Samstag, 24. März 2018

Exkurs: Wikipedia: The Text Adventure

Allgemeine Grundlagen: Was ist "Wikipedia: The Text Adventure"?
Genre: Exploration und Enzyklopädie
Technische Grundlage: Browser-Textadventure
Urheber: Kevan Davis
Sprache: Englisch
Jahr: 2017
Spiel im Browser: Wikipedia: The Text Adventure


Eine der schönsten Städte dieser Welt.

Spielwelt
Im Aprilscherz des vergangenen Jahres stellte ich die uns umgebende Welt als 1st-person-Adventure dar. Zu jener Zeit widmete sich Kevan Davis einem Projekt mit vergleichbarer Zielsetzung, welches er im Juni 2017 der Öffentlichkeit präsentierte. Seither lassen sich nämlich selbst die entlegensten Orte unserer Erde mit Parser-Unterstützung bereisen - ganz bequem vom heimischen Computer aus. Was sich vielmehr jedoch als "interaktive Enzyklopädie" verstehen lässt, basiert schlichtweg auf den wissenschaftlich geprüften Artikeln der englischsprachigen Wikipedia.


Llanfairpwllgw... ihr wisst schon!

Gameplay
Dass "Wikipedia: The Text Adventure" von den einstmals populären Infocom-Adventures inspiriert wurde, ist bereits anhand des Titelbildschirms deutlich erkennbar. Als waschechtes Adventure entpuppt sich die im Browser spielbare Anwendung aber mitnichten, sodass wir lediglich die weitläufigen Dimensionen jener interaktiven Enzyklopädie erforschen, uns dabei in nostalgischen Gefühlen suhlen und zugleich unseren Wissensdurst stillen können. Das dargebotene Vokabular bleibt somit auf wesentliche Begriffe beschränkt, wobei ein Perspektivenwechsel etwa mit Befehlen wie "go west" oder "go north" einzuleiten ist. Verfügbare Himmelsrichtungen, welche jeweils den offiziellen Wikipedia-Koordinaten entsprechen, werden stets unterhalb der Szenenbeschreibung eingeblendet. Wer hingegen möglichst weit in die Ferne schweifen möchte, muss bloß das gewünschte Land, die Stadt oder das Dorf benennen (go Mainz). Größenwahnsinnige Touristen dürfen die besuchten Orte zudem ihrer kulturellen Vielfalt berauben, denn unser grundsätzlich unnötiges Inventar erweist sich rasch als unbegrenzt aufnahmefähig (take stonehenge: "You take Stonehenge."). Die zumeist ungewöhnliche Beute wird bis zum Ende einer Spielsession im Gepäck aufbewahrt, das sich durch die Eingabe von "i" oder "inventory" durchstöbern lässt.


Falls der Vesuv erneut ausbrechen sollte, befinden wir uns zumindest außer Reichweite.

Grafik
Um die Szenenbilder zu illustrieren, greift das Programm auf Fotografien (teils auch Karten, Luftaufnahmen u.a.) aus der Wikipedia zurück und verwandelt diese in äußerst abstrakte, detailarme Pixelgrafiken, welche der Infocom-Ära durchaus Tribut zollen. Wer stattdessen den unverfremdeten Originalschauplatz besichtigen möchte, kann den Effekt jederzeit mit dem Verb "focus" aufheben.


Auf den Spuren von Zak McKracken.

Fazit
In Gestalt jenes archaisch anmutenden Live-Textadventures bereitet Wikipedia definitiv mehr Freude denn je. Wer also klassische Textadventures verehrt oder ein ausgeprägtes Interesse an Zeitreisen hegt, sollte sich unbedingt eine Weile mit besagtem Browser-Spiel befassen.