschsprachigen Raum wohl unlängt als Ikonen des komischen Textadventures gelten. Da wird man ihnen heute vielleicht selbst jene ungerecht eingeflochtenen Todesarten verzeihen, die uns bei "Stümp" zumindest in seltenen Situationen widerfahren können. So betrachten wir ahnungslos eine bezaubernde Landschaft, woraufhin sich Cool zu einer außerplanmäßigen, vom Spieler nicht angeordneten Wanderung veranlasst fühlt und bei dieser Gelegenheit in einen tiefen Abgrund stürzt. "Save early, save often!"


Textfehler? Im Reise-Terminal ist "Kobenhaven" angegeben, das sich in dieser Szenenbeschreibung zu Kopenhagen wandelt.


Musik, Grafik, Atmosphäre
"Stümp" beeindruckt mit überaus ansprechenden Szenenbildern, die mit satten Farbtönen und einer gesunden Detaildichte durchaus Abenteuer- und Urlaubsstimmung vermitteln könnten. Letztere wird allerdings rasch wieder ausgebremst, da sich die Perspektiven stets auf ein sparsames Mindestmaß beschränken. Die Begrenztheit der Schauplätze erleichtert zwar unsere Mission, vermag jedoch ebenso den Spielspaß zu trüben. Wer also die Umgebung eines Landes erkunden möchte, wird in jedem Fall eine herbe Enttäuschung erleben. Vielmehr fokussieren sich die Entwickler auf die lustigen Texte und Kommentare und schaffen es auf diese Weise, ihre Stärken zu entfalten. Der Atmosphäre sind auch die herrlich nostalgischen Musikstücke zuträglich, welche dem Spionage-Adventure einen teils lässigen, teils pathetischen Beat bescheren und dabei keine Abwechslung vermissen lassen.


Der große Showdown erwartet uns auf den Osterinseln.

Fazit
Während das hierzulande erschienene 3rd person-Adventure Dirty um 1991 etwa "Maniac Mansion" nacheiferte, lässt sich "Stümp" beinahe als deutschsprachiges "Zak McKracken" beschreiben - natürlich in abgespeckter Gestalt, doch mit dem eigensinnigen Humor der Byteriders gesegnet. Leider hinterlässt der abrupte, lieblos anmutende Spielausgang einen äußerst faden Nachgeschmack, weshalb das Potential nicht im erhofften Sinne ausgeschöpft wurde. Nichtsdestotrotz waren hier gewiss keine "Stümper" am Werk, wie sich schon anhand der pointierten Schilderungen bemerkbar macht.

Samstag, 16. September 2017

C64-Klassiker: Robox

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Robox"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Der verlassene Planet, Frederik Pohl's Gateway
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Laro Schatzer und Marc Pilloud
Sprache: Deutsch
Jahr: 1986
Informationen: C64-Wiki


Man bemerke die eigensinnige Farbgebung der Küchenschränke.

Story und Schauplatz
Der gewöhnliche Erdenbürger des Jahres 2036 träumt mitunter davon, eines Tages zu den Sternen zu reisen, wird jedoch stets von der Realität eingeholt. Ein größeres Glück scheint hingegen unserem Titelhelden beschieden zu sein. Dieser kann beim sonntäglichen Fernsehquiz den allseits begehrten Hauptpreis ergattern, welcher ihn binnen kurzem auf einen paradiesischen Urlaubsplaneten entführen soll. Unterwegs wird er aber bald erkennen, dass ihm eine wesentlich bedeutsamere Rolle zugedacht war, als die eines nichtsnutzigen Weltraumtouristen. So liegt es nämlich in seiner Hand, sämtliches Leben im Universum vor den Roboter-Armeen des tyrannischen Herrschers Robox zu bewahren, jenem halbmenschlichen, seelenlosen Cyborg-Wesen, der jedes biologische Individuum mit Verachtung straft. Bevor dieser alles Organische ausrotten kann, muss unser ehemals gewöhnlicher Erdenbürger zur fernab gelegenen Zentrale des verbitterten Feindes vordringen und dessen diabolischen Plan vereiteln.

Die Mannschaftsquartiere versprechen einen erholsamen Schlaf, doch an Entspannung ist fortan nicht zu denken.

Puzzles und Gameplay
"Robox" wird über einen recht intelligenten Parser gesteuert, der keineswegs mit Komfort geizt. So ist etwa der Befehl "NIMM ALLES" anzuwenden, um eine Vielzahl jüngst vorgefundener Items mühelos unserem Inventar zuzufügen. Geknobelt wird bei "Robox" auf hohem Niveau, sodass sich erfahrene Spieler nicht so leicht unterfordert fühlen dürften. Außerdem appellieren die Produzenten an unseren Überlebensinstinkt, denn das drohende Unheil ist allgegenwärtig. Der Tod lauert hinter jeder Ecke, weshalb wir häufig abspeichern sollten. Im Verlauf unserer spannenden Odyssee treffen wir zudem auf den liebenswürdigen Blechkasten Robbi, der äußerlich stark an R2D2 erinnert. Unserem treuen Begleiter können wir bei Bedarf, sofern dieser in unserer Nähe verweilt, wertvolle Ratschläge entlocken ("FRAG ROBBI"). Damit wurde sogar eine großzügige Hilfefunktion integriert. Insgesamt erstreckt sich das Abenteuer auf vier umfassende, aber äußerst kurzweilige Kapitel.

Mit dem "Schatten" sollten wir uns besser nicht anlegen.

Musik, Grafik, Atmosphäre
Mit unzähligen, stets detailverliebten Szenenbildern haben die Autoren ein überaus fantasievolles Spieluniversum geschaffen, das mit höchst unterschiedlichen Schauplätzen und manch exotischen Kreaturen aufwartet. Auch in der Gestaltung jener Geschöpfe sowie im menschlichen Charakter-Design zeigt sich die hohe Qualität dieser Zeichnungen, denen eine gut sortierte Farbpalette zugrunde lag. Auf musikalische Ergüsse, die zusätzliche Stimmung vermitteln, hoffen wir allerdings vergeblich. Sobald das von "Kampfstern Galactica" abgekupferte Titelstück verstummt, hüllt sich unser Lautsprecher in konsequentes Schweigen.

Man kann es ja mal versuchen.

Fazit
Hinter "Robox" verbirgt sich ein umfangreicher wie anspruchsvoller Science Fiction-Titel, der kaum nennenswerte Schwächen aufweist und die Standards eines ausgefeilten Textadventures wunderbar erfüllt.