Samstag, 23. September 2017

C64-Klassiker: Stümp

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Stümp"?
Genre: Klassisches Adventure
Vergleichbare Spiele: Heroes & Cowards, Das Camp - Wohnwagen Edition
Technische Grundlage: Textadventure
Urheber: Byteriders
Sprache: Deutsch
Jahr: 1990
Informationen: C64-Wiki

Da möchte man doch glatt den nächsten Urlaub buchen.

Story und Schauplatz
Die Staatlich überprüfende Stelle für Medienproblematiken, allgemein auch StüMP genannt, ist das einzige Gebäude, das im abgelegenen Örtchen Kalkhausen sein Dasein fristet. Eine unwichtige Aufgabe erfüllt es dort mitnichten, so bewahrt es immerhin junge Leute vor der Verrohung durch den Einfluss gewalttätiger oder gar pornografischer Videospiele. Eines Tages aber dringen außerirdische Besucher in die Zensurbehörde ein, um einen Vorrat illegaler Disketten zu entwenden. Zwar konnten die etwas tollpatschigen Vertreter der Luftwaffe das verdächtige Raumschiff orten und vom Himmel fegen, doch wurde das Diebesgut zuvor bereits in Ländern verschiedener Kontinente verstreut. Damit beginnt die Mission des ehrgeizigen Geheimagenten Hans Klein, der den Decknamen "Cool, der Loser" trägt. Dieser muss das jugendgefährdende Material umgehend aufspüren und konfiszieren. So schlüpfen wir in die Rolle des besagten Berufsstümpers und dürfen fortan Schauplätze wie Hawaii, Rom, München, Sydney, Osaka, Moskau, Kobenhaven oder die Osterinseln bereisen.


Die Angst ist unser größter Feind, lässt sich jedoch ins Inventar aufnehmen.


Puzzles und Gameplay
Letztlich bleibt unserem Titelhelden keine Zeit für ausgiebige Sightseeing-Touren, sodass eine Stadt in der Regel bloß mit zwei oder drei Szenenbildern aufwartet. Die relevanten Treffpunkte werden mit der weltweit verkehrenden R-Bahn automatisch angefahren. Somit entpuppt sich das Reise-Terminal an den Bahnhöfen als Pendant zum Flughafen aus dem Lucas Arts-Klassiker "Zak McKracken". Darüber hinaus verfügt das Adventure über einen komfortablen Parser, der keine nennenswerten Schwierigkeiten verursacht. Rasch erlangen wir Übung in der Texteingabe, indem wir etwa auffällige Hecken inspizieren und hierbei interessante Fundstücke zutage fördern. Woanders müssen wir das Vertrauen einer Kontaktperson gewinnen oder an einem Nahrungsmittelautomaten die richtigen Knöpfe betätigen. Das teils simple und mitunter knifflige Rätseldesign zeugt stets von den verrückten Ideen der Byteriders, die im deutschsprachigen Raum wohl unlängt als Ikonen des komischen Textadventures gelten. Da wird man ihnen heute vielleicht selbst jene ungerecht eingeflochtenen Todesarten verzeihen, die uns bei "Stümp" zumindest in seltenen Situationen widerfahren können. So betrachten wir ahnungslos eine bezaubernde Landschaft, woraufhin sich Cool zu einer außerplanmäßigen, vom Spieler nicht angeordneten Wanderung veranlasst fühlt und bei dieser Gelegenheit in einen tiefen Abgrund stürzt. "Save early, save often!"


Textfehler? Im Reise-Terminal ist "Kobenhaven" angegeben, das sich in dieser Szenenbeschreibung zu Kopenhagen wandelt.


Musik, Grafik, Atmosphäre
"Stümp" beeindruckt mit überaus ansprechenden Szenenbildern, die mit satten Farbtönen und einer gesunden Detaildichte durchaus Abenteuer- und Urlaubsstimmung vermitteln könnten. Letztere wird allerdings rasch wieder ausgebremst, da sich die Perspektiven stets auf ein sparsames Mindestmaß beschränken. Die Begrenztheit der Schauplätze erleichtert zwar unsere Mission, vermag jedoch ebenso den Spielspaß zu trüben. Wer also die Umgebung eines Landes erkunden möchte, wird in jedem Fall eine herbe Enttäuschung erleben. Vielmehr fokussieren sich die Entwickler auf die lustigen Texte und Kommentare und schaffen es auf diese Weise, ihre Stärken zu entfalten. Der Atmosphäre sind auch die herrlich nostalgischen Musikstücke zuträglich, welche dem Spionage-Adventure einen teils lässigen, teils pathetischen Beat bescheren und dabei keine Abwechslung vermissen lassen.


Der große Showdown erwartet uns auf den Osterinseln.

Fazit
Während das hierzulande erschienene 3rd person-Adventure Dirty um 1991 etwa "Maniac Mansion" nacheiferte, lässt sich "Stümp" beinahe als deutschsprachiges "Zak McKracken" beschreiben - natürlich in abgespeckter Gestalt, doch mit dem eigensinnigen Humor der Byteriders gesegnet. Leider hinterlässt der abrupte, lieblos anmutende Spielausgang einen äußerst faden Nachgeschmack, weshalb das Potential nicht im erhofften Sinne ausgeschöpft wurde. Nichtsdestotrotz waren hier gewiss keine "Stümper" am Werk, wie sich schon anhand der pointierten Schilderungen bemerkbar macht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen